Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
433
 
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iſt ein Kaſſaſtük und iſt in einem Zeit⸗ raume von 20 Tagen zehn Mal gege ben worden. Die hübſchen Oekorationen und Koſtümes, die von der weiblichen Armee exakt ausgeführten Exerzitien u. Tänze, ſowie das jokoſe Spiel der Her ren Preiſinger, Feiſtmantel, dann der Damen Mad. Zängl und Zöllner wer den denſchlimmen Frauen eine län⸗ gere Dauer verſchaffen. Keines gleichen Succeß erfreute ſich die grandioſe Oper die Gibellinen, deren treffliche Exe⸗ kutirung unſern Opernmitgliedern, be⸗ ſonders den Damen Groſſer und Pod horsky und den Herren Kunz(ausge⸗ zeichnet als Marcell) und Emminger, ſo wie dem Orcheſter zur Ehre gereicht. Unter allen Theater-Vroduktionen hat wohl die Oper, beſonders in Prag, ei nen ſchweren Stand. Das Publikum iſt in den Forderungen, die es bei ei nem Trauer⸗, Luſt-, Schauſpiel, Spek ta⸗ kelſtük oder einer Poſſe mitbringt, ſo ziemlich einig, nur die Oper verſammelt ein heterogenes Auditorium. Ein jeder hängt einer andern Kunſtſchule an; der Eine verlangt eine gelehrte Muſik, dem andern iſt dies ein Gräul und wünſcht italiſche Zukermelodien, der Dritte will durch Abnormitäten überraſcht werden, ein Vierter hört nur gern leichte Lied leins, dem Einen iſt die Führung der Bäſſe, dem Andern die Charakteriſtik nicht recht, und der Dritte wittert überall Reminiszenzen, und der arme geplagte Komponiſt, der ſchon ſeine Noth mit den Sängern u. Sängerinen hat, kann unmöglich es Allen recht machen. Doch kannſt du nicht Allen gefallen, durch deine That und Kunſtwerk Mach' es Wenigen recht, Vielen gefallen iſt ſchlimm.

MeyerbeersGibellinen, die beiher geſagt, nicht nach dem uns vorgeführ ten Libretto beurtheilt werden dürfen, ſind daher nicht ſchlecht, und wenn ſie auch als ein Zeichen der Zeit verſchrien

werden, ſo bleiben ſie immer ein genia⸗ les Kunſtprodukt, das den Stempel der Meiſterſchaft trägt. Das zum Benefiz des Hrn. Neſtroy gegebene lokale Cha rakterbild:Dienſtbotenwirthſchaft gehört zu den beſſeren Produkten des Wiener Comus und zeichnet ſich durch eine geregelte Handlung und richtige Färbung aus.Das Schweizerhaus, ein vieraktiges Luſtſpiel einer hieſigen Anonima, war für die Verf. ein Trau erſpiel und de mortuis nil nisi bene. Ich bedaure herzlich die liebenswürdige Benefiziantin, Mad. Zängl, einmal wegen der ſchlechten Einnahme und wie, der einmal, daß ich ſie in dieſem famo ſen Schweizerhauſe ſehen mußte. Aus dem Schweizerhauſe führe ich die freund⸗ lichen Leſer zur Kettenbrüke, deren Bau raſch vorwärts geht und die im Herbſte 1841 über ſich wird ergehen u. er⸗ fahren laſſen. Auch die neue Curie ſieht ihrer Vollendung entgegen. Ueberhaupt iſt in lezterer Zeit die Bauluſt in Prag, wie in keiner Stadt ſo rege. Wenig wird in der Literatur gebaut. Bei Me⸗ dau ſind ſchon wieder mehrere Werke er ſchienen, von denen wir nurdas diä tiſche Lexiron des Dr. Raudnitz nen⸗ nen. Derſelbe Verfaſſer hat auchüber den Einfluß der Mufik auf die Geſund heit des Menſchen geſchrieben(bei Haa ſe) und dieſe Schrift dem Piano-Heros Liszt gewidmet. Prof. Dr. Heßler, der gelehrte Redakteurdes Jahrbuchs für Chemiker, Phyſiker, Techniker de. hat mehrere glükliche Verſuche mit dem Da guerreotyp angeſtellt u. bereits im Mo nat Mai die erſten böhmiſchen Licht bilder produzirt. Die Beſcheidenheit des Hrn. Prof. Heßler iſt aber Schuld, daß die cechiſche ZeitſchriftBlüthen und nach ihrdie Bohemia Hrn. Prof. v. Ettingshauſen, der über Leutomiſchl nach Paris reiſte, die Ehre anthun, in lezt genannter Stadt, Mitte Juni, die erſten böhmiſchen Lichtbilder verfer