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die Rettung ſchien mithin ſchwierig, aber nach ein Paar Minuten kam der kühne Mann jenſeits der Brüke, bei dem Lokale der Singakademie, mit dem geretteten Kinde wieder zum Vorſchein; die Maſſe begrüßte ihn jauchzend; man fragte nach ſeinem Namen und Stande, er ſchwieg und verlor ſich in die Men—⸗ ge. Niemand kannte ihn, auch heute weiß man noch nichts. Ein Einzelner aus der Volksmaſſe verſicherte, er ſei ein Profeſſor. Eine ſchöne Handlung! Brüſſel. Hier wurde kürzlich von zwei— ſeitdem anderer Vergehen ge— richtlich verfolgten— engliſchen Gau— nern, Namens Baring und Reynolds, an einem jungen Engländer, Sohn ei— nes Londoner Bankiers, ein merkwürdiger Betrug verübt. Der junge Mann, der ſich mit ſeinem Vater auf der Reiſe be— fand, gerieth zufällig in Bekanntſchaft mit den beiden Spizbuben, und ging eines Abends zu ihnen, eine Cigarre zu rauchen. Kaum hatte er ſie halb ge— raucht, als er die Beſinnung verlor, und erſt des andern Morgens, wo er ſich in ſeinem Bette fand, wieder zu ſich ſelber kam. Noch nachdenklich über dieſen ſeltſamen Vorfall erhielt er ei— nen Morgenbeſuch des Hrn. Reynolds, der kam, ihm die 3000 Franken, wel— che er geſtern Abends im Kartenſpiel an ihn verloren hätte, auszuzahlen. Der junge Mann iſt darüber ſehr verwun— dert, läßt ſich aber doch zulezt überre— deu, den Gewinn, von dem er nicht das Mindeſte weiß, anzunehmen. Bald darauf aber ſtellt ſich auch Hr. Baring bei ihm ein, und zwar nicht mit einem andern Gewinnſte, ſondern mit einer Forderung von 1000 Pf. St., welche er, Hr. Baring, geſtern Abend von ihm gewonnen hätte. Nun widerſezte ſich aber der Betrogne ernſtlich, jener beruft ſich auf ſeine Annahme von 3000 Fr., und die Sache kommt zulezt vor den Vater des jungen Mannes. Und wie
entſcheidet dieſer? Daß ſein Sohn da—⸗ durch, daß er die 3000 Fr. angenom- men, ſich den beiden Gaunern in die Hände geliefert habe, u. alſo die 1000 Pf. St. bezahlen müſſe.
Baden-Baden. Ein norddeut⸗ ſches Blatt berichtet, Hr. Benazet in Baden-Baden habe Demoiſ. Rachel er— ſucht einen Theil der Sommerſaiſon in ſeinem Badepallaſte zuzubringen; er bie⸗ tet ihr 3000 Franken für den Tag und eine Tafel zu ſechs Kouverts. Er wünſcht, ſie fünfzig Tage bei ſich zu ſehen, überzeugt, daß die Anweſenheit der berühmten tragiſchen Künſtlerin die haute volèe von ganz Europa nach ſich ziehen würde; er legt ihr übrigens kei— ne weiteren Bedingniſſe auf, ſelbſt nicht die, ſich zu zeigen.
London. Engliſche Zeitungen melden:„Der Kaiſer von China hat einen Großadmiral, dem man unerhört viel Tapferkeit nachſagt, die er auf dem Meere bewieſen haben ſoll in einem Tref— fen mit den Engländern. Eben ſo un⸗ erhört wie ſeine Tapferkeit iſt aber auch
ſein Lohn; der Kaiſer hat ihm nämlich,—
vermittelſt eines Schreibens, welches zu— vörderſt die Thaten des Großadmirals in großen chineſiſchen Blumen ſchildert, einen Plaz im dritten Himmel gegeben.“ Der Geber wird nicht arm davon, wie reich nun aber der Empfän— ger iſt, kann er allein ermeſſen. Paris. Kerpen, ein alter, abge⸗ dankter Forſtwächter in einem franzöſi— ſchen Dorfe, verlor vor fünfzehn Jah— ren in dem Zeitraume von einem Mo— nate ſeine Frau, zwei Töchter und drei Söhne; ſeitdem war er finſter u. men⸗ ſchenſcheu geworden, und lebte in einer elenden Hütte, fern von allen andern Häuſern des Dorfes. Tags bettelte er auf der Landſtraße, um nicht Hungers ſterben zu müſſen, und Nachts ruhte er nicht, erzählen ſich die Leute des Dor— ſes;; dann ſtrich er„ein grimmiger Wehr⸗
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