15. Sepremver.

Thiermedicinische Rundschau etc.

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Milch, sei es durch Serum von künstlich gegen die be- treffende Krankheit geschützten Thieren, oder wir können seinem Organismus diese Waffe sich selbst bereiten lassen, indem wir ihn möglichst rasch künstlich immuni- siren. Das letztere ist qas Princip der nachträglichen Immunisirung während der Krankheit. Es wäre verfrüht, aus den günstig verlaufenden Thierexperimenten jetzt schon einen Rückschluss auf den Merschen Zzu machen; es steht aber zu hoffen, dass alle diese Ihnen hier vor- geführten Bestrebungen einstmals ihre Früchte tragen werden zum Heile der leidenden Menschheit.

Löffler: Die Feldmausplage in Thessalien und ihre erfolgreiche Bekämpfung mittelst des Bacillus typhi murium. Centralbl. für Bakteriologie und Parasiten- kunde. XII. Band No. 1.

Der von Professor Löffler-Greifswald mit Voll- stem Erfolge durchgeführte Versuch, einen Infections- Srreger zur Bekämpfung überhandnehmender schädlicher Nager zu verwenden, bedeutet einen Triumph der pak- teriologischen Forschung. Für uns Peutsche scheint dabei noch besonders erfreulich, dass es einem Landsmanne gelang, das vor einigen Jahren pei der australischen Kaninchenpest in analoger Weise aber vergeblich ange- strebte Ziel, nunmehr wirklich und voll zu erreichen.

Löffler hatte im Anfang dieses Jahres Mittheilung davon gemacht, dass es ihm gelegentlich einer zufälligen Hausepidemie unter seinen Versuchsthieren gélungen sei, einen Bacillus zu finden, der vom Verdauungstractus aus gegenüber Haus- und Feldmäusen als tödtlich wir- kender Infectionserreger sich erwies, während derselbe kür zahlreiche andere Thierspezies bei der Verfütterung unschädlich blieb. Namentlich bei den so empfindlichen Schafen konnten enorme Mengen dieses Bacillus ohne Nachtheil verfüttert werden, während mit denselben Bacillen gefütterte Mäuse ausnahmslos innerhalb 8 14 Tagen mit starker Milzvergrösserung daher die Be- zeichnung als B. typhi murium erlagen.

Als nun im Frühling dieses Jahres in der Ebene von Thessalien Myriaden von Feldmäusen auftraten, welche die Ernte mit gänzlicher Vernichtung bedrohten, wandte sich die griechische Regierung, veranlasst durch einen telegraphischen Hinweis Pasteur' s auf den von Löffler entdeckten Bacillus an Letzteren mit dem Ersuchen um Ueberlassung einiger Häschchen des Virus zur Ausführ- ung von Versuchen. Herr Löffler erklärte sich hierzu zwar bereit, äusserte jedoch Bedenken, ob die Methode der Mäusebekämpfung ohne sein eigenes Eingreifen richtig zur Ausführung gebracht werden würde, und erbot sich zur Reise nach Thessalien, wenn die griechische Regier- ung für ihn und einen Assistenten die Kosten der Reise und des Aufenthalts tragen wollte. Dies wird angenom- men, und nachdem Herr Löffler sich telegraphisch darüber vergewissert hatte, dass die thessalische Feld- maus wirklich Arvicola arvalis sei nicht etwa Mus decumanus(Wanderratte) oder Mus agrarius(Brand- maus), welche dem Bacillus gegenüber unempfänglich sind, machte er sich mit Dr. Abe! am 5. April auf die Reise.

In Athen waren pereits ein Dutzend thessalischer Feldmäuse zu Vorversuchen bereit gestellt, an denen zu- nächst ein, von der in Deutschland einheimischen Arvi- cola arvalis wesentlich Verschiedener Habitus(erheb- lichere Grösse, hellere Farbe, grosse glänzende Angen, kurzer Schwanz) zu constatiren war. Trotzdem gelangen die Impf- und die Fütterungsversuche, ja die Thiere schienen sogar noch empfüinglicher und erlagen früh- zeitiger mit der typischen Milaschwellung. Es' mussten nun grosse Massen von Culturflüssigkeit hergestellt wer- den, was durch Abkochen von Hafer- und Gerstenstroh mit Zusatz von Pepton und PTraubenzucker gelang. Während einer Nacht konnten in diesen Flüssigkeiten bei Bruttemperatur Milliarden von Bacillen zur Entwick- lung gebracht werden. Die Schwierigkeit, genügend

grosse sterilisirbare Gefässe zu erhalten, wurde durch Beschaffung milchkannenähnlicher Behälter aus Weiss- blech umgangen, in denen die Culturen vortrefflich ge- dichen.

Nach diesen Vorbereitungen erfolgte am 16. April die Einschiffung nach Volo, am 18. von dort mit der Eisenbahn die Reise nach Larissa, der Hauptstadt Thes- saliens, in deren Umgebung die Versuche beginnen soll- ten. Herr Löffler schildert schr anschaulich die Ver- heerungen der Mäuse, welche in Folge ihrer enormen Zahl oft so plötzlich vor sich gehen können, dass in einer Nacht die Ernte ganzer Felder verschwindet. Heuer, bei den besonders günstigen Ernteaussichten in Thessa- lien handelt es sich'um ein Werthobject von 4050 Mill. Fres., und man hatte deshalb pbereits Commissionen pe- rufen und eine Reihe von Mitteln versuchsweise in An- wendung gezogen, darunter namentlich Schwefelkohlen- stoft, der mittelst Injectoren in die Gänge und Löcher gespritzt wurde, indess ohne Erfolg. Bei dem Löffler- schen Verfahren nun sollten fingergliedgrosse Stücke trockenen, weissen Brodes mit den bacillenhaltigen Culturflüssigkeiten getränkt und in die Mäuselöcher ein- gébracht werden. Pies wurde zunächst auf einem klei- neren Gebiet, unter bereitwilligster Unterstützung von Seite der betreffenden Grundbesitzer zur Durchführung

gebracht. Ausserdem auch wurden Dutzende von Feld⸗ mäusen, welche mit Reinculturen subcutan geimpft Waren, auf den Feldern in Freiheit gesetzt, damit

auf dem Wege des Anfressens der Gadaver durch die Gefährten die Krankheit verbreitet würde. Um den Bauern die bisweilen von ihnen geäusserten Bedenken hinsichtlich der Giftigkeit des präparirten Brodes für ihre Hammel zu nehmen, wurden vor ihren Augen die auf den Gutshöfen herumlaufenden Thiere, Hühner, Tauben, Hunde, Schweine, Pferde, Esel, Hammel und Ziegen, mit imprägnirten Brotstückchen. gefüttert. Ja, einzelne der, von dem regsten Fifer für die Sache erfüllten griechi- schen Begleiter Löffler's, welche das Brod an die Banern vertheilten, assen Sogar vor den Augen derselben Stücke des inficirten Brodes, um dessen Unschädlichkeit für den Menschen selbst darzuthun. Bei allen diesen Versuchen erwies sich in der That die völlige Unschäd- lichkeit des Bacillus.

Auf der anderen Seite zeigte sich pald genug der erhoffte Erfolg. Schon nach wenigen Tagen lief von allen Seiten die Nachricht ein, dass das in die Löcher gesteckte Brod aus denselben verschwunden sei, wodurch die Besorgniss zerstreut wurde, dass die Mäuse inmitten des saftigsten Grüns und des reifenden Getreides keine Lust zum Verzehren der Zrodstücke äussern würden. 9 Tage, nachdem mit den Versuchen begonnen worden war, kam die Nachricht, dass in den betreffenden Feldern die Zerstörungen seit 2 oder 3 Tagen aufgehört haben, Vas sich daran erkennen liess, dass frisch abgefressenes Getreide in den Löchern nicht mehr gefunden wurde. Auch fehlten frisch eröffnete Mauslöcher, man fand ferner Vereinzelte todte Mäuse, während aufgegrabene Baue sich leer erwiesen. Die Untersuchung der todt aufgefundenen Mäuse ergab die bathologischanatomischen Veränderungen des Mäusetyphus; dieselben enthielten in Leber und Milz die chärakteristischen Bacillen in reichlicher Menge. Die Methode hatte somit die Prüfung ihrer praktischen Verwendbarkeit zur Zufriedenheit bestanden.

Herrn Löffler's Anwesenheit in Thessalien war nun nicht länger mehr nöthig, nachdem durch genügende Instructionen dafür Sorge getragen worden War, dass das Verfahren in der bisherigen erfolgreichen Weise überall zur Purchführung gebracht werden konnte. Während seines kurzdauernden Aufenthaltes in Athen, wo man sich über die guten Ergebnisse sehr erfreut zeigte, trafen bereits wiederholte Telegramme ein, welche von den wachsend günstigen Erfolgen in Thessalien berichteten. Nach Greifswald zurückgekehrt endlich erhielt Herr

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