Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
428
 
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entſtanden. Er geigt und komponirt in der Manier dieſes Matadors u. wird in Wiener Blättern ſehr gelobt. In Me mel macht ein 10lähriger Virtuoſe, Na mens Lund, Aufſehen.

Lokal-Zeitung.

Theatrallſches. Der menſchliche Geiſt iſt doch ſehr erfindungsreich, thleriſche Rollen zu ſchreiben; ſo hat es ein Hr. Brabbse verſucht, dem Hunde des Herrn Fenzl eine Glanzrolle zu ſchreiben, er dachte ſich: recipe: Kabalenonkel, Kinderraub, Zigeunerbrut, Affenſprung, Banditenvolk, Mutterangſt, Soldatenſieg, Leierſpiel; Schußgewehr, Fel ſenriff u. Hunderettung, misce, fat: Hunds komödie! und ſiehe da, die höchſt romantiſche Geſchichte war ſix und fertig, wurde:die beiden Bettler, oder der Thurm zu Ring horm betitelt und kam als neunte Gaſtrolle des Hrn. Fenzl am 27. Juni im Peſther Thea ter zur Aufführung. Ich ſah dieſe beiden Bett ler bereits vor zwei Jahren im Wiener Leo⸗ poldſtädter Theater, wo ſie zum Beneſiz des Verf's. gegeben wurden; ſie haben aber ſeit dieſer Zeit gar nichts gewonnen, ſind noch immer, wahre Bettler an Geiſt, und reiche Filze an Langweile. Der Hund ſpielte ſeine Rolle mit wahrer geiſtiger Konzeption und entſprechender Charakternuancirung! Herr Fenzl. gab als Mulatte nur Beweiſe ſeiner ſtaunenswerthen Gliedergelenkigkeit. Das Pasdedeux der kleinen Fenzl's mußte wieder holt werden. Von den Uebrigen bel beſſerer Gelegenheit. Tags darauf kam eine neue Poſſe von Hopp:Doktor Fauſt's Hauskäpp⸗ chen. Auch die Kritik muß dieſem Käpp chen gegenüber Wahrheit berichten u. mel det: die Poſſe wäre gut, wenn ſie beſſer re ſie wäre amüſant, wenn ſie kürzer wä⸗ re man könnte immer lachen, wenn man nicht mitunter gähnen mußte. Alſo herbei mit dem Meſſer der Regie und ſtuzt dieſes Haus täppchen ein wenig zu und es wird mehr ge winnen. He. Rott war die Humoreſſenz des Ganzen, der eigentliche Prometheus, der der todten Form Leben ein hauchte. Hr. Zöll⸗ ner war recht amüſant. Nicht ohne Verdienſt führte Demoiſelle Buchetmann ihre Lokalrolle durch, nur mehr Spiel und weniger Geſang! Aufnahme beifällig, Haus nlcht voll.

Semper idem.

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Dem. Berger, eine junge Schauſpie lern erſchien am 26. Juni in der Rolle der Leopoldine, imbeſten Ton, als Gaſt auf der Ofner Bühne. Eine ſehr angenehme Ge ſtalt, ein vortheilhaftes Organ, und eine fecie, anmuthige Beweglichkeit ſprechen zu Gunſten dieſer talentvollen Schauſpielerin. Sie hatte mehrere vorzüglich gelungene Mo mente, die ihr einſtimmigen Belfall und öf teres Hervorrufen erwarben.

In der Ofner Arena gab man zum Vortheile des Regiſſeurs Hen. Windiſch am 27. Juni ein ſogenanntes Quodlibet, betitelt: Szenen-Salon, oder eine I. D.(Idee) ohne N. D.(Ende). Gut zuſammengeſezte Szenen, mitunter mit einigen neuen I. D. N. und Wizen ausgeſtattet, die allgemein bis zum N. P. unterhielten. Vorzüglich geſiel die Blu menſpende à Ja Döbler, recht ergözllch aus geführt von Hrn. Windiſch, dann die von Dem. Revie vorgetragenen Geſangsvarliatio nen über ein ungariſches Thema, das Pasde deux der kleinen Uhlichs, der koͤſtliche Humor des Hrn. Seydl und die militäriſchen Evo lutionen der ſchlimmen Frauen.

Die bereits in dieſen Blättern beſpro chene Lokalpoſſe von Hopp:Pelzpalatin und Kachelofen wurde am 28. auch in der Ofner Arena gegeben und hat auch hier ſehr ange⸗ ſprochen. Vorzüglich waren es die Herren Seydl(Sgydi) und Nitſch(Lazar), die durch Laune und Wahrheit amüſirten. Dann er wähnen wir noch die H. H. Kurt, Grau und Windiſch, dann der Damen Zettler, Revie und Jaritz, die ſehr löblich ſpielten.

Seraphine Luftmann, die be rühmte Athletin, die auf den bedeutend ſten Bühnen und ſo eben in Wien, wegen ihrer ausßordentlichen Körperkraft und Ge ſchiklichteit, ſo allgemeines Aufſehen erregte, iſt in Peſth angekommen, und gibt ihre Pro⸗ duktionen im deut ſchen Theater. Die ſeltene Künſtlerin wird gewiß auch hier Theilnahme ſinden, um ſo mehr, da ſie mit ihrem Talente auch ein ſehr angenehmes Aeu⸗ ßeres verbindet.

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Der Peſther Kunſtverein wird am 5. d. l. J., um 11 Uhr Vormiktag, eine Verſammlung im Saale des Natlonal⸗ Kaſi⸗ nos abhalten, wozu ſämmtliche Vereinsmit glieder hlemit eingeladen werden.

Der d. Ausſchuß des Kunſtverelns.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.