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Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.
Theater.
Frankfurt. Sie haben uns aus Peſth ein höchſt willkommenes Gäſtepaar geſandt, das hier ungewöhnlich Glük macht. Ich meine Hrn. und Mad. Ka⸗ lis, die uns eine ſehr günſtige Mei- nung von den Kräften Ihrer Bühne bei— bringen. Mad. Kalis begann ihren Rol— lencyklus mit der Griſeldis. Der Em⸗ pfang war überaus glänzend und der Beifall der ſonſt ſo kühlen Frankfur— ter ſteigerte ſich von Minute zu Mi— nute, bis Alles endlich in den rauſchend— ſten Jubel ausbrach. Man bewunderte ihre herrlichen Mittel eben ſowohl als ihre kunſtverſtändige Auffaſſung, u. es berrſcht nur eine Stimme, daß ſie un— ſere berühmte Lindner in dieſer Rolle bedeutend überwiege. Ihre zweite Rolle war die Jungfrau von Orleans, in der der Erfolg, wo möglich, noch größer war. Das Haus war voller und der Applaus ſtürmiſch. Die dritte Rolle war die Mohrin, in Zieglers Schauſpiel gl. Namens, und ich kann ſagen, daß ich dieſen Charakter hier noch nie mit ſol— cher Energie und ſolcher Vollendung ha— be durchführen geſehen.— Faſt im glei— chen Grade erregt Hr. Kalis allgemeine Senſation. Wir haben ihn als einen gebildeten, denkenden Schauſpieler ken— nen gelernt. Man bewunderte ſein feines anſtändiges Spiel als Adolf, in den„BVe— kenntniſſen“, ſeinen friſchen Humor, als Brauſer, in den„humoriſtiſchen Stu— dien“, ſo wie er auch in andern Rol— len ſeine Vielſeitigkeit ins ſchönſte Licht ſezte. Der Ruf dieſes trefflichen Künſt— lerpaares hat ſich von hier aus ſchnell verbreitet und es ſind ihm nicht nur von unſerer Direktion, ſondern auch von der Mannheimer Intendanz und andern Bühnen die glänzendſten Enga— gements-Anträge gemacht worden; allein,
wie ich höre, hat Hr. Kalis alle refü⸗ ſirt, da ſeine Verbindlichkeiten in Peſtb für den Moment kein neues Engage— ment erlauben. Sie ſollen erklärt ha— ben, daß ſie ihre bürgerliche Eh— re eben ſo hoch halten, wie ihre Kunſt— ehre, und daß ſie zuverſichtlich nach ihrem geliebten Peſth zurükkehren wer— den. Wir beneiden Sie darum.— Dieſe Woche ſpielten ſie in Mainz in den„Be⸗ kenntniſſen“ mit großem Succeſſe. Nach dem Guttenbergsfeſte, während welchem das Theater geſchloſſen bleibt, ſezen die beiden Künſtler ihre Gaſtrollen fort. Sonnabend iſt das„Turnier zu Kron— ſtein“(Mad. Kalis: Elsbeth) u. Mon- tag„die Braut von Meſſina“(Mad. Kalis: Iſabella, Hr. Kalis: Don Cä— ſar). Von hier begeben ſie ſich nach Mannheim; ſie ſollen auch in Wiesba⸗ den, Darmſtadt und Regensburg ſpie— len.— Während ich dies ſchreibe, wer— den bedeutende Vorkehrungen zum Gut— tenbergsfeſt auf dem Roßmarkt getrof— fen. Tribunen von ungeheurem Umfang für mehrere Tauſend ſind auf's Ele— ganteſte errichtet; die Büſten Gutten— bergs, Fauſt's werden am 24. enthüllt werden. Muſikchöre, dirigirt vom Ka— pellmeiſter Guhr, durchdröhnen die Luft. Züge, Feſtmähler, Glokengeläute, Ka— nonendonner künden den Frankfurtern an, daß man das Andenken eines Man— nes feiere, der der Welt eine andere Geſtaltung, der Menſchheit neue Wel— ten verlieh. Dr. W.—r.
Korreſpondenz.
Prag(22. Juni.)(Beſchluß.) Die Novitäten, die uns geboten, waren, außer dem Halm'ſchen Drama, Told's „ſchlimme Frauen,„die Gibellinen in Piſa“,„das Schweizer haus“ u.„Dienſt⸗ botenwirthſchaft.“ Die genannte Poſſe


