Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
439
 
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439 blieb verduzt, und als erwache er aus dem ſeltſamſten Traume, ſtehen. Wenige Minuten noch, und der Lärm der Sturmgloke wekte die ſchlafenden Bewohner des Städtchens.

Boten wurden nach allen Pflanzungen ausgeſendet, damit die Koloniſten benachrichtigt würden, jenſeits des Fluſſes ſeien die Neger losgebrochen, und noch Zeit gewännen, ſich mit den Ihrigen eiligſt in die Stadt zu retten, damit alle gemeinſam ob ihrer Sicherheit wachen könnten. Einer dieſer Eilboten lief auf der ſandigen Straße hin, die von Moule auf die Felder im Nordweſten der Bai, gerade auf die gegenüber liegende Seite der Kolonie führt, von der das flüchtige, junge Mädchen gekommen war; da begegnete ihm ein Reiter, der nach der Stadt zuritt; hinter ihm, auf ſeines Pferdes Croupe, ſaß ein Neger. Das war Jean Barbet, dem Bartz's Votſchaft zu ſpät zugekommen war, und der nicht gewagt hatte, noch in derſelben Nacht in ſeinem Diſtrikt die Ermordun gen zu beginnen, und nur jezt auskundſchaften wollte, ob man in Moule von Vartz's Aufſtande wiſſe, und auf der Hut ſei, oder ob die Stadt noch in Ruhe und Schlaf begraben liege, wonach er ſeine weiteren Maßregeln einrichten wollte. Als er den Neger raſchen Laufes dahin eilen ſah, lenkte er ſein Pferd auf ihn zu, und fragte ihn:wohin willſt du?Ich ſoll auf den Pflanzungen melden, daß man drüben die Weißen mordet, antwortet der Neger.Das iſt ein falſcher Lärm, entgegeten Jean Barbet,Niemand denkt an Morden: Kehr' nur wieder um, du brauchſt den Uflanzern nicht ohne Noth Schreken ein zujagen. Der Neger zögerte einen Augenblik, dann ſagte er:laß mich wei ter laufen, es würde zu dieſer Stunde einem Neger ſchlecht gehen, der ſeinem Herrn nicht gehorchen wollte.Dann laß mich deine Botſchaft überbringen, ich bin zu Pferde, du nur zu Fuß, ich komme raſcher fort, als du.O nein, o nein, ich gehe ſelbſt. Ich will morgen nicht am Galgen hängen, und damit lief der Schwarze fort, ſo raſch er konnte. Jean Barbet ritt noch ein Paar hundert Schritte weiter nach der Stadt hin; als er dort Lichter ſchim mern ſah, ließ er ſeinen Neger vom Pferde ſpringen, wandte um, und jagte im Galopp des Weges zurük. Indeſſen war Bartz, nachdem er faſt auf allen Pflanzungen, die zwiſchen St. Anne und Moule liegen, gemordet hatte, auf der andern Seite des Fluſſes bis zu den Höhen gekommen, die Moule beherr ſchen, dort ließ er ſeinen Zug halten, um weiteren Anordnungen nachzuſinnen; binter ihm ſchaarten ſich ſeine Neger ſchweigend in dichte Reihen.

Der Morgen begann zu grauen, und Moule lag in deutlichen Umriſſen vor ihm. Bartz ſah Feuer in allen Straßen, die Häuſer ſchienen leer, Frauen eilten in die Kirche, und vor dem Hauſe des Herrn ſtand eine ſtarke Abthei lung Koloniſten, auf ihre Flinten gelehnt. In der Umgegend der Stadt ſchien Alles ruhig, keine Feuersbrunſt röthete den Horizont, und kein anderes Geräuſch ſchallte zu ihm herüber, als der Ruf der Sturmgloke, die alle Schläfer wekte. Da mußte Vartz einſehen, daß ſein Mitverſchworener Barbet unthätig geblieben ſei; er wandte ſich zu ſeinen Negern, und ſprach:Zerſtreut Euch.Schweigend kehrten bei'm Grauen des Morgens die Neger in ihre Hütten zurük. Dieſer Morgen war ruhig, aber Schrekliches ſah ſeine aufgehende Sonne. In Moule kamen fortwährend Kreolen an, die ſich nach den Ereigniſſen der Nacht erkun⸗ digten, oder die Ueberbringer der traurigſten Nachrichten waren. Freudig zählte man all' bieſe Ankömmlinge, und war unruhig über das Schikſal der Koloniſten,