Jahrgang 
1840
Seite
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von den Mitwirkenden Alles aufgeboten wurde, ſich in ihrer Stellung ehrenvoll zu behaupten. Die Palme des Abends gebührt der Olle. Revie, die eine im Spiele eben ſo liebenswürdige, wie im Geſange ausgezeichnete Roſine war. Im Vortrage ihrer Entréarie, ſo wie in den eingelegten Variationen entwikelte ſie eine nach den Regeln der Kunſt gebil dete Bravour und es bewährte ſich, daß die beliebte Künſtlerin nicht nur in der Lokalpoſſe, ſondern auch im Soubret tenfache der Oper ganz ausgezeichnet daſtehe. Sie fand rauſchenden Applaus. Mit viel Leben gab Hr. Seydl den Figaro, was ihm an Kraft der Stimme fehlte, erſezte er durch ſein köſtliches Spiel. Hr. Sätorfy, vom ungari⸗ ſchen Theater, ſang den Almaviva als Gaſt; ſchwaches Organ, viel Routine, beifällige, aufmunternde Aufnahme. Die Herren Ranftl(Bartolo) u. Kurt (Baſilio) waren mitunter zu karrikirt. Für die energiſche Leitung des Gan zen gebührt dem wakern Kapellmeiſter Görgl alles Lob. Das zahlreich be⸗ ſuchte Schauſpielhaus war zur Feier des Namensfeſtes Sr. kaiſerl. Hoheit des Erzherzogs Reichspalatins glänzend beleuchtet und gewährte einen freund lichen Anblik. Semper idem. Ag ram. Unſer Theaterhorizont, der ſich jezt durch 10 Monate hell und klar zeigte, fängt ſich bereits zu trü ben an. Die Brüder Vörnſtein, welche die Direktion der hieſigen Bühne führen, haben Agram verlaſſen, um ihr Heil in Trieſt mit einer deutſchen Geſellſchaft zu ſuchen und ließen hier nur einige Opernmitglieder zurük, welche nun die ſchwere Aufgabe zu löſen haben, ein auf das Höchſte indignirtes Publikum zufrieden zu ſtellen. Von dieſen wenigen Mitgliedern verdient Hr. Bielſitzky, als Regiſſeur und Variton-Sänger, und Olle. Hölzel, eine bereits in der Kunſt welt bekannte Geſangskünſtlerin, eh

renvolle Erwähnung. Dlle. Hötzel iſt nicht blos für Agram, wo man indeſſen gewohnt iſt, ſelbſt Celebritäten der Re⸗ ſidenz zu beſizen, ſondern für jede gro⸗ ßere Bühne, eine ſehr vort heilhafte Ac⸗ quiſition u. vereinigt mit einem vortheil⸗ haften Aeußern Volubilität, Schmelz, Reinheit und Markigkeit der Stimme. Hr. Bielſitzey iſt im Beſize eines hübſchen Stimmmateriales und einer ausgezeichneten Methode. Madame Friſch, welche als Gaſt bei ihrer An⸗ weſenheit vor zwei Monaten eine en thuſiaſtiſche Aufnahme fand, kehrte jezt mit einer verſchmizten Heiſerkeit zurük, welche nebſt dem Tenor-Maro⸗ deur Herrn Löwe den 10. März in der Oper:die Puritaner, zu einem im⸗ proviſirten Zuſammenſpiele des Publi⸗ kums und den Mitgliedern Anlaß gab, das mit einem pfiffigen Finale ſchloß, welches aber größtentheils der abweſen⸗ den Direktion galt. Nächſtens mehr. A. K.

Mainz(11. März.) Das Unter⸗ nehmen des Theaterdirektors, Herrn Schumann, dahier: eine aus den erſten Sängern und Sängerinen Deutſchlands zuſammengeſezte Oper, in Verbindung mit ſeinem Perſonale, ſammt Chor und Orcheſter nach London zu führen, und dort vom April bis Ende Juli fünfzig deutſche Opernvorſtellungen zu geben, dieſes Unternehmen erregt hier nicht wenig Senſation, da die Sache, ſo lukrativ ſie unter Umſtänden ausfallen kann, doch auf der andern Seite ein etwas abentheuerliches Ausſehen hat. Weil aber die Spekulation dem Unter⸗ nehmungsgeiſte Schumann's alle Ehre macht, wünſcht man demſelben auch den beſten Erfolg, den er ohnehin ſchon ver⸗ möge ſeiner Vemühungen für die hieſige Bühne verdient.

Leipzig.Richard Savage, von Karl Gutzkow, iſt nun auch auf der hieſigen Bühne aufgeführt worden und