Wm Smut. 8 Salle. lem Segel,

Theater.

Peſth(22. September). Die zwelte Gaſtrolle des Hrn. Ku nſt war, wie ſchon geſagt, Hugo in Müllners Schuld. Dieſe Rolle war lange Zeit die Glanzparthie vieler Heldenſpieler, dle glaubten bloß durch eine ergrei fende Deklamation wirken zu müſſen, und wozu das trochaͤiſche Versmaaß ſo beſtechende Chancen bietet. Heurteur in Wien, glauben wir, war der erſte und einer der vorzüglichſten Darſteller des Hugo und fand ein Heer von Nach ahmern, die es aber größtentheils darauf anlegten, blos die Verſe in einem faſt einförmigen, aber doch das Ohr ſchmei chelnden Tone zu rezitiren und ſich um weitere Auffaſſung der Rolle we⸗ nig zu kümmern. Unſer geſchäzte Gaſt, Herr Kunſt, behandelte ſeine Aufgabe mit mehr Originalität und künſtleriſcher Einſicht. Nicht nur, daß er uns die ſchönen fließenden Verſe mit allem Zauber ſeines anerkannt bril⸗ lanten Vortrages würzte, ſtellte er uns auch ein Charaktergemälde auf,

das von Studium und vollkommenem Eindringen in den Geiſt des Dichters das ſchönſte Zeugniß gab. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß der Dar ſteller die tiefſte Rührung hervorbrach te, aber mit Mitteln, denen weder Wahrheit und Natur, noch Leben und Schönheit mangelten. Seine Leiſtung

Mittwoch, 23. Oktob.

ward mit allgemeinem rauſchendem Vei⸗ fall aufgenommen. An dieſem Abend hatten wir auch das Vergnügen, den neunjährigen Sohn des Hrn. Kunſt als Otto zu ſehen. In dem Knaben wird ſich ein bedeutendes Talent ent⸗ falten, denn er zeigt bereits die er⸗ freullchſten und glänzendſten Anla⸗ gen. Das, was jezt vielleicht noch eingeübt iſt, wird, bei den ſicht⸗ baren Fähigkeiten des Kleinen, gewiß bald zu Selbſtgeſchaffenem heranreifen. An Gaben, wie ſie die Natur mit Vor⸗ liebe ſpendet, iſt der kleine Kunſt ſchon reichlich geſegnet. Außer einem äußerſt lieblichen Aeußern, beſizt er auch ein angenehmes, höchſt deutliches Organ, und fürwahr hat der Knabe ſchon eine große Probe beſtanden, wenn ſeine Worte auf einer Bühne, wie die Peſther, ſo allgemein verſtändlich waren, daß kein Wort davon verloren ging. Der junge Mime ward mit Beifall überſchüt tet. Am 19. Sept. gab Hr. Kunſt den Peter v. Szapar, im Schauſpiel der Mad. Birch-Pfeiffer gl. N. zur brit⸗ ten Gaſtrolle. Hier hatte der Künſtler eine weit ſchwierigere Aufgabe; er mußte ein leichtes, geiſtloſes Gerippe beſeelen. Es gelang ihm zwar voll⸗ kommen, aber wir konnten nur bie Kunſt des Darſtellers bewundern, der allerdings dieſem matten Erzeugniſſe einen poetiſchen Anſtrich zu geben wuß te, doch in ſeiner Rolle beinahe iſo lirt baſtand. Faſt alle andern Mitwir⸗