Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
438
 
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mußte das Sklavenkind eſſen; es ſchlief in ſeinem Zimmer. Der alte Mann wachte in jener Schrekensnacht vom Waffengeklirr auf, er rief den Negerknaben, und befahl ihm, ihm ſeine Piſtolen von der Wand zu nehmen.Hier ſind ſe, Herr, rief der Negerknabe, drükte ſie los, und zerſchmetterte mit zwei Schüſſen das greiſe Haupt ſeines Wohlthäters. Von Pflanzung zu Pflan zung unter Plünderung und Mord zie hend, kam Vartz's Vande, die ſich ſchon auf ihrem Zuge verdoppelt und verdreifacht hatte, auf dem Beſizthum eines Herrn L.. an. Dieſer, der ehemals mit Auszeichnung gedient hatte, griff zuerſt nach ſeinem Säbel und eilte, ſeine Frau gegen die rohe Wuth der Neger zu ſchüzen. Hinter Möbeln verſchanzt und den Rüken durch eine Mauer gedekt, ſchüzte er ſie lange mit aller Kraft der Verzweiflung, doch konnte er ſie nur vertheidigen, nicht erretten; Beide ſtarben mit einander. Später fanden Kolo niſten zerbrochene Waffen in dem Zimmer, wo L... überfallen war, zum Zei chen ſeines langen und mannhaften Widerſtandes gegen einen mit äußerſter Wuth geführten Angriff. Als Bartz die beiden Leichen verlaſſen wollte, um auf einer andern Pflanzung das Werk des Mordens fortzuſezen, ſah er L...s Uhr ganz mit Blut beflekt auf der Erde liegen, er raffte ſie auf, ſah, wie viel es an der Zeit ſei, und ſtekte ſie dann ein, ſeinen Leuten aber ſagte er, ſie müßten eilen, mit den Pflanzungen fertig zu werden. Während die Vande ſo hauſte, war das junge Mädchen, das ſich, obwohl verwundet, aus der Pflanzung St. Katharina geflüchtet hatte, nachdem ſie wie ein Geiſt, der nicht Ruhe finden kann, lange in Feldern und Wald umherirren mußte, an dem Ufer eines kleines Fluſſes angekommen, der unweit des Städchens Moule fließt und von dem fla chen Lande trennt. Hier zwangen ſie Müdigkeit und der Schmerz ihrer Wunde, ſtille zu ſtehen; der Fluß hat dort keine Brüke, an der man an's jenſeitige Ufer und in die Stadt kommen könnte; am Tage unterhalten Varken die Ver bindung zwiſchen beiden Ufern, Abends binden aber die Bootsleute ihre Kähne an die Weiden des Ufers und kein Fährmann iſt weit und breit mehr zu finden,

Das arme Mädchen ſtand alſo ganz allein am Ufer, ſah in den Fluß und wagte nicht zu rufen, aus Furcht, ſie möge wieder unter einen Negertrupp ge rat hen. Endlich hörte ſie in der, Ferne unter den Bäumen am Ufer eine Stim me ſingen und das Geräuſch einer Holzaxt. Juerſt zitterte ſie vor Furcht, dann horchte ſie genauer hin und es waren ſanfte, friedliche Töne, ein altes Lied, das die Neger bei ihren Arbeiten zu ſingen pflegen. Dann erkannte ſie auch des Sängers Stimme als die eines Negers, der ihrer Familie gehörte. Sie rief: Michel, Michel!Wer ruft mich? antwortete es von dem andern Ufer ber, und das Geräuſch der Holzart hörte auf.Ich, ſagte ſie und nannte ihren Namen.Du ſollſt mich überſezen. Jezt bekam der Neger nicht ge ringe Angſt; er glaubte nicht anderes, als der Teufel habe ſeiner jungen Her rin Stimme nachgeahmt, um ihn in ſein hölliſches Nez zu ſehen. Sie ſprach ihm Muth ein, er band einen Kahn los, ſchiffte zu ihr über, und ſand ſie zu ſeinem großen Erſtaunen ſo ſpät allein. Er gerieth vor Verwunderung außer ſich und wollte reden und ſie lange fragen.Seze mich über, Michel, und ſchnell, ſagte ſie, und verbarg ihr blutiges Geſicht ſo gut es ging, daß er ihre Wunde nicht ſehe und daraus errathen könne, daß ſeine Brüder auf den Pflan⸗ zungen mordeten. Als ſie das andere Ufer erreicht hatten, floh das junge Mädchen, ſo raſch ihre Füße ſie tragen wollten, nach Moule, ber Neger aber