15. September.

Thiermedicinische Rundschau

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Arzneimittellehre. Ueber Arzneiwirkungen. Aus den Jahresberichten der bayerischen Thierärzte pro 1891. Aether sulfuriecus. Distriktsthierarzt Schmutterer-Dorfen. Bei

einem 4jährigen gut genährten Wallachen er schien während des Verlaufes der Druse wieder- holt ein Nesselausschlag, der jedesmal innerhalb 24 Stunden rasch wieder verschwand, wie er zum Vorschein gekommen war. Protz Zurückgehens der übrigen Krankheitssymptome bildeten sich an der Unterbrust, am Bauche und an den Ex- tremitäten sehr bedeutende Oedeme aus, deren Ursache in hochgradiger, besorgnisserregender Herzschwäche zu suchen war. Verabreichen von Digitalis neben Frottiren der Oedeme(unter An- wendung von spirituösen Einreibungen) erzielte keine Besserung, worauf ich eine subkutane In- jektion von Aether suffuric. 15,0 applicirte, was rasch eine günstige Wirkung herbeiführte.

Ein Hühnerhund zeigte nach grösserer An strengung auf der Jagd bei sehr schwacher Herzthätigkeit, Ohnmachtsanfälle, welche den Eintritt einer Herzlähmung befürchten liessen. Pine Injektion von Aether sulf. 1,5 brachte die schlimmen Symptome schnell zum Schwinden.

Alkohol.

Distriktsthierarzt Bauer Diessen rühmt die ausserordentlich günstige Wirkung grosser Mengen Alkohols bei der toxisch paralytischen Form des Kalbefiebers. Der Alkohol wurde in 10 Fällen neben der symptomatischen Behandlung bis zur Berauschung der Thiere in Anwendung gebracht und in 8 Fällen rasche Genesung herbeigeführt.

Calomel.

PThierarzt Markert-Mutterstadt. zügliches Mittel zur Aufsaugung von Flüssig keiten und zur Desinfektion haben wir an Calomel. Zur Heilung der Mauke wird es kaum ein zuverlässigeres Mittel geben. Die nässenden Stellen werden zu diesem Zwecke mit Calomel überstreut, eine Wattschichte darüber gelegt und ein Verband angebracht. Ganz prompt wirkt auch das Calomel bei nässendem Ekzem der Hunde, besonders an solchen Stellen, wo man einen Verband anlegen kann. Um das Abreissen des Verbandes zu verhindern, bestreut man den- selben stark mit Alos und netzt ihn an. Auch die innerliche Anwendung von Calomel ist bei solchen Darmleiden, bei denen Fäulnissprozesse die Ursache sind, sehr zu empfehlen. Doch ist vor zu hohen Dosen zu warnen. Bei 2 Küben trat auf Gaben von 5,0 pro Thier nach 14 Tagen der charakteristische Quecksilberausschlag auf.

Ein vor-

Creolin.

Im Oktober 1891 trat in Reichenhall unter den Hunden eine durch Prichophyton tonsurans veranlasste Hauterkrankung in grösserer Aus dehnung auf. Bei den vom Bezirksthierarzt Stinglwagner behandelten Fällen dieser Glatz- flechte erwies sich das Pearson'sche Creolin (1: 10 Spiritus) als das am schnellsten und sichersten wirkende Mittel.

Bezirksthierarzt Junginger- Kaufbeuren hatte bei dem Durchfall der Kälber von der An wendung des Creolin-Pearson, mit Opium simpl. in Chamillenthee gegeben, gute Erfolge.

Distriktsthierarzt Rogg-Babenhausen zielte bei ruhrartiger Diarrhöe des Rindes gezeichnete Erfolge mit der Verwendung Creolin und darauf folgend Acid. tannicum. Die betreffenden Thiere bekamen am 1. Tage 20,0 Creolin auf 1 mal in ½ Liter Wasser gelöst und am nächsten Tage eine Lösung von 20,0 Tannin in gleicher Concentration.

Tbierarzt Markert-Mutterstadt hat(1891) nur Artmann'sches Creolin angewendet und mit demselben besonders bei Puerperal Metriten die- selben guten Erfahrungen gemacht, wie im Vor

Er aus- VOn

jahre von der Anwendung von Creolin-Pearson. .

In einer Beziehung sei das Artmann'sche Creolin insofern ein angenehmeres Mittel, als Ein- spritzungen in die Vagina oder den Uterus keine so starken Wehen erzeugen, wie dies bei der Anwendung von Creolin-Pearson der Fall war.

Distriktsthierarzt Bodenmüller-Göllheim vermeidet die Anwendung des Creolins zu Uterus- Ausspülungen, nachdem er die Beobachtung ge- macht hatte, dass das Fleisch der event. ge- schlachteten Thiere hartnäckig den theerartigen Geruch festhält und einen brenzlichen Geschmack annimmt.

Eserin.

Thierarzt Markert-Mutterstadt. Eigen- thümlich reagirte eine Kuh, die an paralytischem Kalbefieber litt, auf eine Einspritzung von 0,1 Eserin zu 10,0 Aqu. dest. Ungefähr 10 Minuten nach erfolgter Einspritzung suchte die Kuh unter fortwährendem Brüllen aufzuspringen, was ihr

jedoch nicht vollkommen gelang, in Folge dessen

sie bald auf die linke, bald auf die rechte Seite zusammenstürzte Nur mit äusserster Kraft- anstrengung konnte sie von einigen Männern solange festgehalten werden, bis ich eine erneute Untersuchung der Kub vorgenommen hatte. Der Herzschlag wurde dabei noch kräftig und regel- mässig befunden, so dass ich den zur sofortigen Schlachtung drängenden Besitzer noch von seinem Vorhaben abbringen konnte. Erst nach 1 ½ Stun- den beruhigte sich die Kuh und blieb wieder ruhig mit in die Seite geschlagenem Kopfe in Somnolenz liegen. Der Kuh war, wie ich nach

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