280 Thiermedeinische Rundschau ete.

1892. No. 24.

träglich erfuhr, vor der Injektion 2 Pfund warme Butter eingeschüttet worden. Bei meinem Be- suche am nächsten Morgen stand die Kuh auf⸗ recht und verzehrte mit Appetit das ihr vor- gelegte Heu.

Glycerin.

Distriktstbierarzt Eckart-Annweiler ver- wendet seit mehreren Jahren Glycerin-PTropfen- Klystiere, ungefähr 20,0 mittels Wundspritze aus Zinn bei Koliken der Pferde mit sichtbarer Wirkung. Entweder setzen die Pferde ungefähr 5 10 Minuten nach der Einspritzung mehr oder weniger Koth ab, oder es entsteht Drängen auf Kothabsatz, ohne dass es zu letzterem kommt. Im ersteren Falle kann ein Zweifel über die Beschaffenheit der Ausleerung nicht bestehen, wie bei Wasser-Infusionen, was besonders für die Therapie von Werth ist und die Thiere scheinen meistens Erleichterung zu fühlen. Im 2. Falle giebt E. nach Verlauf von ½ Stunde eine zweite EFinspritzung; tritt trotzdem kein Kothabsatz ein, so ist dieser Umstand nach den bisherigen Erfahrungen als ein äusserst ungünstiges Zeichen zu betrachten, da noch in jedem der- artigen Falle der Tod des Thieres erfolgte.

Thierarzt A. Hörner-Bergzabern hat behufs rascher Entleerung des Darmkanals bei Fohlen, Kälbern und Hunden Finspritzungen vou Glycerin in den Mastdarm mit gutem Erfolge angewendet und dabei die Erfahrung gemacht, dass der Ein- spritzung zur Sicherung des Erfolges die thun- lichste Entleerung der vorliegenden Kothmassen vorhergehen müsse. Im anderen Falle ist die Wirkung auf die Mastdarmschleimhaut nicht die gewünschte, weil das Glycerin durch die vor- Hiegenden Kothmassen absorbirt wird. Einen be- sonders guten Erfolg hatte H. bei einer trächtigen dänischen Dogge, welche schon ½ Tag in Ge- burtswehen lag. Das Drängen war sehr stark, Kothabgang fehlte vollständig. Die Palpation des Hinterleibes ergab starke Füllung des Darmes mit festen Kothmassen. Beim Eingehen mit dem Finger in's Rektum zeigten sich gleichfalls stein- harte Kothmassen. Jufusionen von lauwarmem Wasser hatten keinen Erfolg. Nach Glycerin- elysmen entleerte sich eine grosse Menge tauben- eigrosser Kothballen und kurze Zeit darauf warf die Hündin mehrere Junge. In diesem Falle war jedenfalls die starke Füllung des Rektums mit Koth das Geburtshinderniss.

Distriktsthierarzt Bodenmüller-Göllheim lobt die bequeme Anwendung und prompte Wirkung der Finspritzungen von Glycerin in den Mastdarm in Fällen von länger dauernden Koth- anhäufungen beim Pferd und Rind. 3stündlich werden 10,0 mit einer kleinen Spritze in den After gegeben, wobei ganz kurzes, aber meistens mit Mistabgang verbundenes, stets ungefährliches

Drängen erfolgt. Bei einem Pferde mit fast 2tägiger Kolik und 5 tägiger Verstopfung wurden über 300,0 Glycerin successive eingespritzt, ohne irgendwie einen Nachtheil zu bemerken.

Kreosotum.

Thierarzt Meister-Weingarten verwendete bei länger andauernden blutigen Durchfällen der Rinder in vier Fällen Kreosot mit Milch als ein- fache Emulsion(1 Kreos., 2 Milch) sowohl inner- lich in 3maligen Tagesdosen von je 10,0 und entsprechend Milch als auch als Clysma per anum mittels des Schlauches mit bestem Erfolge. Die Patienten erholten sich viel rascher als man es sonst bei derartigen Leiden zu sehen gewohnt ist.

Lugol'sche Lösung. Distriktsthierarzt Mitteldorf- Türkbeim. Die Lugol'sche Lösung leistete bei Metritiden sehr schöne Erfolge ohne lästiges Nachdrängen; die Anwendung geschah 1 Fsslöffel voll auf 1 Liter lauen Wassers.

Lysol. Bezirksthierarzt Wörner-Brückenau. Seit

1891 wende ich bei Erkrankungen des PTrag-

sackes und eiteriger Metritis in Folge zurück- gebliebener Nachgeburt, sowie nach jeglicher Manipulation im Pragsacke, selbst pei den günstigsten Geburten Ausspülungen mit Lysol- ſösung an; dieselbe ziehe ich dem Creolin viel- leicht nur aus dem Grunde vor, weil sich das Lysol leicht löst und des üblen Geruches ent- behrt, während ich stets mit Creolin zufrieden gewesen bin. Der Grund mag vielleicht auch darin liegen, dass ich mich nie strenge an ge naue Prozente gehalten habe, sondern stets mit grossen Massen von Creolin und jetzt mit Lysol- Lösungen ausspülen lasse und zwar so, dass ich täglich 3 mal Infusionen von je 5 Esslöffel Lysol gemischt mit 5 Liter lauwarmem, vorher gut durchkochtem Wasser ordinire. Diese Flüssig- keit wird mittelst eines starken Weinschlauches, der sich leicht in den Tragsack einführen lässt, eingegossen, wobei 2 Gehilfen einen Stock über den Rücken des Thieres halten. Ein besonderes Drängen oder sonstige Unruhe-Erscheinungen konnte ich nie beobachten und bin ich mit diesem Mittel, das ich 10 12 Tage lang anwenden lasse, bis die letzten Reste der Entzündungs- produkte abgeflossen sind und solange der Gebär- mutterhals immer noch etwas geöffnet ist, voll- kommen zufrieden.

Bezirksthierarzt Gotteswinter-Stadtambof. Das Lysol wird nunmehr als aseptisches Mittel in allen Fällen, wo früher Carbolsäure, Jodo- form, Sublimat und zum Theil auch Creolin ge⸗ praucht wurde, angewendet. Zum Ausspülen des Uterus, insbesondere bei zurückgebliebener Nach-