87

nardo, einen Freund des Verfaſſers, das iſt aber auch dos einzige Menſchliche, was wir im erſten Vrieſe finden. Leonardo, ſagt der Ver⸗ faffer, will Bäder gebrauchen; das iſt mir lieb, bemerkt er weiter ganz naiv. Noch weiter ſagt der Verfaſſer, daß er ganze Stunden gedankenlos war, daß er aber gerade in ſolchen Stunden dieſe Briefe ſchrieb, davon ſchweigt der gedankenloſe Verfaſſer. Seite 6 ſpricht der Verfaſſer von ſeinen iſolir⸗ ten Morgenſtunden, und ſagt wirklich recht beſcheiden im Voraus, daß ſeine Morgenſtunden keine Mendelſohn⸗ ſche ſind, ſondern haſt du, lieber Leſer, ſchon einen Gedanken geſehen? So wie man ſagt, einen Gedanken, von was immer für einer Farbe? Nun ſo lies den erſten Brief, da rükt der Verfaſſer heraus mit der Farbe, und ſagt, daß er ſeine grauen Gedanken (eene ſchöne Kolörie, Hr. Criminell!) in den roſigen Schleier der Morgen ſtunden hüllt! Das werden doch ve r⸗ büllte Gedanken ſein! Zur Mit⸗ tagszeit bekommen die Gedanken eine elöſter liche Farbe,(det is een Chan⸗ geant, Hr. Criminell!) und Abends, wenn draußen hübſch iſt, gehen ihm die Gedanken ein bischen aus, und er bleibt zu Hauſe, und ſchreibt Mähriſche Wanderbriefe. Ich bin, ſchreibt der Verf. an ſeinen Freund, wie du weißt, ein ſogenannter Botanikus. Das iſt ſein Glük, daß es der Freund weiß, ſo weiß es doch Jemand. Hierauf ſagt er, der talentvolle Verfaſſer, daß er im botaniſchen Garten in Wien oft von den roſigen Strahlen der Frühlings⸗ ſonne belauſcht wurde. Das iſt aber gar nicht ſchön von den roſigen Strah⸗ len, wenn ich die roſigen Strahlen wäre, ich wüßte was Geſcheiteres zu thun! Endlich um zu zeigen, daß er wirklich ein ſogenannter Votanikus ſei, hat er einige lateiniſche Benennungen

von Pflanzen hineingeſchrieben, die ihn zum ſogenannten Botanikus machen ſol⸗ len. Weiter unten beſucht der Verfaſ⸗ ſer einen Gemüſe⸗Garten, und geht zwiſchen den Rüben Kraut, Kar⸗ toffel- und ſonſtigen Beeten und jedes Beet lacht ihm entgegen, und jedes Beet winkt ihm freundlich zu, und je⸗ des Beet jauchzt freundlich auf und liebäugelt mit ihm. Nun ſage mir Einer, wer wird bei einer ſolchen Sze⸗ ne, bei einer ſolchen Aufnahme nicht ſelbſt zu einem bete werden? Zum Schluſſe dieſes Briefes, erzählt ein Winzer eine Sage, die der Ver faſſer, wie er ſelbſt ſagt, ins Schrüftſtel⸗ leriſche überſezte. Nun, lieber Le⸗ ſer, haſt du an einem Briefe noch nicht genug, um auf die andern ſchließen zu können, in denen noch eine lächer⸗ liche Arroganz durchſcheinet, oder biſt du nicht menſchenfreundlich genug, am mich des Leſens der übrigen Briefe zu entheben? Policinello.

Muſik.

Pe ſt h. Am 19. d. M. gab Dem. Fanny Schmidt aus Wien, im klei⸗ nen Redoutenſaale ein intereſſantes Konzert, das eine bedeutende Anzahl Kunſtfreunde anzog. Nachdem wir Mo⸗ zarts unvergleichliche Don⸗Juan⸗Ouver⸗ ture gut exekutirt hörten, ſpielte die Konzertgeberin den erſten Saz aus dem ſechſten Konzerte von J. Field auf dem Pianoforte. Dieſe edle und trefflich gehaltene Kompoſition wußte Dem.

Schmidt mit reifer Fertigkeit, einem

ſichern und reinem Anſchlage und wir⸗

kungsvollem Ausbruk vorzutragen, ſo daß ſie gleich viele Stimmen für ſich ge⸗

wann; noch mehr aber ſteigerte ſich der Beifall, als ſie am Schluſſe des Kon⸗ zertes die höchſt ſchwierige FJantaſie, über Motive aus der Oper Don Juan,