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Unwerth des Stükes will ich kein Wort
verlieren, da ſelbes faſt auf allen deut— ſchen Bühnen am Repertoire iſt, und daher ziemlich bekannt ſein dürfte. Ge— ſpielt wurde recht brav. Ein hier nie gewohntes Ineinandergreifen und ein raſches, lebendiges Zuſammenſpiel wirk— ten wohlthuend auf das Publikum.— Außer Hrn. Roll, deſſen verſtändiges, heiteres Spiel unwillkührlich an den bier unvergeßlichen k. k. Hofſchauſpieler, Hrn. Wilhelmi, erinnert, rangen noch um den Beifall des Abends: Dlle. Am— mesberger, eine liebliche, graziöſe Er— ſcheinung, Hr. Neumann und Hr. Gou— bau; auf Hrn. Werner mag wohl das erſte Auftreten vor einem fremden Pu— blikum ungünſtig gewirkt haben; bei der zweiten Vorſtellung in'der„alten und jungen Gräfin“, von Raupach, bewegte er ſich ſchon viel freier. Olle. Berger ſpielte ihre kleine Rolle ebenfalls zur vollkommenen Zufriedenheit.— Die Garderobe des ſämmtlichen Perſonals iſt elegant und geſchmakvoll; die Damen ſind jung und ſchön, und entwikeln ſchöne Toilette-Künſte.— Bemüht ſich die Direktion, recht viele Novitäten vor— zuführen, und laſſen ſämmtliche Mit— glieder ihren Eifer nicht erkalten, ſo kann ich der Direktion für dieſen Som— mer ein günſtiges Prognoſtikon ſtellen. Von Säſten erwartet man hier: Dlle. Denker, k. k. Hofſchauſpielerin; auch hat unſer verehrte Hr. Stadtvormund Ecker, der ſtets nicht nur für unſer utile, ſondern auch für unſer dolce be⸗ ſorgt iſt, bei ſeiner jüngſten Anweſen⸗ beit in Wien, den weltberühmten Vio— linſpieler, Hrn. H. W. Ernſt, zu ei⸗ nem Konzert bewogen, welches bei der Rükreiſe dieſes gefeierten Virtuoſen von Peſth, Ende Mai, hier Statt finden wird, worauf wir uns ſchon ſehr freuen, und Hrn. Ecker für dieſen uns zu be— reitenden neuen Genuß im Voraus un— ſern innigſten Dank abſtatten. A. S.
Literatur.
Literariſches Portfolio. Lewald's„Europa“ ſagt:„Von Hrn. Chownitz in Peſth iſt ein neuer Roman: „Moderne Liebe“, erſchienen, der von vielen Seiten Lob und Anfechtungen er— hält. Aufforderung genug, ihn zu le— ſen.— Die goldene Repetir-Uhr mit Brillanten kann man für andertlalb Silbergroſchen haben; nämlich eine ſo benannte in Berlin erſchienene Erbau— ungsſchrift, die auch noch den Titel führt:„Geiſtlicher Stundenweiſer.“— Von Wilibald Alexis erſcheint nächſtens ein neuer Roman:„Der Roland von Berlin.“— Nach Kapitän Marryat le—⸗ ben in den vereinigten Staaten Ameri— ka's 5023 Dichter, davon 94 gegen- wärtig in Staats-, 280 in Schuld-Ge⸗ fängniſſen und 511 in Irrenhäuſern. Iſt das die neue Welt der Poeſie?—
Mignon-Zeitung.
Potpourri aus Paris. Die franz. Blätter beſchäftigen ſich noch immer viel mit der Affaire Glandier, dieſer höchſt merkwürdigen Kriminalgeſchichte; wir ha— ben ſchon früher mitgetheilt, daß, neben der Anklage des Mordes an ihrem Gatten, noch der dringende Verdacht eines Dieb— ſtahles, den Madame Laffarge noch als Mlle. Capelle und kurz vor ihrer Ver— heirathung im Schloſſe einer befreunde— ten Dame begangen haben ſoll, auf ihr laſtet. Jezt erfährt man, daß der Zu⸗ ſtand ihrer Geſundheit den Aerzten Be⸗ ſorgniſſe der ernſteſten Art einflößt, daß ſie an der Bruſt leide, und faſt beſtän⸗ dig das Bett hüten müſſe und es höchſt unwahrſcheinch ſcheint, ſie werde im Laufe der nächſten Monate die Anſtren⸗ gungen gerichtlicher Verhöre ertragen können. Der traurige Zuſtand ihrer Geſundheit iſt nicht ohne Einfluß auf ihren Geiſt geblieben. Die Energie, die


