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unter dem duftenden Titel:„Veilchen“, herausgegeben, hat ſich durch einen Pi— ſtolenſchuß in die andere Welt befördert, nachdem er zwei Stunden früher Gift zu ſich genommen hatte. Einige meinen, Kummer und Sorge hätten den Un— glüklichen zu dieſem traurigen Entſchluſſe verleitet, Andere wittern eine unglük— liche Liebe, ein dritter Theil ſezt die Urſache dieſes Selbſtmordes in Melan— cholie, in welcher Zink, der in frühe— ſter Jugend Eltern, Verwandte und ſonſtige Angehörige verloren, durch den Gedanken verfallen, daß er mutterſeel allein ſtehe auf dieſer Erde. Der lezt angegebene Grund ſcheint der wahrſchein— lichſte zu ſein, jedenfalls iſt der Selbſt— mord des Z. ein Zeichen der Zeit, in welcher Religiöſität zu den indiferenten Sächelchen gehört. Das tragiſche Ende dieſes vierundzwanzigjährigen Mannes machte Aufſehen, obwohl er als Jour— naliſt von keiner Bedeutung war. Und Herr der Welten! wie groß iſt die Zayl dieſer fahrenden Skribenten!? Da ſind z. B. im Altenburger„Eremiten“ ſo⸗ genannte„Literatur-Vriefe“ gedrukt zu leſen, in welchen ſo ein Ding geiſt— farb- und charakterlos in den Tag, oder vielmehr in die Nacht hinein ſchwazt. Der„Humoriſt“ hat in einer wakeren Prager Korreſpondenz dieſen vom Druk— teufel Beſeſſenen und ſeine„Literatur— Briefe“ dieſer Tage in ein helles Licht geſtellt, das uns über den Verſtand und das Gemüth des Eremiten-Korreſpon-— denzlers genügende Aufklärung gibt. Es gibt im Menſchenleben Augenblike — ſoll ein Herr v. Schiller geſagt ha— ben— wo man dem Weltgeiſte näher iſt, als ſonſt, und eine Frage frei hat an das Schikſal. O käme doch ein ſol— ches Schikſal zu mir, ich möchte es fra— gen:„wann wird das Korreſpondenzler— Unweſen ein Ende nehmen? wann wird die Aftermuſe ſchwinden, und wann endlich werden würdigere und heiligere
Intereſſen in den Blättern beſprochen, als das leidige Theater und ſeine„Künſt— ler“ und„Künſtlerinen.“ Da waren dieſer Tage in der„Bohemia“ zwei Seiten voll zu leſen, ob die Herren P. und D. ihre Nollen ſchlecht memorirt hätten, oder nur zu leiſe geſprochen, es ward ferner erzählt von einer geſtem— pelten halbämtlichen Erklärung des Souffleurs, daß Hr h. am 11. ſeine Rolle trefflich memorirt habe, und von einer Note, nicht des griechiſchen oder franzöſiſchen Konſuls, ſondern des Regiſſeurs, daß Hr. P. in puncto me- moria allen Schauſpielern zum Muſter dienen können.— Zwiſchen einem Allo pathen und einem Homöopathen iſt ein Federkrieg ausgebrochen, bei welchem kein Blut, nur Dinte gefloſſen. Auf die Schrift des Dr. Lucka:„Die Ho— möopathie, ihr Weſen und Treiben am Krankenbette“ iſt, nach mehrmonatlichem Harren, eine Brochüre, unter dem Ti— tel:„Beurtheilung der Schrift, die Homöopathie de.“ erſchienen. Da dieſe Streitſchrift 30 Kreuzer C. M. koſtet und ich mich für dieſes Geld bei Neſtroy geſund lachen kann, ſo ſehe ich nicht ein, mich für 30 Kreuzer krank zu le⸗ ſen, daher ich ſchwerlich dieſe„Veur— theilung“ des Dr. Tuwar kaufen wer— de. Daß man ſich wirklich bei Neſtroy geſund lachen kann, haben mit mir viele Theaterfreunde erprobt. Dieſer Ariſto— phanes von der in üblem Geruche ſte— henden Wien brachte als Nigowitz, Strik, Leim, Lorenz, Hakauf u. ſ. w. ein ſol⸗ ches Lachfeuerwerk hervor, wie es in den Annalen der Prager Bühne noch nicht Statt fand. Neſtroy iſt der genialſte Nepräſentant der Ironie, Satyre und Perſiflage, und im Vortrage der Kou⸗ plets ſteht er einzig und allein da. Daß das Haus bei den Gaſtvorſtellungen die— ſes exakten Komikers zahlreich beſucht, ja oft überfüllt iſt, läßt ſich bei der Lachluſt der Prager denken, und Hr.
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