496

terei, der Inhaber einer Majeſtaͤt, welche jedoch ſelten länger als acht, höch— ſtens vierzehn Tage giltig iſt. Ein ſolcher Günſtling der Mode kommt plözlich, wis durch Zauberkraft en vogue und glänzt ſo lange bis er von einem Nachfol— ger wieder in Schatten geſtellt wird, welcher nun den Modethron einnimmt, bis er durch einen neuen Windbeutel fortgeweht wird. Der Londoner Löwe, iſt alſo eine Art modiſcher Bohnenkönig, eine Seifenblaſe, die im Sonnenlichte der Gunſt ſchimmert, bis ſie zerplazt.— Die Pariſer nennen hingegen jeden Fürſten des Dandysmus einen Löwen und dieſe alle zuſammen bilden die Creme der modiſchen Eleganz und Faſhion. Der Löwe der Löwen in der neueren Zeit war in Frank— reich der Biſchof von Autun, der famoſe Talleyrand: er hielt wärend der Re— volution den Typus der grands seigneurs und der Männer von gutem Tone aufrecht und er dreſſirte auch den einzigen Löwen aus der guten alten Zeit, wel— cher jezt in Paris als der Neſtor des Löwenheeres lebt den berühmten M. de Montrond, welcher den Lauzun des Direktoriums und der Kaiſerzeit ſpielte und welcher ſich ſelber überlebte, nachdem er dreißig Jahre lang zu Paris das Szep— ter der Mode geführt und den Hofſchranzen wie den Salonſpeichellekern zum Modell gedient hatte. Wer den M. de Montrond vor vierzig Jahren nicht in den Salons von Frascati oder im Pavillon Hanovre, bei den Feten im Hotel Marbeuf, in Garats Konzerten und im Foyer der großen Oper, als die Oper noch ein Foyer hatte, geſehen, der hat gar keine Idee von einem echten Pariſer Löwen. Er diente Carle Vernet zum Modell, welcher gleichfalls ein großer Lö— we war und auch hierin von ſeinem großen Sohne Horace Vernet nachgeahmt wurde. Horace Vernet und der Vicomte Soſthenes de La Nochefoucault ſind die, lezten großen Löwen aus der Reſtaurationsepoche; ihnen reiht ſich jezt ein Heer junger Löwen würdig an.— Die Löwen in London führen dieſen Ehrentitel höchſtens ſeit zwanzig bis dreißig Jahren; ihr größter Held iſt der famoſe, von uns unlängſt beſprochene Brummel, der Fallſtaff des Prinzen von Wales, nach— herigen Georg IV. Brummels größter Nebenbuhler als Dandy war der reiche Ball, welcher ſo ſchwer an Golde und auch an Fleiſche und ſo dik war, daß er gewöhnlich nur Golden Ball hieß. Ihm reiht ſich Hayne an, welcher nie anders als grün gekleidet erſchien, und deshalb den Spiznamen bea green(die grüne Erbſe) führte. Ferner verdient hier Naſh genannt zu werden, welcher Alles aufbot der Schönen Schönſter zu ſein und wirklich nur der ſchöne Naſh hieß. — Die guten Leute haben ſich's wirklich um das Vischen Ehre ſauer werden laſſen; denn es koſtet nicht blos viel Geld und Zeit, ſondern auch viel Schweiß und Kopfbrechen, ſich als Löwe geltend zu machen und zu behaupten. Der Löwe geht immer wie auf einem Seile zur Thurmeshöhe des Ruhmes hinan: ein fal— ſcher Seitenpas und er wird lächerlich, fällt, und iſt für immer verloren. Lau— zun, der famoſeſte Löwe am Hofe Ludwig XIV., ſaß zehn Jahre im Kerker und ſagte als er ſpäter wieder bei Hofe erſcheinen durfte, und die Hofſchranzen ſich über ſein längſt aus der Mode gekommenes, einſt tonangebendes Benehmen lu— ſtig machten, zum Könige:„Sire, ich ſehe, daß, wer ſich von Ihrem Hofe ent⸗ fernt, noch mehr als unglüklich wird— man wird lächerlich!“— Und Brum— mel ſtarb gar im Irrenhauſe: ü

„ a(Mainzer Unterhalt. Bl.)

— 28