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Mignon-Zeitung.
Potpourri aus Paris. Jüngſt erhielt eine ſehr reiche und noble Dame der Vorſtadt Saint-Germain auf dem Lande einen Beſuch von einem Gens— d'armerie-Oſſizier; der Abgeſandte des Geſezes ſtellte ſich im Schloſſe mit gro— ßer Höflichkeit vor. Es war noch ſehr früh und nichts deſtoweniger verlangte er ſogleich bei der Schloßbeſizerin vor⸗ gelaſſen zu werden. Dieſe, erſchroken u. erſtaunt über einen ſolchen Beſuch, er— ſchien ſogleich.—„Madame“, ſagte der Offizier,„Sie haben in Ihrem Schloſſe Leute, die der Polizei verdächtig ſind; ich bin beauftragt, eine Nachſuchung zu halten; erſchreken Sie nicht und um Sie vollkommen zu beruhigen, will ich zuvor die Ankunft Ihres Gemahls ab— warten.“— Man ſchikte in aller Eile nach dem Leztern, der ſich ungeſäumt auch einſtellte. Die Begrüßung der bei— den Perſonen war zwar kalt, aber höf— lich. Als endlich der Gatte um die Ur— ſache dieſes ſeltſamen Geheimniſſes frag— te, zog der Gensd'armerie-Offizier ein Piſtol, hielt es ihm vor und ſagte: „Sie ſind ein Galeerenſklave, der ſeine Feſſeln gebrochen; im Namen des Geſe— zes verhafte ich Sie.“— Dieſe ſchrek— liche Heirath ward vor ungefähr ſechs Monaten geſchloſſen. Der Galeerenſträf— ling ward in Paris eingeführt, wo er von einer ſeiner frühern Geliebten er— kannt wurde, und die ihn, nachdem er lange ihr Schweigen durch große Sum— men erkaufte, endlich doch angab.— Um den Plagen und Forderungen dieſes Weibes zu entgehen, ſah er ſich veran— laßt, ſich auf das Landgut zurükzuzie— hen, wo er verhaftet wurde.— Eine Schazgräbergeſchichte macht hier Aufſe— hen. Hr. v. L. kaufte das Hotel der Herzogin v. Ch.— Beim Graben im
Garten fanden einige Arbeiter einen ge— heimnißvollen Koffer. Das kſt ohne Zwei— fel ein Schaz; die Herzogin v. Ch. be— ſaß ein großes Vermögen und hinterließ Millionen. Es ſind wahrſcheinlich Dia— manten!, Gold, koſtbares Geſchmeide, was dieſer Koffer in ſich birgt. Man ver—⸗ ſammelte ſich, man berathſchlagte, man ſtritt über die üblichen Formalitäten in ähnlichen Fällen; die feierliche Stunde iſt gekommen, in der man den Werth des Schazes kennen lernen ſoll. Der Koffer wird geöffnet. Die Neugierde wird verdoppelt; denn in dieſem Koffer befindet. ſich ein zweiter, kleinerer; man öffnet ihn; was enthält er?... das Skelet eines Hundes!— Ueber dieſe Entdekung lachte man an fangs, aber Alles ward ernſt geſtimmt, als ei— ner der Anweſenden ſich der Geſchichte des armen Thieres erinnerte. Es war der Hund Maria Antoinettens, ihr Geſellſchafter im Gefängniſſe, der Zeuge aller ihrer Thränen, der einzige Schaz, den die Königin von Frankreich, als ſie das Schaffot beſtieg, ihrer würdigen Freundin, der Mad. de Tourzel, ver— machen konnte.
Ro m. In öffentlichen Blättern iſt von den Feſten die Rede geweſen, welche dem Herzog von Vordeaur bei ſeiner erſten Anweſenheit in Rom gegeben wur— den. Da ſich gegenwärtig verſchiedene Mit— glieder der Egloffſtein'ſchen Familie in Rom befinden, ſo dient zur Erklärung, daß es der Graf und die Gräfin Ale— randrine Egloffſtein, geborne Dawidoff aus Moskau, geweſen ſind, welche den erwähnten glänzenden Ball für den jun— gen Fürſten gegeben haben.
Kaſſel. Bei der jezigen großen Anzahl von deutſchen belletriſtiſchen Blättern iſt es beinahe wunderbar, daß Kaſſel, eine Reſidenzſtadt von 30,000
Einwohnern, gegenwärtig kein Unter— haltungsblatt beſizt.
Redigirt von der Redaktion des Spiegels.


