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Karl La Roche, der gleichzeitig mit Neſtroy jezt gaſtirt, kann ſich keiner gleichen Anziehungskraft erfreuen, und Repräſentationen, wie die„Räuber“, „Lear“ hatten kein zahlreiches Publikum verſammelt, wenn auch die Leiſtungen dieſes Künſtlers zu den nicht gewöhnli— chen gehörten. Nur in dem Benefiz des Hrn. L. R. war das Haus überfüllt. Gegeben wurde Halm's:„Ein mildes Urtheil“, das wohl ſchwerlich eine Re— priſe erleben wird. Die ſchöne poetiſche Diktion iſt die Glanzſeite dieſes Pro— dukts, das auf das Epitheton:„dra— matiſches“, keinen Anſpruch machen kann. Wir werden noch L. R. als Jago, Shy— lok und in den„Geſchwiſtern von Nürn— berg“ ſehen. Neſtroy bleibt bis zum 5. Juli, nach ihm wird Dlle. Eng haus, die ſeit einigen Tagen ſchon hier iſt, ga— ſtiren.(Beſchluß folgt.)
Literatur.
Literariſches Portfolio. Nach mehreren Zeitungen hat die Cot— ta'ſche Buchhandlung in Stuttgart einen „Reingewinn“ von 500,000 oder 300,000 Thalern von der jüngſten Leipziger Buch— händler-Meſſe mitgenommen. Daß die Zahlen ſo verſchieden angegeben werden, beweiſt ſchon, man habe ſich die Nach— richt gemacht; ganz in der Luft hängt, aber die Aeußerung vom„Reingewinn“; der ſezte bei nur 300,000 Thalern ei— Abſaz von Büchern voraus, der an Gel— de drei Millionen Thaler betragen müß— te. Die Herren Korreſpondenzler, ja die meiſten Literaten, haben von dem Buchhandel gar keinen Begriff, und be— kommen ihn erſt, wenn ſie etwa auch Buchhändler werden. So kennt RNefe— rent einen Schriftſteller, der als ſolcher immer ſchmähende Worte gegen die Buch— händler in Vereitſchaft hatte; ſpäter kam er in den Beſiz eines bedeutenden Vermögens, wurde ſelbſt Buchhändler
und nach ein Paar Jahren fagte er ſehr naiv:„Ich habe ſonſt geglaubt, die Buchhändler bevortheilten die Schrift— ſteller, würden reich an ihnen, jezt aber kommt's mir vor, als ſei es umgekehrt.“ Dieſe Aeußerung iſt in der Allgemein— heit eben ſo haltlos als jene; gewiß aber darf man annehmen, daß die Buch— händler bei neun Verlagswerken verlie— ren oder höchſtens ſpärlich auf bie Koſten kommen, ehe ſie einen Schriftſteller fin— den, der ihnen über die Verluſte hin— weg und zu Gewinn hilft.— Von Freiligrath wird ein„Nolands-Album““ als nächſtens erſcheinend angekündigt; von Marc's für Mediziner u. Juriſten wichtigen Schrift„über den Wahnſinn in gerichtlich-mediziniſcher Hinſicht“ wird eine Ueberſezung vorbereitet; König hat zur Vertheidigung ſeines Freundes Mel— gunoff und zur Abwehr von Angriffen, die man ſich gegen ihn erlaubte, ein kleines Schriftchen,„Gretſch und die ru ſſiſche Literatur“, in Deutſchland er—⸗ ſcheinen laſſen.— Hermann Marggraff hat einen Roman,„Juſtus und Chry⸗ ſoſtomus, Gebrüder Pech“, Theotor Oelkers in Caſſel einen andern Roman, „der Freigeiſt“, herausgegeben.
Mignon⸗-Zeitung.
Berlin. Am 12. Juni Nachmit⸗ tag ſtürzte hier ein dreijähriges Kind in den Kanal am königlichen Palais; ein Soldat von der Wache gegenüber zog ſich barfuß aus und ſprang nach, verlezte ſich aber in Glasſcherben, die auf dem Waſſergrunde lagen, die Füße ſo bedeutend, daß man ihm ſelbſt zur Hilfe kommen mußte. Da erſchien ein wohlgekleideter Mann; ſobald er von dem Unfall hörte, ſprang er in den Kleidern, wie er war, hinab in das Waſſer; das Kind war aber inzwiſchen unter der dunkeln, überpflaſterten, wohl 150 Fuß breiten Brüke verſchwunden;


