Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
427
 
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wolf einher, und ſuchte ſich Vieh und Menſchen zu ſeiner Speiſe. Vor einigen Wochen kamen kurz vor Mitternacht zwei Vauern und eine Bäuerin von dem be nachbarten Rennes zurük. Sie hörten am Saume eines Gehölzes Geſchrei und Heulen, und ſahen deutlich ein Paar Augen, die blutigroth erglänzten, wie ſie nachher beſchrieben. Sich kreuzend und mit dem Geſchrei:der alte Ker pen, der Wehrwolf! liefen ſie davon Am andern Morgen fand man die Leiche des armen, alten Mannes; das Geſchrei, das die Bauern gehört hatten, war ſein lezter Hilferuf; Wölfe, die in dem Ge hölze hauſten, hatten ihn zerriſſen.

Etwas von Allem. In Mün⸗ chen iſt wieder ein junger Violinſpieler, Namens Julius Stern, 17 Jahr alt, aufgetaucht, der zu den beſten Erwar tungen berechtigt. Mad. Kalis-Pad⸗ jera ſpielte am 21. Juni zu Frankfurt die Johanna d' Are mit großem Beifall. Die Homöopathen werden heuer in Berlin, und zwar am 10. Auguſt, zu⸗ ſammenkommen. Man ſagt, daß dieſe Verſammlung, um nicht andern gelehr ten Verſammlungen nachzuſtehen, es an wohlbeſezten, gewürzreichen Tafeln und mouſſirenden Weinen nicht fehlen laſſen werde. Die franzöſiſche Literatur ſcheint Glük in Erbſchaften zu haben; ein vielgenannter Journaliſt hat einen Oheim überlebt, der ihm das hübſche Andenken von zehntauſend Franken Ren ten hinterläßt, und der Gattin Alfreds v. Vigny ſoll eine Verwandte geſtorben ſein, deren Vermögen von vier Millio nen Franken an ſie kommt. Die Pa riſer Akademie ertheilte Hrn. Theodor Fix den Preis von 3000 Fr., weil er die beſte Schrift über den deutſchen Zoll verband einſandte. Da ſieht man, wie einträglich die Zölle ſind. Zu Nancy in Frank reich lebt noch ein Verwandter (arriere-neveu) der Jungfrau von Or⸗

leans, der Kapitän M. da Haldat du Lys, der aber jezt gefährlich krank dar nieder liegt. Die deutſche Improvi ſatrice, Leonhard-Lyſer, ſoll nicht ge ſtorben ſein, obwohl man an ihrer Un ſterblichkeit zweifelt. Nach demWan derer und demSammler, beide vom 25. Juni, befände ſich gegenwärtig Mad. Schodel in Wien, um im Hoftheater zu gaſtiren; nach den Peſther Theaterzet teln aber befindet ſie ſich in Peſth und ſingt noch im ungariſchen Theater! Hr. Kalis aus Peſth gaſtirte am 19. Juni zu Frankfurt als Adolph v. Zinn⸗ burg in denBekenntniſſen und als Brauſer in denhumoriſtiſchen Stu⸗ dien.An vielen Orten, bemerkt die Dorfzeitung,iſt die neue Heilungs⸗ art des Schielens mit dem beſten Erfolg verſucht worden. Kein Mann u. keine Frau werden in Zukunft mehr nebenaus guken. Die Wiener Theaterzeitung enthält unter ihren intereſſanten Arti keln auch einen, in welchem berechnet wird, daß die Vorſtellungen, die der Di rektor Carl ſeit Jahren für wohlthä tige Zweke beſtimmte, über 11,500 fl. C. Münze einbrachten. Wenn wir nun dieſe Summe für eine geraume Reihe von Jahren, während welcher der En treprenneur Schäze ärntete, nicht als zu hoch annehmen können, ſo gebührt dem hochherzigen Wohlthätigkeitsſinn des Wiener Publik ums, dem allein die ſe Summen zu verdanken ſind, die allererſte Anerkennung. Die gewöhnli

chen Einnahmen an den bezeichneten Abenden würden vielleicht nicht den zehn ten Theil erreicht haben, hätte das Pu- blikum den Zwek nicht vor Augen ge habt. Das MailänderEcho läßt ſich aus Neapel über die Sängerin Olle. Pixis ſchreiben, daß ſie zu der Legion der Mittelmäßigkeiten gehöre, welche die Bühnen Italiens überſchwemmen. Die Wahrheit wäre ganz eine andere, als die lobpreiſenden Notizen, die deutſchen Blättern über dieſe Sängerin zug e⸗ ſchikt wurden. In Wien iſt ein neuer Ole Bull, Namens Neswadba,