1. September.
Hauch hatte die Liebenswürdigkeit, mir behufs Untersuchung eine Anzahl lebender Exemplare zur Verfügung zu stellen.
Die Faubenzecke ist ein hässliches Thier von schildförmiger Gestalt, das wegen seiner schmutzig-grauen Farbe sehr leicht überschen werden kann. Das ausgewachsene Weibchen hat eine Schildlänge von 7 mm und eine Breite von 5 mm; die Männchen, die an Zahl etwas zu überwiegen scheinen, erreichen diese Grösse nicht ganz— makroskopisch sind die beiden Ge- Schlechter gar nicht von einander zu unter- scheiden.
Der Schildrücken erscheint für das blosse Auge gleichmässig schmutziggrau gefärbt, lässt aber die etwas dunkleren Magenverästelungen recht gut durchscheinen. Der äusserste Schild- rand ist zuweilen etwas umgekrämpt. Mit der Lupe erkennt man auf dem Schildrücken hellere und dunklere mosaikartige Felder. Das Schild besteht aus einer äusseren Chitinschicht und einer inneren Epithelschicht. Die letztere setzt sich aus kleinen rundlichen Zellen mit trübem, körnigen Inhalt zwammen. Aus dem Secret dieser Zellen wird die darüber gelegene Chitin- schicht gebildet, deren mosaikartige Beschaffen- heit bloss einen Abdruck der Epithelien dar- stellt.
Unter dem Schild ragen die 4 Paar, etwas heller gefärbten Beine hervor, die ziemlich nahe bei einander dem Thorax eingefügt sind. Etwas vor der Insertion des vordersten Paares befindet sich der Rüssel; er hat 2 Taster und dazwischen eine mit einer Rinne versehene Zunge. In letztere münden die Ausführungsgänge der beiden nach unten aussen gelegenen, verhältnissmässig grossen Speicheldrüsen. Genau vor der Insertionsstelle des 2. Beinpaares befindet sich die Geschlechts- öffnung; in der Mittellinie hinter dem 4. Bein- paar ſt die ziemlich grosse rundliche Cloake.
Das ausgehungerte Thier ist fast vollständig platt; giebt man ihm Gelegenheit sich vollzu- saugen, so schwillt es fast kugelförmig an, wobei das Körpergewicht auf das achtfache steigt. In den vielfachen Verästelungen des Magens bemerkt man nach vielen Tagen, selbst Wochen noch die unveränderten menschlichen Blutkörperchen.
Um mich von der eventuellen Giftigkeit des Argasbisses zu überzeugen, setzte ich mir eines der grössten Exemplare auf die Innenseite des linken Vorderarmes. Das Thier lief längere Zeit unruhig hin und her und liess sich erst zum Beissen bewegen, nachdem ich in das Dunkel- zimmer gegangen war.“) Ich empfand zunächst
*) Man kann die Thiere auch dadurch zum Beissen bringen, dass man sie mit einem Wattebäuschchen be- deckt und so den Lichtreiz ausschaltet.
Thiermedicinische Rundschau ete.
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einen kurz dauernden, bohrenden Schmerz an einer ganz kleinen Stelle und fühlte dann lange Zeit gar nichts mehr; nach etwa 20 Minuten, nachdem das Thier eben losgelassen hatte, trat wieder jenes Schmerzgefühl ein, das auch in den nächsten 4 Stunden noch ab und zu eintrat. Von sonstiger Wirkung war, abgesehen von einer (mõglicherweise aber auch psychisch bedingten) Pulsbeschleunigung um 18 in der Minute, nichts zu bemerken, insbesondere keine Quaddelbildung, selbst nicht in der Nähe der punktförmigen Bissstelle.
Mein Assistent, Herr Dr. Panse, der sich ebenfalls beissen liess, hatte ungefähr die glei- chen subjectiven Empfindungen; Pulsbeschleuni- gung trat nicht auf, auch anderweitige objective Symptome fehlten. Indess entwickelte sich bei ihm nach 5— 4 Tagen ein etwa erbsengrosses hartes, empfindliches Knötchen, das erst nach einigen Tagen wieder verschwand.
Ich veranlasste noch einen anderen gesunden jungen Mann, sich beissen zu lassen; auch bei ihm trat keine besondere Wirkung ein.
Man wird also annehmen dürfen, dass ein normaler Mensch durch einen einzigen Argas- biss so gut wie nicht alterirt wird, dass man also jedenfalls bei ihm nicht von einer Vergiftung reden kann. Der vorhin mitgetheilte Fall ist aber kaum anderswie aufzufassen. Die Annahme einer etwa zufällig zu dem Biss sich hinzugesel- lenden Wundkrankheit kann mit aller Bestimmt- heit zurückgewiesen werden, da 5 vollständig gleichverlaufende Anfälle beobachtet worden sind. Es ist mir in hohem Grade wahrscheinlich, dass das Thier während des Sauggeschäftes einen Stoff in die Wunde gelangen lässt, der nicht nur lokale Reizerscheinungen auslöst, sondern auf dem Blutwege zu den vasamotorischen Central- gebieten gelangt und so durch centrale Reizung die allgemeine Urticaria und Störungen in dem ganzen Vagusgebiet bedingt. Ob die hochgra- dige Angst durch Reizung des Vagusursprungs, oder anderweitig zu Stande kommt, will ich zu- nächst dahingestellt sein lassen. Da, wie wir oben gesehen haben, normale Menschen kaum nennenswerth afficirt werden, so muss bei unserem Patienten eine besondere Reizbarkeit der be- treffenden centralen Territorien, sowie des ganzen Gefãssapparates angenommen werden. Von dem Bestehen des letzterén legt die leicht auszulösende Urticaria factitia deutlichen Beweis ab.
Natürlich erschien es sehr verlockend, auch bei anderen an Urticaria leidenden Individuen die Wirkung des Argasbisses zu probiren; es ge- lang mir, 2 derartige Personen, 2 kräftige junge Männer, für das Experiment zu interessiren.
In dem einen Falle fiel das Resultat negativ aus, in dem anderen trat 4 Stunden nach dem Biss ein nicht gerade sehr hochgradiges, aber
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