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kümmerniß meiner Seele:„Du biſt das ſchlechteſte meiner Werke!“ Der alte Crebillon erhob ſich, und ging mit großen Schritten auf und nieder, düſtre Blike auf das Gemach werfend, in das ſo eben das junge Mädchen ab— ging. Die andern Gäſte, die wahrnahmen, daß die Szene in das Tragiſche über— gehe, brachten dem Sohn Crobillon, nachdem ſie bemüht geweſen, ihn aufzuhei— tern, ihren Scheidegruß und entfernten ſich. Dieſer blieb allein mit ſeinem Vater zurük, verſunken in düſtre Betrachtungen.

„Unglüklicher!“ fuhr der alte Dichter fort, indem er ſich an ſeinen Sohn wandte,„warum haſt du ſie nicht in dem Kloſter gelaſſen? Sie hier, und ſo jung, ſo rein! Allein, ich dachte nie daran— nein, es iſt unmöglich!“ rief er mit ſteigender Heftigkeit aus:„du hatteſt kein Recht auf den Beſiz einer Toch— ter!“— Claude weinte. Da gedachte der alte Dichter, daß er zu weit gegangen ſei. Er ergriff ſeines Sohnes Hand und ſprach:„Genug! Ich bin ungerecht! Man befiehlt nicht, ich weiß es, ſeiner Phantaſie! ſeinem Geiſte— und dann muß man leben— und ich mit meinen Tragödien, mit meinem Atreus, Rhadamiſt, Pyrrhus, ich würde geſtorben ſein durch Hunger und Elend, ohne die Unterſtü— zung jener Pompadour, die mir eine Penſion auswarf,. welche ich aus dem Kothe aufraffen mußte, indeſſen du mit deinen Romanen und Erzählungen glüklich und reich biſt! du wirſt herrlich deine Tochter ausſteuern können...“— Auf dieſe Worte vermehrten ſich Claude's Thränen. Er fiel zu den Füßen des alten Eré— billon nieder und rief, ſein Antliz verhüllend:„O, mein Vater, und wer, wer wird ſich ihr vermählen wollen?“(Beſchluß folgt.)

Die Londoner und Pariſer„Löwen“.

Was bedeutet das Wort„Löwe“ in der Modeſprache der Londoner und Pariſer eleganten Welt? Es handelt ſich dabei nicht um den Löwen, welchen die Naturgeſchichte wohl als den König der Thiere bezeichnet, obſchon auch der Modelöwe als König der Modethiere waltet. Der König, um den es ſich hier handelt, iſt der einzige, vor deſſen Despotie das civiliſirte Europa noch in allen Kreiſen Reſpekt hat und von dem ſich auch das täglich demokratiſcher werdende Volk noch etwas gefallen läßt. Der Löwe, welcher die Modewelt beherrſcht, trägt ſtatt des Hermelins einen Frak nach dem neueſten, nicht ſelten von ihm ſelbſt erfundenen Schnitte, ſeine Krone iſt die Friſur in der modernſten Fagon, ſein Ordensband iſt die Krawatte und ſein Szepter eine Havannah-Cigarre.— Das Geſchlecht der Löwen ſtammt aus England, aus London, und iſt in Paris, Berlin, Wien u. ſ. w. nun erſt durch Uebertragung heimiſch geworden. Jezt bezeichnet es einen jungen Mann(doch das Wort Mann paßt hier eigentlich nicht recht), ein Geſchöpf, welches das Privilegium hat, ſich durch gelbe Handſchuhe von der Probe der Oper bis zum Jokei-Club angenehm zu machen. Die eigent⸗ liche Bedeutung des Löwen kommt nur in London vor, wo mit dem Worte der Held eines galanten Abenteuers, eines ſentimental-tragiſchen oder ſkandalos-hu⸗ moriſtiſchen, bezeichnet wird, wobei ein großer Eklat in der höchſten engliſchen FJaſhion jedoch eine unerläßliche Bedingung iſt. Der Löwe iſt eine ephemere Fi— gur von Einfluß und Gewicht, er iſt der Gegeuſtand der Verehrung, ja Abgöt—