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Creébillon an.— Nachdem er die Hände der Gäſte und die ſeines Sohnes ge— drükt hatte, rief er:„Wollen wir rauchen?“ Dies war eine Lieblinge-Leiden— ſchaft des alten Dichters, und ſein angenehmſter Zeitvertreib.„Nein, heute nicht,“ antwortete Claude.—„Ei, weßhalb denn nicht? Und du haſt mich ge— laden? das iſt ein Schelmenſtreich!l“—„Mein Vater, ich war bedacht, Euch hiefür zu entſchädigen.“—, Und wie?“—„Durch die Anweſenheit meiner Tochter, meiner Sophie. Ich erlaubte ihr, Euch zu Ehren, mit uns zu ſpeiſen; und deshalb, meine Herren,“ ſagte Claude zu den drei Dichtern,„beliebe es Euch keine Verſe zu machen, bis ſie ſich in ihr Zimmer zurük gezogen haben wird.“— „Das iſt abgethan,“ verſezten die drei Freunde.—„Gleichviel, Claude,“ ent— gegnete der alte Trauerſpieldichter,„du hätteſt beſſer gethan, ſie im Stifte gelaſſen zu haben.“— In dieſem Augenblike trat Sophie ein. Sie war ein be— zauberndes Mädchen von neunzehn Jahren, ſchön und anmuthig. Schüchtern er— röthete ſie bei dem Anblik der Gäſte, denn ihr Vater hielt ſie ſeit einem Mo— nate, als ſie das Kloſter verließ, in der vollkommenſten Abgeſchiedenheit, und blos in der Geſellſchaft einer Gouvernante. Bei ihrem Eintritt erhob ſich ein allgemeiner Ausbruch der Bewunderung. Man ſezte ſich endlich zur Tafel; man feierte den Dichter des Radamiſte, und trank auf den Ruhm ſeiner Werke.— „Ich, ich trinke auf den Ruhm der Werke des Sohnes!“ brach Panard aus.— Das Antliz Claude Crébillons verfinſterte ſich.„Meine Herren, kein Wort mehr über dieſen Gegenſtand, ich bitte Euch,“ ſprach er, ſeine Tochter beobachtend.— „Ich erkenne hierin wieder meinen Vater,“ verſezte Sophie;„ich mache Sie, meine Herren, zu Richtern ſeiner Ungerechtigkeit: ich weiß, daß er berühmt iſt, daß ſeine Werke geleſen, verſchlungen werden— und würden Sie wohl glau⸗ ben, daß er mich nicht nur keines derſelben leſen läßt, ſondern mir ſogar ihre Titel verſchweigt?“—„Dies ſind,“ ſprach Gallet,„viel zu gelehrte Bücher für Sie, mein Fräulein.“— Die drei Liederdichter brachen in ein helles Ge— lächter aus. Die Stirne des alten Crébillon, deſſen Charakter leicht von Freude zur Düſternheit überging, zog ſich in Falten; Claude verrieth Ungeduld, ja Zorn, und befahl mit barſchem Tone Sophien, ſich zu entfernen.— Das junge Mädchen erröthete und erhob ſich. Der alte Cröebillon ſenkte verſtimmt das Haupt. Sophiens Vater reichte ihr die Hand und verſuchte zu lächeln, ſie aber verließ das Zimmer, nachdem ſie ſich den Gäſten anmuthig empfahl.—„Du ſagteſt uns ja nicht,“ ſprach Panard,„daß du bei dir ein ſo liebes Vöglein haſt.““—„Es iſt ein Engel,“ verſezte Gallet mit Enthuſſasmus, indem er das Glas zum zwanzigſten Mal leerte.—„Auf die Geſundheit eines guten Vaters,“ rief Colle;„er nahm Rükſicht auf ihre Unſchuld, ſie kennt ſelbſt die Titel ſei— ner Werke nicht!“—„Wehe Dem, der ſie ihr bekannt gäbe,“ ſchrie Claude mit heftigem Zorne,„er ſtürbe von meiner Hand!“—„Nun, nun, beruhige dich,“ entgegnete Colls, und brachte neuerdings deſſen Geſundheit aus. Alle tranken, außer dem alten Tragödiendichter, der nachſinnend ſeinen Kopf auf die Bruſt warf.—„Was haſt du denn, großer Mann,“ fragte Gallet, indem er die Hand des Dichters ſchüttelte, der in eine ſeiner düſtern Anwandlungen ver⸗ ſiel.—„Ach, laſſet mich!“ rief er.„Ich denke an Dinge, die Ihr vielleicht nicht begreifet. Weh' dem Vater, der vor ſeinem Kinde erröthete, wenn es ſelbſt nur die Titel ſeiner Bücher kennte. Ich ſagte es dir oft lächelnd und ſcherzend, allein heute ſage ich es dir mit gepreßtem Herzen und in tiefſter Be—


