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daß ihr, was etwas ſagen will, die Frauen den Namen„der Erzengel“ gegeben haben.— In einem Dorfe, auf der Straße von Paris nach Fontaine— bleau, iſt dem Vernehmen nach eine Buchdrukerei errichtet worden, in wel— cher nur weibliche Individuen Be— ſchäftigung finden; die Idee ſoll von Engländern— wahrſcheinlich während eines Spleen-Anfalls— ausgegangen ſein.— Zur Legion von Schriftſtelle— rinen auch Buchdrukeriner! Die Literatur kommt unter den Pantoffel!
Berlin. Neulich ſtand eine dichte Menge vor einem Annoncen-Drahtka— ſten zu Berlin. Die Neugier iſt anſte— kend, zumal in Berlin. Ich trat her— an; da breitete ſich ein großer Zettel mit farbig gedrukten Buchſtaben aus. Oben ſtand im byzantiniſchen Rundbo— genſtyl mit gelben und blauen Lettern: „Noch nie da geweſen in Berlin.“ Gleich darunter ſah man zwei ſtolze, grade Männer. Der Eine war ein Schneider, der Andere ſtand kerzengrade und ließ ſich Maß nehmen zu einem Wunderroke von 2½ Elle Tuch. Tailleur verſprach mit koloſſalen Buchſtaben: Jedem einen modernen, feinen, weiten Rok von 2½ Elle Tuch zu machen. Der Wunder größtes aber wahr die Prophezeihung, daß, wer bei ihm 50 Thaler deponire, jeden Monat einen neuen Anzug von der feinſten Sorte erhalten werde. Er vergaß nicht, mit bunten Buchſtaben unter ſeinen Namen zu ſezen:„Früher in Baris u. London.“ Hinterher mach— te Einer bekannt, das ſei eine alte, aſchgraue Geſchichte.
Dresden. Der Bau unſers neuen Theaters ſchreitet immer weiter vor, und man hofft, daß die Eröffnung deſ— ſelben noch im September dieſes Jahres ſtattfinden werde. Aus Paris iſt der berühmte Dekorationsmaler Desplechin gegenwärtig, und auch dieſe Arbeiten werden auf's thätigſte betrieben. Pro—
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feſſor Hübner arbeitet mit mehreren Ge⸗ hilfen an der Vordergardine. Auch Gro— pius aus Berlin wird zu Aufſtellung einiger ſeiner Dekorationen erwartet.
München. Dieſer Tage kehrte der ſeit dem ruſſiſchen Feldzuge vermiß— te und ſchon längſt für todt erklärte Soldat des 7eten Linien-Infanterie-Re⸗ giments, Michael Stemmer aus Win— kelhauſen, kön. Landgerichts Schroben— hauſen, geſund und wohlbehalten in Begleitung ſeines 18 jährigen Sohnes zurük, woſelbſt er ſeinen 84 jährigen Vater zu ſeiner nicht geringen Freude wieder ſah. Gefangennehmung u. dar— auffolgende Transportirung nach Sibi— rien, woſelbſt er ſich mittelſt Heirath anſiedelte, hielten denſelben während einer 28- jährigen Abweſenheit ab, in ſein geliebtes Vaterland zurükzukehren.
Prag. Stöger's koloſſales Haus am Neuthore, für die Redouten gewid— met, wird bald vollendet und eines der ſchönſten Bauten Prag's ſein. Es wur⸗ dazu gegen ſieben Millionen Ziegel ver— wendet.
Etwas von Allem. Mad. Scho⸗ del hat im Kärnthnerthortheater als Gräfin Reuterholm in der„Ballnacht“ mehr als in der„Unbekannten“ ange— ſprochen.— Dr. Meynert, der eben ſo beliebte als bekannte Novelliſt u. Thea— terreferent, hat Wien verlaſſen, um in ſeiner Vaterſtadt Dresden eine biblio— graphiſch-artiſtiſche Unternehmung zu gründen.— Zu Limerik in Irland iſt nicht ein einziger Verbrecher vorhanden,. den man vor die nächſten Aſſiſen ſtellen könnte. Etwas Unerhörtes in dieſer Ge— gend Irlands.— Man hat berechnet, daß ein gewöhnlicher Raucher, der in ſeinem Leben 50 Jahre lang raucht und täglich nur zwei Quadrat-Zoll feſten Tabaks verbraucht, im Ganzen 6375 Fuß, oder die Streke von 1½ engli⸗ ſchen Meilen einer feſten, einen halben


