Jahrgang 
Band 2 (1840)
Seite
422
 
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zung iſt; hier liegen, mit größerer oder geringere Ordnung an einander gereiht, kleine, mit Stroh gedekte Häuſer, die ein Dorf bilden; es ſind die Hütten der Neger, die cases, wie ſie von den Koloniſten genannt werden. Geht man bei Sonnenuntergang dieſe Häuſer entlang, ſo ſieht man alle alten Neger, die nicht mehr arbeiten, an der Schwelle ihrer Thüren ſizen, Körbe aus Lianenzweigen flechten, und den Negerbuben, die ſtill und unbeweglich im Kreiſe, den Kopf auf die Hand geſtüzt, wie ſchwarze Sphynxe faſt um ſie her ſizen, Hexengeſchichten erzählen. Etwa fünfzig Fuß von den Negerhütten erhebt ſich das Herrenhaus, eine Art von feudaliſtiſchem Zwinger ohne Wacht hürme, Schießſcharten und Zug brüke. Dort leben die ſchönen Kreolinen, die ſo oft in Frankreich wegen ihrer wundervollen, ſchwarzen Haare und ihres anmuthsvollen Weſens, ihrer liebens⸗ würdigen Trägheit bewundert werden. Sechs Uhr Morgens ſchallt das Horn, oder der Ton der Gloke weithin durch die Stille des Gefildes, dann öffnen ſich alle Hütten, und die Neger gehen in regelmäßigem Zuge, den Kommandeur ihrer Spize, den Korb auf dem Kopfe, und mit der Hake auf der Spule l, zur Arbeit. Abends, wenn zum Angelus geläutet wird, verſammeln ſich alle Neger und Negerinen vor dem Herrenhauſe, und fallen auf die Knie; der Ko⸗ loniſt und ſeine Familie nehmen die Hüte ab, und eine e mit lauter Stimme ein Gebet für Alle her; dann kehren die Neger in ihre Hütten zurük, alle Thüren ſchließen ſich, und die Nacht breitet ihre Fittiche über die Pflan⸗ zung aus. Nur ein alter Schwarzer bleibt, mit einem alten, roſtigen Säbel bewaffnet, als Wache im Freien. Er ſezt ſich unter eine Ajouga in die Mitte der Pflanzung, zündet dort ein Feuer an, und ſchläft bald beim Geräuſch der Brandung ein, die ſich am fernen Meeresufer bricht. Nun denke man ſich, wie die Negerhütten Nachts heimlich und behutſam geöffnet werden, und die Schwar⸗ zen, Mord und Aufſtand im Herzen, durch den Schatten ſchleichen. Das Her⸗ renhaus iſt keine hundert Schritte weit, dort ſchläft Alles, die Fenſter ſind offen, es gilt nur Hand an's Werk legen, die Kinder werden nicht einmal mehr in der Wiege ſchreien können, höchſtens wird das ängſtliche Heulen eines Hundes die Stille unterbrechen.

Es kann nicht leicht etwas Furchtbareres geben, als die Kunde eines nächt⸗ lichen Aufſtandes auf dem Lande; auf allen Pflanzungen ſind die Koloniſten wach, die Stadt iſt fern, rings in der Ebene keine Helfer, überall nur Neger hütten, und die Weißen überall Hunderten von Negern überantwortet. Mitun ter wird Nachts an das Thor eines ſo einſam gelegenen Herrenhauſes geklopft, es iſt ein Kreole, der, ſpät Abends noch auf ſeiner Pflanzung umhergehend, Gerüchte von einer Meuterei der Neger hörte, ſich alsbald auf's Pferd ſchwang, und in geſtrektem Galopp, auf die Gefahr hin, ſich in der Dunkelheit zu ver irren, ausritt, um die Bewohner der nächſten Pflanzungen zu weken, und ſeine Freunde zu warnen. Dann ſteigen die Männer zu Pferde, und ſammeln ſich in einen Haufen; die Gefahr rükt näher und näher, kleine Reitertrupps, die Män⸗ ner halb nur und in aller Haſt der Ueberraſchung angekleidet, ſprengen, das Pi⸗ ſtol in der Fauſt, durch die Ebene. Die Frauen ſind bleich und zittern vor Angſt, die Kinder, die man aus ihren Vetten nimmt, um ſie in Schlupfwin⸗ keln im dichteſten Gehölz zu verbergen, weinen und ſchreien.

Im Jahre 1802 brach in Guadeloupe eine furchtbare Negerverſchwörung aus, die noch jezt im Andenken der Koloniſten fortlebt. Der Konvent hatte