Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
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der Liebhaber u. Helden engagirt wor den. Ein einfältiger Menſch fragte Jemanden, was Tropfbä der ſind. Jedes Bad, war die Antwort,in dem Sie baden. Koblenz iſt glük lich! Ein dortiger Korreſpondent ſchreibt von dorther:Die ſelige Hoffnung, daß auch in unſerer Mitte die vierte Säku larfeier der Buchdrukerkunſt gefeiert werde, iſt nicht getäuſcht worden! O Seligkeit! In Antwerpen werden die Feſtlichkeiten wegen der Rubensfeier zehn Tage dauern; dabei werden Springbrunnen Wein ausſprizen, Van kete, Paraden, Gelage u. ſ. w. werden tagtäglich an der Odnung ſein. Liszt gab am 30. Juli ein Konzert in Wiesbaden. Georges Sand will Spa⸗ nien bereiſen. Chopin, der berühmte Pianiſt, begleitet ſie. Die Dame ſcheint es auf Pianiſten abgeſehen zu haben. In Frankfurt feierte man am 28. Juli, einfach, aber ſinnig die Wiederkehr des Mozartfeſtes. Bald werden wir an je dem Tage des Jahres ein Feſt haben. Glükliches Jahrhundert! Tholucks Stunden der Andacht ſollen ihm ſo viel Geld eingebracht haben, daß er ſich da von ein Haus baute. Mit Recht ſagt man nun ſteht auf dem Titel:Zur häuslichen Erbauung. Wir entlehnen folgendes Deutſch aus ei ner deutſchen Zeitung:Dank den allzucraſſen Uebertreibungen der Monomanie des Napoleonismus auf der einen, und Dank dem unerbittlichen Ge dächtniß einiger ſchwindel-freien Köpfe auf der andern Seite, das Project der officiellen Apotheose des incarnirten Militärdespotismus hat avotirt. Faſt alle engliſchen Blätter berichten, daß die Königin mit ihrer liebenswürdigen Kouſine, der Herzogin von Nemours, am, 20. Juli ihre gewöhnliche Spa⸗ zierfahrt im Hydepark gemacht, u. das beide Damen während der ganzen Fahrt gelacht haben. Der Opiumgebrauch

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ſteig, dem Globe zufolge, in England täglich. In keiner Grafſchaft ſoll der Unfug übrigens ärger, als in Lincoln ſein.Auf zwei Käufer, ſagt das Blatt, doch wohl mit Uebertreibung, welche in einen Gewürzladen treten, kommt faſt immer einer, der Opium, Laudanum u. ſ. w. fordert. Der nach Perſten geſchikte Botſchafter Frank reichs, Graf Sercey, hat nebſt mehre ren Mitgliedern der Geſandtſchaft vom Schah den Löwen- und Sonnenorden erhalten. In dem, zu dieſem Zweke ausgefertigten Ferman wird Graf Ser ceyder Aus bund der Großen des Volks des Meſſiah, die Säule der erlauchten Männer der Nation Jeſu genannt.

Der Modenkonrier. Paris, 26. Juli 1840.

Es dringt der Mode Herrſcherwort Nach Oſt und Weſt, nach Süd und Nord.

1. Das Erſcheinen der Taglioni in der großen Oper war ein Feſt für unſere vorneh me Welt und hat wieder Leben in das Reich der Toilette gebracht. Das Opernhaus war glänzend beſezt, glänzender ſelbſt, als je im vergangenen Winter. In den Logen, auf den Gallerien, im Partere bemerkte man überall die Celebritäten der Mode, der Künſte, der Politik, die großen Namen der Vorſtadt Saint⸗Germaln u. der Chauſſee d-Antin. Man gewahrte durchaus Toiletten, die durch Friſche und Originalität, durch Geſchmat und Ele ganz Alles entzükten.

2. Vorerſt müſſen wir melden, daß das Weiße vorherrſchend war. Mouſſelin u. Spi⸗ zen breiteten überall ihre ſtrahlende Friſche aus. Es dominirte bier wie überall der Ein fluß der Jahreszeit; denn bei unſern Fe⸗ ſten, unſern Soireen, eben ſo wie auf unſern Promenaden, iſt es immer der lichte Mouſſe⸗ lin, der friſche Organdie, der dunſtige Krepp, der uns in die Augen fällt.

3. Indeſſen erwähnen wir auch einiger trefflichen Fantaſtekoſtüme. Da gab es einige Sammet Spencer mit drei Knopfrelhen und anliegenden Aermeln, die die Amazonen-Lel⸗ ber immitiren. Ein Guipuren-Kragen fällt