Jahrgang 
1840
Seite
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hat(um das Urthell des Publikums voranzuſtellellen) entſchieden mißfallen. Selbſt der Vorrath der hier ſonſt leicht angeregten Neugierde und die deut ſchen Journale haben ſeit geraumer Zeit ſich viel bemüht, anzuregen reichte nicht hin, bei der zweiten Darſtellung das Haus zu füllen. Die Direktion wird keine dritte wagen. Bald darauf brachte ſie zum Veſten des Theaterpenſionsfonds auf die Vreter:Kaiſer Otto III., von Julius Moſen. Hier war die Wir kung eine entgegengeſezte. Mit jedem Akte ſteigerte ſich der Applaus, zügel los raſte der Enthuſiasmus, ein wahrer Sturm von Beifall war die tobende Muſik der Entréakte. Man verlangte den Dichter zu ſehen, zweimal mußte er erſcheinen. Allen Sündern war ver geben, denn man rief ſelbſt Hrn. Woll rabe, den Darſteller des Kaiſers. Madame Deſſoir(Stephanie) war vor trefflich.(Nordlicht.)

Breslau. Lortzing erbielt neu⸗ lich von dem Direktor des Breslauer Theaters, Neumann, als ein Zeichen dankbarer Anerkennung für die Oper: Czaar und Zimmermann, einen Bril⸗ lantring. Die Theaterdirektoren fangen an generös zu werden.

Konſtantinopel. Der Sultan hat neulich ſo hieß es dem Va jazzo einer Kunſtreitergeſellſchaft einen Orden gegeben. Mehrere Blätter haben ängſtlich widerſprochen, nicht der Ba jazzo, ſondern der Direktor der Geſell ſchaft habe dieſe Auszeichnung empfan⸗ gen. Wozu der Lärm? Iſt es denn ein ſo großes Wunder, wenn ein Bajazzo ein Ordensband trägt?

Reval. Das hieſige Theater um⸗ ſchließt alle vier Jahreszeiten: der erſte Liebhaber heißt Frühling, der Sou⸗ fleur Sommer, die erſte Heldin Herbſt, und der Kaſſier Winter. Wenn es dem nur tüchtig in die Kaſſe hineinſchneit!

Mignon-Zeitung.

Péle-méle aus London. Oer Examiner enthält unter der Ueberſchrift: Beſtrafung eines Mannes, weil er ſein Weib küßte, Folgendes:Einer unſe⸗ rer Korreſpondenten fuhr neulich auf der Greenwich-Eiſenbahn, wo ſein Nach⸗ bar im Wagen ſein Weib küßte, und dafür von dem anweſenden Direktor um 2 Pfd. Sterl. beſtraft wurde. Es ver⸗ diente näher unterſucht zu werden, was mit dieſem Gelde geſchehe. Es iſt dies unſers Wiſſens das erſte Mal, daß der eigene Mann mit einer Geldſtrafe be⸗ legt wurde für das Verbrechen, ſein ei genes Weib geküßt zu haben, ſowohl auf Eiſenbahnen als in Stagecoaches. Iſt aber eine ſolche eigent hümliche, un erhörte Eigenmächtigkeit den Eiſenbahn Beamten eingeräumt, ohne vorläufigen Einfluß der Behörden, Geldſtrafen auf zulegen, ſo räume man wenigſtens in ausnahmloſer Gerechtigkeit allen Kut ſchern der Stagecoaches dieſelbe Macht ein. Hier zeigt der Italiener Vak, erſter Maſchiniſt des San Carlo-Thea ters in Neapel, ein 15 Fuß langes, 75 Fuß breites hölzernes Modell der Pe terskirche in Rom. Die kleinſten De tails ſind darin mit der größten Genau igkeit gearbeitet und am Aeußern allein 560 Statuen und 288 Säulen, ohne die Pilaſter, angebracht. Der Künſtler hat auf dieſes Werk 11 Jahre ver⸗ wendet.

Potpourri aus Paris. Ein in Paris lebender Engländer, Mſtr. Hopp, hatte durch die Anzeigeblät⸗ ter ankündigen laſſen, er wünſche ein Paar Piſtolen zu verkaufen. An dem Tage, nachdem ſeine Anzeige abgedrukt war, meldet ſich ein junger Mann bei ihm, beſieht ſich die Piſtolen, und ſagt, er wolle am Abend wiederkom men, 170 Franken, den dafür gefor⸗ derten Preis, mitbringen, und ſie dann