Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
514
 
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zen am den Hals und Buſen. Ihre Unterlippe hängt tief herab. Unter ih⸗ ren Söhnen gleicht Amſel ihr am Mei ſten. Von dieſen, wie von ihren Töchtern, den Frauen Sichel u. Worms, wird ſie über Alles geehrt, u. von ihrer nächſten, zu ihrer Pflege beſtimmten Umgebung im wahren Sinne des Worts auf Händen getragen. Sie wohnt nämlich noch immer in der Judengaſſe zu Frankfurt, in den ſelben Stuben, welche ſie inne hatte, als ſie, noch anfänglich eine unbemittel⸗ te Krämersfrau, ihre Söhne zur Welt brachte. Dieſe alten, dumpfen Stuben, in der feuchteſten u. ungeſundeſten Stra ße der Stadt, hat ſie ihr Leben lang um keinen Preis verlaſſen wollen.Hier habe ich, erklärt ſie,meine Söhne reich u. mächtig werden ſehen, und ich will jezt, indem ich mich in meinem Al ter nicht überhebe, ihnen ihr Glük laſ ſen, das gewiß von ihnen weichen wür de, wenn ich aus Stolz meine niedrige Hütte verließe. Nun kann aber, bei der Enge der Gaſſe, bis zu dieſer ihrer Wohnung kein Wagen gelangen; ihres Sohnes Equipage fährt alſo nur bis zum Eingang der Gaſſe, und die Ma trone wird Abends, wenn ſie vom Thea ter heimkehrt, aus derſelben nach Hau ſe getragen.

Limburg. Ein zwanzigjähriges Mädchen, Namens Hildebrand, welche ihren der Trunkſucht ergebenen Vater, um den vielfältig von ihm erlittenen Mißhandlungen zu entgehen, in einer Nacht, als derſelbe betrunken nach Hauſe kam, mit einem Handbeile, auf eine ſchauderhafte Weiſe ermordet, und zur Verdekung der That, das Bett, worin der Ermordete lag, anzündete, iſt, nachdem ſie anfangs hartnäkig ge läugnet und ſpäter auf die ihr vorge⸗ haltenen Indizien der Schuld ein limi⸗ tirtes Geſtändniß der That abgelegt hat, von dem Hof- und Appellations⸗ gericht zu Dillenburg, wegen Todt⸗

ſchlags, zum Tode derurtheilt worden. Die Inkulpatin hat gegen dieſes Er kenntniß den Rekurs an den höchſten Gerichtshof ergriffen.

London. Die neue engliſche Zeit ſchriftThe Railway Times berichtet in einer ihrer leztern Nummer:Der Themſe⸗-Tunnel, welcher nun ſchon bis zu einer Länge von 1110 Fuß gediehen iſt, wird durchaus mit Gas auf das brillanteſte beleuchtet, und ſteht dem Publikum täglich(mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage) von neun Uhr Morgens bis Einbruch der Nacht offen. Jede Perſon hat einen Shilling Entree zu bezahlen.

Etwas von Allem. Eine deuk⸗ ſche Zeitung hat unſere Sprache mit folgendem kleinen Wörtchen bereichert: Napoleons-Aſchen-Translokations-Ge⸗ ſez-Entwurf, das iſt ein Wort nach der Wiener Elle, wie: Konſtantinopolitani ſcherdudelſakpfeifenlöcherbohrergeſelle. Der Engländer iſt nie glüklich, als wenn er recht unglüklich iſt, der Schotte nirgends heimiſch, als im Auslande, u. der Irländer nie ruhig, als bei einer Prügelei. Wie werden unſere Nach kommen erſtaunen und lachen, wenn ſie, in den Journalen unſerer Zeit blät ternd, die Ausbrüche des Enthuſiasmus über Sängerinen und Tänzerinen zu Geſicht bekommen. So hat kürzlich ein Namenloſer in Linz ſein Carmen an die allerdings bedeutende Sängerin Varth⸗

Haſſelt mit folgenden kunſtwüthigen Zei-

len geſchloſſen:

Und wenn mir ſchon des Todes pforte raſſelt, So ruf' ich doch noch immer: Haſſelt!

Mad. Schodel ſang am 3. d. M. zu

Brünn die Norma als zweite Gaſtrolle.

Der Violinvirtuoſe Ghys wird auf ſeiner Kunſtreiſe nach St. Petersburg in Prag erwartet. Der in Peſth be⸗ kannte Schauſpieler Hr. Vörger iſt für Carls Theater in Wien für das Fach

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