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Thiermedicinische Rundschau etc.

1892. No. 24.

Löffler am 26. Mai von dem Präsidenten des Comités zur Bekämpfung der Feldmäuse aus Larissa die folgende, auch in die politischen Blätter übergegangene Depesche: Resultats excellents partout, pays reconnaissant à vous. Xnastasiades, womit der endgültige Erfolg des neuen, für die Landwirthschaft ungemein wichtigen bakteriologi- schen Verfahrens zweifellos erwiesen ist. (Münch. med. W.)

Zur Behandlung der Cholera haben nach An- regung des österreichischen Minissteriums des Innern und im Auftrage der Wiener medici- nischen Facultät die Professoren Nothnagel und Kahler eine Anleitung veröffentlicht, welche die indi- viduelle Prophylaxis, die Behandlung der Cholera- Diarrhöe, die des ausgebildeten Cholera-Anfalles, endlich die Behandlung des Stadium asphyecticum 7um Gegen- stande haben. Von dem Gedanßen ausgehend, dass der Krankheitserreger der Cholera meist per os aufgenommen durch den Magen in den Darm gelangt und am wirksam- sten durch die ungestörte Thätigkeit des Verdauungs- apparates, speciell des Magens mit seinem sauer rea- girenden Secrete vernichtet wird, empfiehlt die Anleitung in erster Linie die Vermeidung aller Momente, welche die motorische oder chemische Function des Magens zu stören oder herabzusetzen geeignet sind. Dahin ge- hören körperliche und geistige Ueberanstrengung, Ge- müthsbewegungen, wodurch die motorische Function des Magens leidet und durch abnorm langes Verweilen der Ingesta katarrhalische Zustände erzeust werden können, ferner Genuss unverdaulicher, ungenügend oder unzweck- mässig bereiteter Speisen, ungewohnter Nahrungsmittel, allzu reichlicher Mahlzeiten und Uebergenuss alkoholi- Scher Getränke. Empfohlen wird ferner der Gebrauch von Salzsäure(810 Tropfen in ½ Glas gekochten Wassers) nach den Mahlzeiten, die Beseitigung von Op⸗ stipation durch Klysmen mit gekochtem Wasser und die sorgfültige Behandiung schon bestehender Magen- und Parmkatarrhe. Vor Erkältungen, durch welche Katarrhe des Verdauungscanals hervorgerufen werden können, wird dringend gewarnt und Gewicht auf allgemeine Körper- hygiene(Bäder, Bewegung im Freien, genügender Schlaf) gelegt. Jede eintretende Piarrhöe ist sodann so zu be- handeln, wie wenn es sich um eine Choleradiarrhöe han- deln würde. Der Kranke ist zu Bett zu bringen, wo- möglich nach einem warmen Bade oder heissen Sitz- bade, mit warmen Compressen am Leibe zu bedecken, die Nahrung auf Schleimsuppen einzuschränken und Tinct. Opii mit Thee oder Rum, Cognac, Arac zu geben. Ferner ist Salzsäure zu verordnen, als Getränk Roth- wein, Cognac. Arac in Wasser und wenn Brechneigung oder Erbrechen eintritt, kohlensaure, nicht alkalische Wässer zu reichen. Alles Wasser, das genossen wird, muss vorher abgekocht werden. Bevor man den Kranken zu Bett bringt, ist eine energisch und sachverständig ausgeführte kalte Abreibung von Nut?en. Calomel kommt nur in den ersten Anfüängen des Krankheits- processes in Betracht. Zur Behandlung des aus- gebildeten Cholera-Anfalles, dessen Erschei- nungen durch die Vermehrung der Bacillen im Darme und deren Einwirkung auf den Darm selbst veranlasst werden, eignet sich am besten die von Cantani em- pfohlene Tannin-Enteroklyse.(½2 Liter ab- gekochten, auf 39 400 C. temperirten Wassers, in dem 15 20,0 Gerbsäure gelöst wurden, werden durch Hoch- Irrigation in den Parm eingegossen.) Dieses Verfahren eignet sich am besten im praemonitorischen Stadium, kann aber auch bei bereits entwickeltem St. algidum von Nutzen sein. Das Tannin kann sowohl auf die Ent⸗ wicklung der Kommabacillen hemmend einwirken, aber auch dic Unschädlichmachung und möglichst rasche Aus- scheidung des chemischen Choleragiftes aus dem Blute

Im Stadium asphycticum, wo es sich darum handelt, die Bluteindickung zu vermindern und die Kreis- laufstörungen zu beseitigen, stehen zwei Verfahren oben- an: Pie Hypodermoklyse und die intravenöse In- jectiov. Zur Ausführung der ersteren werden in 2 Litern destillirten und ½ Stunde lang unter Watte- verschluss gekochten Wassers 6,0 Natrium carbonicum und 8,0 Chlornatrium gelöst und auf 400 C. abgekühlt; die Flüssigkeit wird mittelst einer mit mehreren seit lichen Oeffnungen versehenen Hohlnadel von 1 ½ 2 mm Lumen durch eine Hautfalte der Abdominal- Wand ins Unterhautzellgewebe infundirt. Die Hautstelle ist zn- erst mit Schwefeläther und dann mit 2 pro mille Subli- matlösung zu reinigen. Der Zufluss geschicht aus einer Bürette, die mit der Hohlnadel durch einen mittelst Quetschhahm verschlossenen Gummischlauch verbunden ist. Der ganze Apparat ist vor der Verwendung mit 5 Proc. Carbol-Lösung oder in kochendem Wasser zu desinficiren. Durch fortlaufendes Nachfüllen der Bürette können in ½ ½ Stunde bis zu 1 ½ der alkalischen Kochsalzlösung ins Unterhautzellgewebe gebracht werden, von wo die Flüssigkeit rasch resorbirt wird. Fine ent- stehende Beule ist durch Massage zu vertheilen. Auch die Schenkelhaut oder die Interscapulargegend kann zur Infusion gewählt werden. Ist noch nach der dritten In- tusion der Erfolg ein vorübergehender, so tritt die intra- venöse Injection in ihr Recht ein, und zwar verwende man hiezu dieselbe alkalische Kochsalzlösung oder eine Lösung von 5,0 Chlornatrium und 10,0 Natrium suffuri- cum auf 1000 Wasser(Hayem), welche Lösung durch ein mehrfaches schwedisches Filter filtrirt und dann durch langes Kochen sterilisirt werden muss. Zur Aus- kührung bedient man sich einer Bürette mit Glaskanüle, welche in eine der Armvenen eingebunden wird. Luft eintritt in die Vene ist sorgfältig zu vermeiden, ebenso ist Apparat und Wunde aseptisch zu halten. In einer Viertelstunde können bei geringem Drucke 22 ½ Liter zum EFinfliessen gebracht werden und die Wirkung kann noch während des Finfliessens der Lösung beobachtet werden. Schon die ersten Antänge des Stadium algidum geben die Indication zu diesen Eingriffen. Als Ex- citantien empfehlen sich Champagner, Brausemischungen, schwere Weine mit Zusatz von 10 20 PTropfen Aether. Thee mit Cognac, subeutane Injectionen von Campheröl (1: 9), ferner warme Bäder, sehr energische und lang fortgesetzt Frottirungen mit spirituösen Substanzen oder mit in Eiswasser getauchten Compressen, fortgesetzte Erwürmen der Extremitäten. Beim Bestehen sehr schmerzhafter Muskelkrämpfe ist eine Morphium Injection zu empfehlen Für die Behandlung des Cholera- typhoids lassen Sich allgemeine Vorschriften nicht geben; man muss die Beseitigung der schweren Nieren- affection mit ihren Folgen und vor Allem die Ernährung der Kranken im Auge behalten.

(Deuische med. Wochenschr. No. 32.)

pie Anwendung des Salol's pei Cholera, welche von Prof. Wilhelm Löwenthal auf Grund von Labo- ratoriums und PThierversuchen empfohlen worden war, ist nun von Dr. F. J. Gonzalez Salvador in Vba (Philippinen) zuerst und mit Glück bei Menschen ver- sucht worden. Von 53 Erkrankten und mit Salol Behandelten starben nur drei, welch' letztere sich im let?zten Stadium der Cholera befanden, als sie in Be- handlung kamen. Bei jeder anderen Behandlung in der gegenwärtigen und der vorhergegangenen Epidemie betrug dagegen die Sterblichkeit 45 Proc. Die Be- handlung besteht in Darreichung einer Erstgabe von 2 Gramm, gefolgt von stündlichen oder halbstündlichen Gaben von je 0,5 1,0. Die weiteren Einzelheiten sollen

begünstigen.

demnächst veröffentlicht werden. (Deutsche med. Wochenschr. No. 32.)