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nahm den jangen Künſtiler unter ihre Protektion. a
Berlin. In Königsberg wird bei den dortigen Feierlichkeiten zum erſten Male ein Verſuch mit improviſir⸗ ten Manövern gemacht werden. Es ſollen nämlich dabei, nicht wie ſonſt, die Truppen die beſtimmte Anweiſung er— halten, wohin ſie ſich bewegen, wann ſie vor- oder zurükgehen ſollen, ſondern es wird den beiden Parteien nur im Allgemeinen eine Aufgabe geſtellt, und nachdem am Abend die Meldungen ein— gehen, für den fol genden Tag, aber auch nur im Allgemeinen, das Weitere beſtimmt, bis endlich nöthigenfalls ein Schlußbefehl als Deus ex machina den Knoten löſt. Bei den bisher gebräuchli— chen Manövern und den umſtändlichen Vorſchriften iſt, namentlich für die Of— fiziere, faſt nichts zu lernen; auf die bier angegebene Weiſe wird ein neues Leben in die Sache gebracht, und auch die Thätigkeit der Offiziere ernſtlich in Anſpruch genommen. Gewiß iſt es von großem Werth, auch in Friedenszeiten dem Anführertalent im Kleinen und Großen Gelegenheit zu geben, ſich zu zeigen und auszubilden.
London. Ein ſonderbares Ereig— niß kam unlängſt in dem Irrenhauſe zu Lancaſter vor. Ein Edelmann aus der Gegend von Middleton wurde, von ei— ner Geiſteskrank heit befallen, durch den Magiſtrat der Stadt einem Pfarrbeam— ten übergeben, um in das Irrenhaus abgeführt zu werden. Man redete dem Kranken ein, er ſollte eine Spazierfahrt machen. Auf dem Wege jedoch hatte der Wahnſinnige Argwohn geſchöpft. Man war in Lancaſter zu ſpät angekommen, um gleich dem Kranken an ſeinen Be— ſtimmungsort zu bringen, und ſtieg da— her in einem Gaſthof ab. Des andern Morgens ſtand der Wahnſinnige ſehr früh auf; geſchah es nun aus Neugierde oder aus einem andern Grunde, er
durchſuchte die Taſchen des Beamten, welcher feſt ſchlief. Wie erſtaunte er, als er daſelbſt einen Magiſtratsbefehl fand, daß er eingeſperrt werden ſolle! Er nahm die Schrift, ging ſchnell in das Irrenhaus, ließ ſich vor den In— ſpektor bringen, und meldete ihm, er ſei beauftragt, ihm einen unglüklichen Wahnſinnigen zu übergeben; er fügte hinzu:„Ich muß jedoch im Voraus be— merken, daß ſein Wahnſinn ganz beſon— derer Art iſt; dieſer Menſch hat die ertravaganteſten Ideen; es darf Sie alſo nicht wundern, wenn er ſagt, ich ſei der Wahnſinnige, und daß er den Auftrag habe, mich einſperren zu laſ— ſen.“ Er übergab ſodann ſeinen Befehl, und entfernte ſich, den Wahnſinnigen zu holen. In dem Gaſthof angekommen, wekte er den Beamten mit dem Vor— wurfe, daß er zu lange ſchlafe. Man frühſtükte und beſchloß, eine Promenade zu machen. Der Beamte ergriff die Ge⸗ legenheit, und nahm ſeine Richtung zu dem Irrenhauſe, und ſeine Gefährte, weit davon entfernt, ihn abzuhalten, äußerte vielmehr den Wunſch, das In⸗ nere zu beſichtigen. Das wünſckte eben ſein Führer auch, welcher ſich gratulir— te, ſo leicht ſeine Miſſion erfüllen zu können. Sie kommen zur Thüre, und werden vom Inſpektor empfangen. Der Veamte greift in ſeine Taſchen, ſucht ſeine Ordre, erſtaunt, ſie nicht zu fin— den; während dieter Zeit hatte ihn ſein Gefährte ſchon dem Inſpektor vorge— ſtellt, und ihn an Das erinnert was er ihm ſchon des Morgens geſagt, in— dem er ſprach:„Bemächtigen Sie ſich ſeiner, ſcheeren Sie ihm den Kopf, und ziehen Sie ihm eine Zwangsjake an.““ Zwei Männer fielen ſodann über den Unglüklichen her, welcher vergebens ge⸗ gen dieſe Gewalt Einſprache that, und behauptete, der Andere ſei der Wahn⸗ ſinnige, und er ſein Führer. Man ach⸗ tete nicht auf ſein Geſchrei, ſchleppte


