5˙⁴
der beiterſten Laune.— Von den beiden Novitäten, die uns das Gaſtſpiel Lö— wes brachte, hat das Trauerſpiel„Al⸗ boin“ von Pannaſch, einen ſchönen hi— ſtoriſchen Hintergrund, kräftig gezeich— nete Charaktere und eine edle Sprache; das Schauſpiel„Corona von Saluzzo““ von Naupach aber eine intereſſante Handlung, der es wohl an Neuheit gebricht, aber ſchöne effestreiche Situa— tionen bietet, und hin und wieder eine ſehr blühende und wirkſame Diktion. Beide ausgezeichnete dramatiſche Er— ſcheinungen wurden ſehr beifällig auf— genommen.— Mad. Mink iſt nach ih⸗ rer Rükkehr aus Wien als Prinzeſſin in„Robert der Teufel“ zum erſten⸗ mal aufgetreten, und ward mit unbe— ſchreiblichem Beifalle empfangen.— Die bereits im Spiegel angekündigte humoriſtiſche Vorleſung des Hrn. Löwe wird Donnerſtag den 25. d. M. im Churfürſtenſaale ſtattfinden. Wir machen das Publikum auf einen beſondern Genuß aufmerkſam.— Der k. ſächſiſche Hofſchauſpieler Hr. Pauli befindet ſich wieder hier. 2 8 8 Wien(17. Juli.). Tempora mu- tantur et nos mutamur in illis! Ein altes und unbeſtreitbares Sprichwort. Herr Kunſt hat bereits ſeinen Gaſt— rollen-Cyklus im Theater an der Wien begonnen, und:—„war es immer wie jezt? ich kann das Ge— ſchlecht nicht begreifen“— ward mit Jubel und Jauchzen von dem zahlreich anweſenden Publikum empfangen. Die erſte Rolle in der Reihe ſeiner Gaſt— ſpiele war Hamlet. Uns dünkt, als hätte Hr. Kunſt durch die Wahl die— ſer Nolle das Prävenire ſpielen wol— len, um ſich damit die Gunſt eines Publikums zu gewinnen, deſſen Geduld er bereits auf ſo harte Proben geſezt und deſſen großmüthige Verſöhnlichkeit er genau zu kennen ſcheint. Wenn wir uns auch nicht dem Urtheile vieler
Kunſtfreunde, als ſei Herr Kunſt der erſte Hamlet von Deutſchland, an⸗ ſchließen können, ſo müſſen wir doch geſtehen, daß Hr. K. dieſe Rolle mit Geiſt aufgefaßt habe und ſie mit Kon— ſequenz durchführte. Die zweite Gaſt— rolle des Hrn. K. war Philipp, im„Phi⸗ lipp der Wilde“, dann„Hinko der Frei knecht“ von M. Birch⸗Pfeiffer. Dieſes bekannte Effektſtük bietet dem Darſtel⸗ ler des Philipp eine Unzahl von ſoge⸗ nannten coups de théatre, die auch Hr. K., der überhauͤpt ſolche Dinge nie unbenüzt vorübergehen läßt, mit vieler Routine zu verarbeiten wußte. Außerdem ſahen wir den Gaſt noch als Everard im„Irrenhaus zu Dijon“, unſtreitig der beſten Rolle dieſes vielſeitigen Schauſpielers.— So viel iſt gewiß, daß wir Hrn. Kunſt für ſeine Gaſtrollen danken müſſen, da wir we⸗ nigſtens, ſo lange er noch hier iſt, gute Stüke auf einem Theater ſehen, auf welchem ſeit langer Zeit nur die Trivialität und die Geſchmakloſigkeit ihren Wohnſiz aufgeſchlagen. So ward noch am 7. d. M.„Hasper a Spada“, ein Ritterſchauſtük in ſechs Akten, pro⸗ duzirt, das einen Zuſeher von heftiger Gemüthsart leicht zum Wahnſinn brin⸗ gen könnte.— Im Theater in der Leo— poldſtadt gaſtirte eine Delle. Wolf, als Frau in:„Nehmt ein Exempel dran“, als Fransziska in„Liebe kann Alles“, als Kunigunde in„Hanns Sachs“ und als Käthchen im„Käthchen v. Heil⸗ bronn“ mit vielem Beifalle. Die jun⸗ ge Künſtlerin iſt zwar nicht ganz frei von Manier, aber auf dem beſten Wege zum Ziele der Vollkommenheit.— Auf der Joſephſtädter Bühne, wo noch im⸗ mer Mad. Fiſcher-Achten mit Auszeich⸗ nung wirkt, ſahen wir einen Hrn Her⸗ bert, als Baſilio im„Barbier von Se⸗ villg.“ Er gefiel nicht am Beſten.
Adigphoros.


