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Seite der Gäſte Theilnahme zu gewin— nen.— Tags darauf gab Hr. Wilhel— mi den Baron Emmerling, in Albinis Luſtſpiel„die gefährliche Tante“ zur zweiten u. lezten Gaſtrolle. Mehr noch als in der vorigen Rolle entfaltete der Künſtler die Glanzſeiten ſeines hohen Darſtellungstalent. Er war ganz der biderbe, ariſtokratiſche Landbewohner, voll raſchen Tem peramentes und anzie⸗ hender Jovialität. Die ganze Rolle trug eine plauſible Nüaneirung an ſich und feſſelte von Anfang bis zu Ende. Er erhielt ſtürmiſchen Aplaus. Man war ſehr zufrieden, als man ſein Ver— ſprechen des Wiederkommens vernahm.— Mad. Grill gab die ſehr unſicher ſkiz— zirte Schauſpielerin trefflich. Hr. Die— trich, ſehr brav. M. Naa b.(Gaſtſpiel des Herrn Wilhelmi.) Unter den vielen ſchö— nen Einrichtungen der k. k. Hofbühne iſt gewiß eine der ſchönſten und gemein— nüzigſten, daß ſie ihren Mitgliedern im Monat Juli Ferien gibt. Es ſind zwar ſo manche Juli-Monate verfloſſen, oyne daß das hieſige Publikum von dieſem Monat mehr als eine afrikaniſche Hize gehabt hätte, doch haben ſich ſeit zwei Jahren die Dinge anders geſtaltet. Hr. Wilhelmi fand für ſeine vorjährigen ausgezeichneten Leiſtungen Beifall, An— erkennung und volle Häuſer, er ver— ſprach wieder zu kommen, u. hat Wort gehalten! Er ſpielte hier im„Epri⸗ gramm“,„Glük beſſert Thorheit“, „Ausſteuer“,„Mäller u. ſeine Kind“, „Portheiwuth“,„Sorgen ohne Noth“, „Familie Nikeburg“,„Unterbrochene Whiſtparthie“,„Räthſel“ und„Unbe— wußte Liebe.“— Ich bin mit meinem heutigen Referate wirklich in Verlegen— heit, denn was läßt ſich über die Spiel— weiſe des geſchäzten Gaſtes ſagen? Soll ich mich auf's hohe Pferd ſezen und auf den Gemeinpläzen: Stempel der Mei— ſterſchaft, aus einem Guſſe, ſich ſelbſt
übertreffen dc. herum courbettiren? wo— hin ſollte dieſes führen, zu einer Zeit, wo es an Alltäglichen, Schwankenden und Rükwärtsſchreitenden ſo viel gibt, denen man leider die Ueberſchäzung ſchef— felweiſe zugemeſſen, ſo zwar, daß jezt ſelbſt ein mit Begeiſterung, auf den Altar der Kunſt und der Wahrheit geſtreuter Weihrauch, von der Menge nur für blauer Dunſt gehalten wird. Glüklicherweiſe komme ich, bei der Be— ſprechung der Gaſtſpiele des Hrn. W., nicht in dieſe Lage, die gebildete Welt kennt die Leiſtungen dieſes Mimen, u. die kompetenteſten kritiſchen Behörden haben denſelben einen der erſten Pläze unter den deutſchen Schauſpielern ein— geräumt. Sein Spiel iſt Leben, friſches, kräftiges Leben; erſchütternde Wahr— heit, das glänzende Reſultat von Stu— dium und Selbſtſchöpfung, ich möchte ſagen es iſt Zauberei, was wir ſahen! Möge Herr W. noch oft die hieſigen Kunſtfreunde mit ſeiner Anweſenheit be— glüken, ſein jeziger Aufenthalt wird uns unvergeßlich bleiben.— Die lieb— liche Ammesberger, wie immer, recht brav, nur etwas mehr Grazie! mehr Denker! Hr. Neumann gab den Haupt— mann Klinker, und den Baron in der „unbewußten Liebe“ überraſchend gut, dagegen den Heerenberg in„Rikeburg“, der doch Patrizier und Rathsmitglied iſt, in der gewiſſen läppiſchen Manier — ſchauderös.— Hr. Werner, außer im „Räthſel“, kalt, Hr. Goubou immer monoton; die Damen Schwarz u. Va⸗ nini ſehr brav. S.
Mignon-Zeitung. Potpourri aus Paris. Zu Montauban macht jezt eine Somnam— bule ſo großes Aufſehen, daß die Leute auf zwanzig Stunden in der Runde her— zuſtrömen, um ſie zu ſehen und zu be⸗ fragen. Sie ſoll ſo überirdiſch ſchön ſein,


