7. Alittwoch, 11. März. DSS SSS DSS

Theater.

Pie ſſt h.(Neues Luſtſpiel.) Ein neues Luſtſpiel, aber kein Original Luſtſpiel, ſondern ein von Forſt und Lentner von Frankreichs Boden über pflanztes Charaktergemälde in 3 Akten, Engel und Dämon betitelt. Ein Ehe paar, das von der Welt für das glük lichſte gehalten wird und doch in ſtetem häuslichen Unfrieden lebt, wovon die Frau einzig u. allein die Schuld trägt, eine affektirte, koquette Mutter, eine herzloſe Schriftſtellerin, ein gekenhaf ter, zudringlicher Faſhionable und ein willenloſer, gefügiger Allerweltsfreund, am Sckluſſe einige ungebührende Demü thigungen aus dieſem Brei haben die Herren Courey und Depeuty ein soi disant Luſtſpiel à la mode gemodelt, das, ohne Europens Gleichgewicht im Mindeſten zu ſtören, von den Herren Forſt und Lentner eben ſo gut hätte unüberſezt bleiben können. Die ganze Komödie zieht ſich bedeutend in die Län ge, gleich nach den erſten Szenen durch ſchaut man die Dinge, die da kommen ſollen, einige wenige gute Situationen können für die viele Langweile uns we nig entſchädigen und mit einem Worte: ich kann's nicht leiden, wenn das ſchö ne, zarte Geſchlecht auf der Bühne ei

1840.

ner Compromise ausgeſezt wird. Das Publikum war für die Sache auch nicht gerade am wärmſten eingenommen, ob wohl es auch nicht an Beifall fehlte. Im Spiele verdienen die Herren Wag⸗ ner und Dietrich lobenswerthe Erwäh nung. Die ziemlich lange in Ruhe gebliebene herrliche Oper Halevy's: Guido und Ginevra, kam am 9. d. M. und zwar bei neuer Beſezung der männlichen Titelrolle, wieder zur Auf führung. Hr. Steiner nämlich gab zum erſten Male den Guido, eine Parthie, die er, wegen Heiſerkeit oder ſonſtiger

Mißgeſtimmtheit des Hrn. Stoll, in al⸗

ler Eile übernommen hat. In Berük ſichtigung dieſes Umſtandes verdient ſeine Leiſtung nachſichtsvolle Anerkennung Sehr gelungen war die Romanze im 1. Akte, welche er um etwas höher ſang, als wie wir ſie früher hörten, und die Klagearie am Sarge weniger entſpra chen die Affektſtellen. Die hohe Ge ſangsmeiſterin war wieder Dlle. Carl. Effektvoller kann die ergreifende Gruft ſzene nicht dargeſtellt werden; hier zeigt ſich die Künſtlerin als vortreffliche Mi mikerin; der dramatiſche deklamatoriſche Ausdruk wird von der erſchütterndſten Wirkung. Rauſchender Applaus.

N. S. Hr. Stoll hat bereits ſeine Ent⸗

laſſung von der hieſigen Bühne genommen.