278 Phiermedicinische Rundschau ete.

1892. No. 24

Innere Medicin.

Zur hetiologie der Trichinose. Von Prof. Pr. Genersich in Klausenburg.(Pester med.-chir. Pr. Ny. 49, 1891 und Deutsche MedicinalZeitung Nr. 42, 1892.)

Vf. hat den Darminbalt bei ca. 250 Thieren und beim Menschen auf seine chemische Reac- tion geprüft und gefunden, dass dieselbe, je nach der Species, sehr verschieden ist und dass mit der Art derselben auch die Empfänglichkeit für künstliche Trichinose zusammenhängt.

Der Inhalt des Vogeldarmes reagirt durch- weg sauer, ebenso beim Hunde. Hingegen ist derselbe beim Kaninchen durchweg alkalisch, und während jene Thiere ganz beliebige Mengen trichinösen Fleisches ohne erhebliche Erkrank- ung verzehren können, sterben diese nach Auf⸗ nahme sehr geringer Mengen inficirten Fleisches an Darm- und Muskeltrichinose.

Beim Menschen, bei Mäusen, Schweinen und Ratten ist die Reaction des Darminhaltes graduell verschieden, und zwar erstens nach der Species. Bei Mäusen vorherrschend, jedoch nicht immer alkalisch, so auch beim Menschen; hingegen ist beim Schweine der Inbalt des Dünndarmes zu- meist sauer bis auf das Ileum, welches im unteren PTheile nie sauer war. Cöcum und Dickdarm waren meist sauer; bei Ratten war das Duodenum und Jejunum gewöhnlich sauer, Ileum und Cöcum 3 4 mal häufiger alkalisch als sauer. Hierwit wird wohl jene allbekannte Thatsache erklärlich, dass Schweine und Ratten die Trichinose leichter überstehen als Menschen; nichtsdestoweniger aber, vorzüglich bei wiederholter Infection, auch gehr grosse Massen von Prichinen in ihre Muskeln aufnehmen können.

Weiter berichtet G. über den Erfolg einer Nachsuche auf Trichinose bei Ratten: er fand unter 183 Ratten bei 10 Stück Muskeltrichinen und bei zweien auch Darmtrichinen. Diese Rattentrichinose war in Klausenburg nur auf zwei Mühlen beschränkt; in der einen fanden sich ca. 24%, in der anderen ca. 21% der Ratten trichinös, hingegen waren alle anderen aus Privathäusern. Mühlen und Fabriken unter- suchten Ratten vollkommen und ausnahmslos frei von Prichinen.

Hierdurch ist nach Vf.'s Ansicht sicher- gestellt, dass auch in Klausenburg in den Ratten

Prichinen vorkommen, und da weder dort noch sonst wo in Ungarn je ein trichinöses Schwein angetroffen wurde(in Peutschland wurden wieder- holt Trichinen bei Bakonierschweinen gefunden. Ref.), erscheint die Peukart'sche Lehre, dass eben die Ratte der eigentliche, regelmässige Wirth der Trichina spiralis ist, von welcher sich das Schwein und durch dieses der Mensch nur zu- fällig inficiren, ausser Zweifel sichergestellt.

Ueber Reinkultur des Actinomyces und seine Ueber- tragbarkeit auf Thiere. Von Prof. Max Wolfr und Dr. Jnmes Israel in Berlin.(Deutsche Medicinal-Ztg. Nr. 42, 1832.)

Vf. ist es gelungen, den Nachweis der künstlichen Züchtung und der Uebertragbarkeit des Pilzes zu führen. Per Strahlenpilz wächst, unter den üblichen Gautelen aus actinomykoti- schem Material entnommen, leicht auf Agar. Er zeigt eine ausgesprochene Neigung zur Knötchen- bildung, die am 3. bis 5. Tage in Erscheinung tritt.

Das Temperatur-Optimum liegt bei 35 3700. Das Wachsthum ist unabhängig von der An- wesenheit von Sauerstoff; vielmehr gedeiht der Pilz am besten anasrob. Mikroskopisch finden sich in Reinkulturen Pilzformen von sehr ver- schiedener Gestalt und Grösse. Es finden sich kurze und längere Stäbchen, lange, solide oder gegliederte, einfache oder auch dichotomisch ge- theilte, verschiedene gebogene Fäden, schrauben- artig gewundene Organismen und schliesslich kokkenartige Elemente. Dagegen kommen in den Reinkulturen die so charakteristischen Keu- len nicht vor.

Bezüglich derkokkenartigen Elemente muss noch hervorgehoben werden, dass dieselben weder echte Kokken noch Sporen oder Involu- tionsformen, sondern eine noch nicht genauer bekannte Entwicklungsstufe des Strahlenpilzes darstellen.

Von hervorragendem Interesse sind die Uebertragungsversuche auf Thiere, deren im Ganzen 22 angestellt wurden. Unter den inficir- ten Thieren befanden sich 18 Kaninchen, 3 Meer- schweinchen und 1 Hammel. Von sämmtlichen Versuchen fiel nur der mit dem Hammel negativ aus, während bei allen übrigen die Section eine Neubildung von Geschwülsten zeigte, in denen sich typische Actinomycesdrüsen mit radiär an- geordneten Keulen vorfanden. Die Uebertragung der durch Impfung erzielten Knoten auf künst liche Nährböden lieferte wieder charakteristische Reinkulturen, die ihrerseits wieder Impf-Actino- mykose bervorriefen. Die vollkommene Färb- pärkeit der Pilze, die sich in den durch Impfung erzeugten Knoten und in den Reinkulturen vor- fanden, ferner die regelmässig statthabende ent- zündliche Gewebsreaction um die Neubildungen herum sprechen für eine active Thätigkeit des verimpften Strahlenpilzes, dessen Wachsthum auf künstlichen Nährböden und Uebertragbarkeit auf Thiere somit nachgewiesen ist.