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flach auf die Schulter und ſcheinbare Man— chetten, die auf den Aermeln zurükgeſchlagen ſind, werden durch vler oder fünf kleinen Seldenknöpfchen befeſtigt, die jener dreifachen Reihe auf der Bruſt gleichen. Dleſe Leibchen halten ſich nicht bei dem Unterrok auf; ſie gehen etwas tiefer als die Taille hinab, und runden ſich auf den Hüften. Es gibt nichts Grazlöſeres als ein ſolches Leibchen von ſchwar— zem Sammt, oder grünem oder granatfarbi— gem Gros auf einem Roke von weißer Mouſ— ſelin. Es liegt in einer ſolchen Toilette etwas unausſprechlich Freies, Harmloſes, Unge— zwungenes, was wahrhaft verfuhrcriſch iſt.
4.„O, meine Damen!“ ruft ein Pariſer Journal aus,„die Schönſte unter Euch wird ſtets Diejenige ſein, die ſich unter dem ma— giſchen Prisma der Anſtändigkeit zeigt.— Be— trachtet in dieſer Loge jene zwei Damen. Es iſt wahr, die Eine zeigt Aller Augen ſchöne Formen. Die Kritit hat nichts gegen die Reinheit der Linien dieſer Schultern, gegen die Anenuth der Contouren dieſes Schwanen— halſes, dieſer Bruſt einzuwenden; aber wenn Ihr dieſe Dame ein Mal, zwei Mal und, wenn Ihr wollt, drei Mal ange ſehen habt, ſo kennt Ihr ſie auswendig. Betrachtet aber im Gegentheile an ihrer Seite jene junge, reizende Perſon, geſchmükt mit einem Kleide von Tartalan, deſſen zahlreiche Falten ſich um einen ſanften, geſchmeidigen Körper kreu— zen und wellenförmig ſchlingen; ibr trefflich geformter Hals und ihre Bruſt zeigen ſich nur durch den weichen Vapeur der Spizen, der noch ihren Teint verſchönert. Jede neue Prüfung läßt Euch einen neuen Reiz entde— ken, und das was die Beſcheidenheit des Pu— zes der Neuglerde entziehet, wird von der Zaubermacht verſchönert, die das Myſteriöſe ſchafft.“
5. Obwohl die Strohhüte an der Tages— ordnung ſind, ſo hat der Krepp dennoch ſeine Rechte in unſerer Gunſt behauptet. Weiße Krepphüte mit roſenfarbigen Roſenbouquets ſind die ausgezeichnetſten. Hüte von Gaze u. Poult de Sole, mit Königsroſen geziert, ſind ebenfalls beliebt.
6. In den Bädern und auf dem Lande tragt man Kapoten von geſtiktem Organdie.
7. Man ſieht in großer Zahl Kleider von ſchottiſchem Mouſſelin de Laine. Wir haben
mehrere mit einem boch aufgerichteten Quer— ſtreifen garnirt geſehen.
8. In Paris tragt jezt Alles Handſchuhe von Herrn Mayer(passage Choiseul, 32). Dieſer Fabrikant kann den zahlreichen Aufträ— gen, die an ihn gerichtet ſind, nicht genügen. Vorzüglich beliebt ſind ſeine ledernen Fauſt⸗ handſchuhe mit kleinen weißen Tullruchen garnirt.
Lokal-Zeitung.
Theatraliſches. Die italleniſche
Operngeſellſchaft iſt am lezten Mittwoche mit dem Dampfboote hier angekommen. Sie gibt heute ihre erſte Vorſtellung. Wir glauben ſchon die Neuheit der Sache muß die allgemei— ne Thellnahme in Anſpruch nehmen.— Die erſte Oper iſt„Belisario“., Künftigen Mon— tag:„Der Barbier von Sevilla.“
— Eine ſehr gute Theater-Vorſtellung hatten wir auf der Peſther Bühne am 5. d. Es ward Kotzebues wiziges Luſtſpiel:„der verbannte Amor“ gegeben, das faſt in allen Theilen trefflich geſpielt wurde. Vorzüglich excellirte Hr. Dletrich als Profeſſor, er führte die Rolle voll Leben, Wahrheit und Wärme durch. Nächſt ihm erwäbnen wlr, wegen ih res trefflichen Zuſammenſpiels, die Damen Ka⸗ lis⸗Padjera, Grill und Deny, ſo wle Herrn Kalis. Hr. Rott beluſtigte und belebte Alles vom Anfang bis zu Ende.
— Die auf heute angekündigte Beneſiz— Vorſtellung des Herrn Zöllner:„das Preis— ſtüt“, bleibt wegen eingetretener Hinder niſſe, auf einige Zelt verſchoben.
— Benefiz.(Ofen.) Montag, den 10. d. M., geht, zum Vortheile der Dem. J a— ritz, Schillers Drama:„Turandot, oder dlendrei Räthſel“ für die Arena ein⸗ gerichtet u. mit Tänzen u. chineſiſchem Feuer— werk ausgeſtattet, in die Szene. Der Fleiß der brapen Beneſiziantin, ſo wie die aner— kannte Gedlegenheit des Schiller'ſchen Dramas laſſen einen angemeſſenen Zuſpruch erwarten.
Modenbild. Uro. 33.
Paris, 25. Juli. Neueſte Sommer⸗
anzüge für Promenaden.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.
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