Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
512
 
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werk habe aufgeben und Müller werden müſſen. Er unterhielt die Landleute von ſeinen vielen Wanderungen, von den dabei erlebten Abenteuern, von den Merkwürdigkeiten, die er geſehen, auf eine für die ſchlichten Menſchen ſo anzie⸗ bende Weiſe, daß ihnen die Zeit verging, ſie wußten nicht wie? Und als endlich der Mällerburſche hinzufügte, er ſei jezt brodlos und ſuche einen Dienſt, ließ der Landmann nicht früher mit Bitten nach, als bis Reinhard es annahm, bier zu bleiben und dieſes Haus als Zufluchtsort zu betrachten, bis daß er ein Unterkommen in einer der zahlreichen Mühlen der Umgegend erlangt habe. Bei dieſem, ſchnell angenommenen Antrage konnte der junge Müller ſeine Freude nicht verbergen. Von welcher Art dieſelbe war, wird die Zukunft lehren. Uebri⸗ gens wäre ein aufmerkſamer Beobachter ſicher vor dem höhniſch ſchadenfrohen Blik erſchroken, der aber nur einen Augenblik! ſein Geſicht verzerrte.

(Fortſez. folgt.)

Literatur.

Literariſches Portfolio. Der Geiſt des amerikaniſchen Volkes hat ſich noch nicht aus dem Groben heraus⸗ gehauen und ſich zu ſehr in kaufmän⸗ niſche Bücher und Waaren vertieft, als daß es der Poeſie, wenn ſie ihm einmal auf die Schulter klopft, anders als mit einem kalten Lächeln einen Wink geben könnte, ſich gefälligſt zu entfernen. Aber ſo lange es Herzen gibt, wird es auch Poeten geben; ſelbſt in Amerika hat die Poeſie ſchon Blüt hen getrieben, die freilich zwiſchen den kalten, troſtloſen Rechenmaſchinen und Kaufmannsgeſich tern ſehr troſtlos und einſam daſtehen, aber ſie ſind doch da. Ein amerikani ſcher Maler hat eine Art Muſen-Alma⸗ nach herausgegeben, eine Muſterſamm lung der beſten Erzeugniſſe, denen größ tentheils einige Skizzen und ſymboliſche Arabesken beigefügt ſind. Das ſplendid gedrukte Büchlein führt den Titel: The poets of America illustrated by one of her painters, edited by John Keese, d. h. die Dichter Amerika's, illuſtrirt von einem ihrer Maler, herausgegeben von John Keeſe. Es ſind fünfzig Dich⸗ ter und Dichterinen, die größtent heils

Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.

ein entſchieden nationales Gepräge ha ben. Sie ſchildern mit friſcher Kraft der Anſchauung die amerikaniſehe Natur, ihre Urwälder, Vögel, Bäume, Waſ ſerfälle u. ſ. w. Beſonders ſchön iſt die amerikaniſche Flagge, von J. R. Dracke, wo ein Vers in der Ueberſe⸗ zung ungefähr ſo lautet:

O Meeresflagge! möge ſchüzen

Die Tapfern deiner Sterne Blizen; Wenn Tod, der ſcheucht des Stur

mes Vögel,

Umnachtet die geblähten Segel,

Die Wellen ſelbſt in Furcht ertrinken Vor'm Schiffe, das beginnt zu ſinken, Schau' Jeder nach vom Todesthor Zum Himmel und zu dir empor, Laß ſiegend deine Farben blinken,

Eh ſie im naſſen Tod verſinken.

Mignon Zeitung.

Madrid. Bei uns ſtiken junge Mädchen ihren Angebeteten gewöhnlich Cigarren-Vüchſen, Hoſenträger und Ta baksbeutel; die ſpaniſche Königin-Re gentin hat dem General Espartero auch eine Zigarren-Büchſe geſtikt u. geſchikt, welche aber ein Bischen mehr koſtet. Auf der einen Seite ſind die mit Bril⸗