260 Thiermedicinische Rundschau ete.
1892. No. 22.
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vielfach gesehen werden; die einfache Erklärung für diese Thatsache liegt wohl in dem Umstande, dass es pei unseren Patienten keine Potatoren gibt. Pie Zeit- dauer, die verfliesst bis zur Frreichung des Zieles, ist eine verschiedene bei den einzelnen Individuen; in der Regel ist die allgemeine Narkose nach 6—8 Minuten da, zuweilen erst in doppelt so viel oder noch längerer Zeit. her Umstand, dass das Thier durch das Maul athmet, Sowie die Qualität des Chloroforms können hier mitwirken. Ebenso ist die Dosis des zur Verwendung kommenden Präparates Verschieden, meistens genügen 30— 50 g, manchmal bedarf es deren 100 und mehr. Die erste Varkose ist in der Regel eine wenig lang anhaltende, sie kann durch Aufträufeln von Chloroform, was am besten mit einer abschliessbaren Tropfflasche geschieht, nach Willkür verlängert werden. Das Erwachen gibt sich da- durch zu erkennen, dass plötzlich Lidöffnung erfolgt und pei Schnittführungen, besonders wenn sie die Haut be- treffen, wieder Reaction eintritt. Ich habe vielfach com- plete Farkosen pbei intensiveren Pingriffen über zwei Stunden unterhalten. Es wird auch narkotisirt, wo Operationen an sich nicht schmerzhaft sind, weil die Sicherheit der Ausführung sehr häufig schon durch das Bestreben, sich der Fesseln zu entledigen, oder durch anhaltende Muskelcontraction gefährdet wird Mit Bezug aut letzteren Punkt sei speziell daran erinnert, dass die, die Castration des Hengstes unter Umständen sehr er- schwerende Contractien der Kremaster ausfällt. Man thut gut, die Chloroformmaske etwas vor Beendigung einer Operation zu entfernen und das Pferd So lange am Boden ſiegen zu lassen, bis es den Willen zeigt, sich zu er- heben. Schwankender Gang bleibt noch einige Zeit zu- rück, weitere Folgezustünde, wie Fehlen des Appetit zeigen sich nie. Wenn nach der Narkose Respirations- katarrhe sich entwickeln, so beruht dies darauf, dass Chloroform fehlerhafterweise in die Nasenhöhle gelangte. In allen beobachteten Fällen ist nie Tod eingetreten, nie hat sich die Spur eines nachtheiligen Folgezustandes, der auf Chloroformwirkung hätte zurickgeführt werden können, gezeigt. Dieses günstige Verhältniss ist eines- theils wohl darauf zurückzuführen, dass die den Chloro- formtod beim Menschen bedingenden Herzfehler beim Pferd kaum gekannt sind, anderntheils pei letzterem der Alkoholgenuss keine Rolle Spielt. Immerhin wird jeder Applikation der Narkose die Untersuchung des Circulations- apparates vorausgehend und während des Verlaufes der- selben eine wiederholte Pulscontrole geöbt werden müssen. Es ist daher gegenüber dem Umstande, dass die all- gemeine Narkose in der Veterinärchirurgie nur sehr aus- nahmsweise zur Anwendung gelangt, der Sat? aufzustellen: Wenn wir pei einigermassen bedeutsamen chirurgischen Verletzungen und Operationen mit Sicherheit eingreifen, eine wirksame Antisepsis ermöglichen und die humane Pflicht der Schmerzlinderung bei unseren Patienten er- füllen wollen, so muss die Application der Chloroform- narkose Allgemeingut sämmtlicher Thierärzte werden. (Monatsschrift der Thierärzte in Oesterreich.
— Pin neues Mäusegift. Zur practischen Verwerthung empfiehlt Loeffler die ihm gelungene Entdeckung des Mäusetyphusbacillus. Um seinen Fund practisch zu ver: werthen, impfte derselbe Keinculturen des Bacillus Thyphi Murium zwei Feldmäusen ein, welche bekanntlich sowohl gegen den Bacillus der Mäuseseptikämie als auch gegen Rotzbacillen immun sind. Beide verendeten innerhalb 2 und 4 Tagen. Die Kadaver dieser PThiere wurden nun in Behälter geworfen, welche von gesunden Feldmäusen bewohnt waren, welche letztere sich gewohnheitsmässig daran machten, die Cadaver zu benagen und diesen Ge- nuss sümmtlich mit dem Leben büssen mussten. L. hält eine wirksame Bekämpfung der zahllosen und hochgradig gefrässigen Feldmäuse mittelst des Bacillus Thyphi Murium auch dann noch für leicht durchführbar, wenn die Feldmäuse nicht, wie sie dies in Gefangenschaft
thun, ihre kranken, bzw. todten Genossen auffressen. Man kann nämlich mit Leichtigkeit beliebige Quantitäten Culturflüssigkeit herstellen, mit dieser Brot oder Sämereien imprägniren und auf den von Feldmäusen heimgesuchten Feſdern ausstreuen, zumal andere Thiere— L. unter- suchte in dieser Richtung Katzen, Ratten, Singvögel, Tauben, Hühner, Meerschweinchen, Kaninchen, Schweine — vom' Digestionstractus aus nicht inficirt worden sind.
— VUepber ein einfaches Mittel zur Beseitigung der die Müstung weiblicher Thiere störenden Brunst be- richtet Dr. v. Leczinsky in der„Landw. PThierzucht“. „Ein recht störender Uebelstand bei der Mästung weib- ſicher Thiere ist die Brunst, welche alsdann noch hefti- ger, als unter gewöhnlichen Umständen aufzutreten pflegt. Namentlich bei Schweinen wird dies wohl jeder Land- wirth in Erfahrung gebracht haben. Es giebt nun ein sehr einfaches Mittel, um diesem Uebel abzuhelfen. Wenn sich bei einer Mastsau die Brunst zu erkennen giebt, dann werden derselben etwa 5 glatte, runde und einge- ölte Rehposten in die Scheide gebracht und zwar 80 weit, als der Finger reichen kann, um das Herausfallen zu verhüten. Pamit ist die ganze Operation erledist und garantire ich meinen Fachgenossen, dass die Sau sich von nun an regelmässig mästen und vicht mehr brünstig werden wird.
Pieses Mittel habe ich vielfach erprobt und stets mit gutem Erfolge. Nach dem Abschlachten waren die Reh- posten in einigen Fällen vorhanden, in anderen nicht mehr zu finden. Die Brunst aber hat sich niemals wieder- holt. Dasselbe Mittel soll auch bei güsten Kühen die er- wünschte Wirkung hervorbringen. Selbstverständlich müssen hier mehr voluminöse Gegenstände in die Scheide gebracht werden. Hierzu eignen sich einige Karabiner- kugeln, oder am besten einige Glaskugeln, welche zu Kinderspielen dienen. Bei Verwendung derselben kann keinerlei Verletzung der Schleimhäute vorkommen.“
(V. f. Schl.)
(Die Verantwortung für dieses„Mittel“ müssen wir dem Herrn Dr. v. L. überlassen, da es sich in Wirklich- keit schwer anwenden lassen wird. D. H.)
— Ueber Dermatol. Von Professor L. Hoffmann. (Repertorium 1892 V) Heinz und Liebrecht haben zuerst über das Präparat berichtet und dasselbe als „Ersatz für Jodoform“ einzuführen versucht. Pas- gelbe ist aus der chemischen Fabrik„Farbwerke“ vorm. Meister, Lucius& Brüning in Höchst a. M., ein in geeig- nete Form gebrachtes„basisch gallussaures Wis⸗ mut“.„Es stellt ein safrangelbes, äusserst feines, nicht hygroskopisches, luft- und ſichtbeständiges Pulver dar. Pein Jodoform im Ausschen sehr ähnlich, aber voll kommen geruchlos. Es wirkt als kräftiges Trockenanti- septikum. Da es in äen gewöhnlichen Lösungsmitteln unlöslich ist, so kommen seine antibakteriellen Eigen- schaften nur' bei direkter Berührung, z. B. bei inniger Vermengung mit dem Nährsubstrat zur Geltung. Die hervorragende austrocknende Wirkung des Mittels hemmt pei Anwendung am menschlichen Körper das Bak- terienwachstbum durch„Verschlechterung des Nähr- podens“. Das DPermatol reizt absolut nicht die Wunden und kann wegen seiner absoluten Umlöslichkeit auch niemals toxisch wirken. Am besten hat sich das Der- matol bis jetzt bewährt in der Chirurgie. Es beseitigt etwaige Reizerscheinungen, set?t die Sekretion erheblich herab und befördert die Granulationsbildung. Es be- schleunigt daher die Wundheilung, während nur ein ge- ringer Verbrauch von Material stattfindet. Die aus- trocknende Wirkung bewährt es auch besonders bei Ver- brennungen höheren Grades, bei Ekzemen, Ulcerationen und Otorrhoe. Seiner Ungiftigkeit wegen kann das Mittel pis zu zwei Gramm beimn Menschen gegeben werden. Ferner haben das Dermatol untersucht Gläser und Fritsch. Es ist namentlich durch ersteren festgestellt, dass auf das Dermatol sich ausgedehnte Hautdefekte und


