Mittwoch, 9. September.
1840.
— ͤ—— S 88———
7
Theater.
Peſt h.(Henriette Carhals Norma.— Die Sonnambula.— Hr. BVonfigli.) Noch ſelten war das Peſther Publikum in ſolche geſpannte Erwar— tung verſezt, wie dies am 5. d. M. der Fall war, als„Norma“ in italieniſcher Sprache mit Frl. Heinriette Carl angekündigt wurde. Während die zahl⸗ loſen Verehrer der hochgefeierten Ge— ſangsvirtuoſin ſich einen lang entbehr⸗ ten Genuß verſprachen, bemühte ſich die im Finſtern ſchleichende Scheelſucht aller— lei böswillige Gerüchte auszuſtreuen, in der Meinung, die Künſtlerin in ihrem ſchönen Wirken einzuſchüchtern. Das Haus füllte ſich in allen Theilen und der Triumph der Carl war nie ekla⸗ tanter, nie ſchlagender als an dieſem Abend. Schon der Empfang war glän⸗ zend und der langanhaltende Beifalls— ſturm eine genügende Demonſtration ge⸗ gegen das Häuflein der Gegner; als aber die Künſtlerin die erſte Arie ge⸗ ſungen, und darin, troz der leicht er⸗ klärlichen Befangenheit, alle ihr zu Ge⸗ bote ſtehenden ſeltenen Kunſt- und Na⸗ turmittel entfaltete, mußten ſelbſt ihre entſchiedentſten Widerſacher in die Aus⸗ brüche des Enthuſiasmus mit einſtimmen und ſich ehrlich geſtehen, daß ihre vor⸗
gefaßte Meinung entwaffnet ſei. Mit der Leiſtung ging es aber erescendo, ſie wurde immer preis würdiger, vollendeter. Man bewunderte dieſe Kraft und Aus— dauer der Stimme, dieſe ſchwierigen Paſſagen, dieſe treffliche Koloratur und dieſes Tragen und Schwellen der elegi— ſche Töne. Im 2⸗ten Akt beſonders, da, wo andere Sängerinen bereits mit allen ihren Mitteln zu Ende ſind, entwikelte ſie ganz friſche Kräfte. Viel freier und unbefangener, ſange gi mit einer Klar⸗ heit und Reinheit, mit einer Sicherheit der Intonation und, einem Alles über⸗ wältigenden Gefühle„„daß nur ein e Stimme darüber berfpſchte, das dieſe Normapauf der Peſther Bühne uner⸗ reicht daſte he Die ganze Part hie iſt wie aus einem Guſſeß aus einer Form: Geiſt und Aus druk im Geſange, Adel und Würde im Spiele. Alles durch eine edle impoſante Geſtalt erhöhet; Alles wie geſchaffen zu der hohen, majeſtäti⸗ ſchen Sehekin. Auch die italleniſche ſche Aus he war korrekt u. deutlich. Die Wiederholung der Cavatine, ſo wie des Kinderduetts wurde allarmirend ver⸗ langt. Frl. Carl ward an dieſem Abend etwa vier zehnmal gerufen. Wir ge⸗ ben zu, daß dies etwas über die Maß war, aber das Publikum glaubte der Künſtlerin dieſe Satis faktion wegen ei⸗


