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Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.
Mignon Zeitung.
Pre bung. Wie feierlich hier das Guttenbergfeſt begangen wurde, werden Sie aus der Preßburger Zeitung erſe— hen haben; nur verdient hier Erwäh— nung, daß die hieſigen Buchdrukereibe— ſizer, die H H. Wiegand und Weber (Proteſtanten), mit allen ihren Ange— ſtellten, troz an ſie ergangenen Erſu— chens, nicht daran Theil nahmen, ſon— dern das Feſt am 5. Juli ſeparat feier— ten. Man konnte ſich dieſe Abſonderung nicht recht erklären.
London. Der Sturmwind riß lezte Woche den Vaum um, unter wel— chem Maria Stuart während ihres Auf— enthalts in Schottland zu leſen pfleg— te. Dieſes Ereigniß erwekte großen Schreken unter den abergläubigen Hoch— ländern.
Etwas von Allem. Der älte⸗ ſte Penſioniſt des k. k. Hoftheaters iſt Hr. Müller, Vater der unvergeßlichen Sophie Mäller; er genießt eine Venſion von 200 fl. C. M. und zu ſeiner Un— terſtüzung wird im Joſephſtädter Thea— ter eine außerordentliche Vorſtellung ver— anſtaltet.— Das Fichtner'ſche Ehepaar unternimmt dieſes Monat eine Geſund— heitsreiſe nach Karlsbad.— Der lau— teſte Beifall, den Kunſt und Sohn im Laufe ihrer bisherigen Gaſtrollen ſich erwarben, wurde ihnen im„Pariſer Taugenichts“ geſpendet, wo Hr. Kunſt den Major u. Wilhelm Kunſt den Ju— lius gab. Herr Direktor Carl wollte Hrn. Kunſt gegen 30 fl. Spiel honorar und jede ſechſte Vorſtellung eine halbe Einnahme nebſt vierteljährigem Kon— trakt für ſeine Theater engagiren.— Miß Baba wird Ende dieſes Sommers in Begleitung eines Rhinoceros-Jüng⸗ ling, welcher ſich ihr hier kürzlich zu—
geſellte, eine Dampfſchiffsreiſe nach Linz und Oberöſterreich antreten.— Der Maler F. Ammerling iſt vorige Woche nach Florenz abgereiſt, nachdem er die Mehrzahl ſeiner Gemälde zu hohen Preiſen verkauft hatte.— Die deutſchen Blätter füllen fortwährend ihre Spal— ten mit den Beſchreibungen der ſtattge— habten Guttenbergfeſte in verſchiedenen Städten. Die Sache erwekt ſchon Ue— berdruß und man ſehnt ſich ſchon nach einem andern Thema.— In Verlin kündigt ein Schneider an allen Stra— ßeneken Sommerröke an, die er Hiz— ableiter nennt. Die Verliner ſollen aber kalt dieſe Hizableiter aufnehmen, wie denn die Berliner bei allen Dingen ihre Kälte bewahren.— Aus allen Ge— genden Deutſchlands und Frankreichs vernimmt man, daß die Weinreben eine beſſere Ernte verſprechen als ſeit Jah— ren der Fall war. Auch in Ungarn kön⸗ nen wir uns dieſer Hoffnung überlaſſen. Gute Ausſichten für Wirthe. Bei den Gäſten wird's wohl bei dem Alten blei— ben.— Im Königſtädtiſchen Theater zu Berlin hat ein neues Drama:„Wo weilt das Glük?“ dramatiſcher Frage(2) in 3 Akten von Wilhelm Müller, ſehr gefallen.— Der Prinz Albert ließ ſich den Schnurrbart abnehmen, was bei den engliſchen Damen, die bekanntlich die Schnurrbärte nicht leiden mögen, große Freude erregte. Die engliſchen Da— men kennen erſt noch nicht jene gewich— ſten, von Fett glänzenden und triefen— den Lippenbärte.— Der Violinſpieler Ernſt begibt ſich von Brünn nach Paris und folgt im Herbſt einer ehrenvollen Einladung nach St. Petersburg. Der Wiener Muſikverein hat ihn ſo eben zum Eykenmitglied ernannt.— Im Theater an der Wien gab man eine neue Poſſe:„das Preisſtük“ von Kaiſer, die ſehr angeſprochen hat.— Ein Kor—


