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die ſich nicht in der Stadt ſehen ließen. Gegen Mittag ſtiegen Vlele zu Pferd“, und ſtreiften in Trupps umher, um auf den einzelnen Pflanzungen nachzuſe— hen; langſam ritten ſie durch alle Negerdörfer; ſchweigend ſahen ſie die Schwarzen an ihren Hütten vorüberziehen. Man fand überall viele Leichen und die Zahl der Familien, denen dieſe Nacht Trauer auferlegte, war groß.— Verhaftungen wurden vorgenommen, uad bald war es zur Kunde der Behörden gekommen, daß Bartz und Jean Barbet die erſten Urheber der Mezelei geweſen. Jean Barbet muede in dem Augenbkike verhaftet, wo er in ein Boot ſtieg, um nach den eng⸗ liſchen Kolonien zu flüchten. Er erdroſſelte ſich im Gefängniſſe. Mehrere Wo— chen lang konnte man Bartz nicht auf die Spur kommen.
Noch lange ſchwebten die Koloniſten in großer Angſt, man fürchtete jede Nacht die Wiederkehr von Mordſzenen. In allen Städten und Fleken zogen mit Sonnenuntergang Wachen auf. Auf dem Lande, und beſonders auf den kleinen Pflanzungen, die am Saume der Wälder liegen, verſammelten ſich jeden Abend bald bei dem, bald bei jenem alle Familien aus der Nachbarſchaft, um die Nacht gemeinſchaftlich zuzubringen; Frauen und Kinder ſchliefen, die Männer wachten, ob der gemeinſamen Sicherheit.— So waren auch eines Abends mehrere Fami— lien bei Herrn N..., auf einer einſam gelegenen Pflanzung, verſammelt. Alle ſchliefen, nur N..., an dem gerade die Reihe war, zu wachen, rauchte, rubig zum Fenſter hinaus ſchauend, ſeine Eigarre. Da hörte er leiſe an ſeine Thüre klopfen.„Wer da?“ ruft er hinaus.— Es war finſter, und man konnte nichts unterſcheiden. Es erfolgte keine Antwort, doch wurde ſtärker geklopft.—„Wer klopft da?“ wiederholte N...—„Ich bin es, Bartz, der vor Hunger und Durſt vergeht. Macht mir auf.“—„Warte,“ ruft N.. ihm zu, greift nach ſeiner Flinte, und feuert auf gut Glük aus dem Fenſter. a
Bei'm Knall ſeiner Flinte erwachen alle Schläfer, Fakeln werden ange⸗ zaͤndet, und die Männer beeilen ſich, Bartz zu ſuchen.— Der war tödtlich ge⸗ troffen worden, und hatte ſich nur noch bis auf ein nahes Kaffefeld ſchleppen können. Als er Männer mit Fakeln herankommen ſah, raffte er ſeine lezte Kraft zuſammen, etwas von ſich weg zu ſchleudern. Ein Koloniſt hob es auf— es war die Uhr des tapfern Herrn...
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Errare humanum.
Auf dieſes Sprichwort— das Jemand mit„Irren iſt human“ überſezte— ſcheinen beſonders die Herren Sezer ein Privilegium zu haben. Ich will zur Kurzweil der Leſer hier einige Wunderdinge mittheilen, die durch ſolche Errata entſtanden. In einer Ueberſezung der Bibel lieſt man„ich habe dein Gebet er— hört und dieſe Stätte nur zum Opernhauſe erwählt,“ ſtatt„Opferhauſe.“— Anderwärts:„gut gezogene Dichter ſind zu verkaufen“ ſtatt„Lichter.“ Ebenſo: „der brave Soldat ſtarb an ſeinen Waden“,„ſtatt Wunden“—„da ich außer Land ziehe, ſo will ich meine Güter ſomit und ſonders verſaufen“, ſtatt „verkaufen.“ In einer norddeutſchen Zeitung ſtand unlängſt:„Es ward dann allen Leiden die Stadt verboten“, ſtatt„Beiden“, und„alle unſere Leichen ſind in die Bäder gereiſt“, ſtatt„Reichen.“— In einem Jntelligenzblatte war zu leſen:„Ich habe wieder eine Partie Weſtpyälinger Schinken erhalten und


