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lanten eingefaßten Bildniſſe der Köni⸗ gin Regentin und Ifabella II., auf der andern die lezten Waffenthaten des Her— zogs von Vittoria abgebildet. Die gan— ze Cigarren-Büchſe koſtet nur 15000 Piaſter. So viel können unſere Jung— frauen freilich nicht dran wenden, das ſchadet aber nichts; wenn ſie nur ihr Herz mit hineinſtiken, iſt ihre Stikerei für den Geliebten von größerem Werth als 15,000 Piaſter.
Saragoſſa. Hier lebt jezt ein Mann, deſſen Stärke die eines Dupuis weit übertreffen ſoll; er iſt ſo ſtark wie ein uralter germaniſcher Bärenhäuter und kann dem größten Ochſen mit der bloßen Fauſt ſolche Ohrfeigen geben, daß er niederſtürzt. Sein Körper iſt aber von gewöhnlicher Größe und auch die Muskeln zeigen keine beſondere Aus— dehnung. Er heißt Gregorio Adam, das Volk nennt ihn aber den neuen Sim— ſon. Als ſolcher wird er nächſtens nach Deutſchland kommen, um wie der alte Simſon die Ph—. zu touchiren.
Potpourri aus Paris. Vor ungefähr zwanzig Jahren war der Un- terkaſſier des franzöſiſchen Staatsſcha— zes, Namens Matheo, mit Hinterlaſ— ſung eines Defizits von mehr als einer Million Franks, das durch ſeine ver— ſchwenderiſche Lebensweiſe veranlaßt, u. durch die Nachläſſigkeit des Oberkaſſiers Keßner(der ſpäter ſeinem Beiſpiel folg— te) begünſtigt wurde, aus Frankreich entflohen. Er wurde abweſend zu 20 jähriger Zwangsarbeit, 400,000 Franks Geldſtrafe und 100,000 Frks. Kaution verurtheilt, war aber ſeitdem verſchol— len. Erſt im Jahr 1838 erfuhr man, daß Matheo(der troz ſeines italieniſchen Namens ein Deutſcher und aus Mainz gebürtig iſt) in Würtemberg wegen Ur— kundfälſchung zu 2½ jähriger Zucht haus⸗ ſtrafe verurtheilt worden ſei. Die fran— zöſiſche Regierung verlangte ſeine Aus⸗ lieferung, die von würtembergiſcher Sei⸗
te jedoch nur unter der Bedingung zu⸗ geſtanden wurde, daß er erſt ſeine Straf— zeit aushalten müſſe. Dieſe iſt nun vor einigen Tagen abgelaufen, und Matheo in Ludwigsburg an einen franzöſiſchen Kommiſſär abgeliefert worden, der ihn nach Varis führte, wo er nunmehr vor die Aſſiſen geſtellt wird. Die harte Be— handlung im Zuchthauſe ſcheint weder phyſiſch noch moraliſch auf ihn einge— wirkt zu haben; er iſt noch immer der große Mann mit ſchwarzgelokten Haa— ren u. heiterem Geſicht, troz der neuen ſchreklichen Prüfung, der er entgegen— geht, ſoll er auf der Reiſe(die er aus beſonderer Schonung in der Diligence machen durfte) luſtig und guter Dinge geweſen ſein.— Das Geſchlecht der Geizhälſe iſt doch noch nicht ganz von der Welt verſchwunden. In den lezten Tagen ſtarb zu Paris eine Frau von 89 Jahren, welche aus angeſehener Fa—⸗ milie ſtammte, jedoch ſtets ſo kläglich that, daß ſie von Almoſen lebte. Nun ward ſie krank, wollte jedoch durchaus keinen Arzt, weil Medizin Geld koſte. So ſegnete ſie das Zeitliche und machte lachende Erben, denn in ihrem Stroh— ſake fand man 1650 Fünf- und 530 Zwanzigfrankenſtüke, 9 Banknoten, jede zu 1000 Frks. und zehn Obligationen der Stadt Paris! Erbe iſt ihr junger Neffe, der von der Alten Schäzen nicht die leiſeſte Ahnung hatte. Frankfurt. Die Mutter der Familie Rothſchild, die Hekuba der en⸗ ropäiſchen Kröſuſſe, lebt noch. Sie muß beinahe ein Jahrhundert alt ſein, iſt aber noch ſo rüſtig, daß ſie faſt jeden Abend das Theater beſuchen kann. Da ſizt ſie denn, fleißig aufhorchend, in der Proſzeniumsloge, mit einem Fächer in der Hand, um der Lampenblendung zu wehren, auf dem Kopf ein alt hebräiſches, mit Blumen beſeztes Blondenhäubchen, kein Haar ſichtbar, angethan mit bunt⸗
ſeidenem Gewande, die koſtbarſten Spi⸗


