15. Augnst.
Thiermedicinische Rundschau ete. 261
nässende Stellen sehr rasch bedecken mit einem festen Schorf, unter dem die Wunde ohne weitere Sekretion heilte. Von einer Reizung der Umgebung war nichts zu sehen. Bei älteren Wunden mit ausgedehnter Ge- websnekrose war der Erfolg geradezu„verblüffend“. Es tritt eine so rapide Verkleinerung der Wunde ein, wie sie G. bei keinem andern Mittel beobachtet hat. Auch bei frischen Wunden war die Wirkung des Prä- parates so ausgezeichnet, dass dasselbe gar nicht genug empfohlen werden kann. Ferner wurde es mit Vortheil angewandt bei jauchigen Carzinomen, intrauterin ete. Bei frischen Wunden Kommt es bei der Anwendung des Mittels, infolge der geringen Sekretion, leicht zu Ver- klebung der Verbandstoffe, weshalb G. zuvor etwas Silk über die Wundfläche legt. G. kommt zum Schlusse zu folgenden Sätzen: 1) Das Dermatol ist völlig ungiftig, 2) absolut reizlos, 3) wirkt antiseptisch, 4) besitzt her- vorragende austrocknende Wirkung, 5) ist ein ausge- zeichnetes Wundheilmittel, 6) ist durchaus handlich, völlig geruchlos, haltbar, luft- und lichtbeständig, sowie dampfdestillirbar.
In der hiesigen Klinik wurde das Dermatol ein- gehender Prüfung unterzogen und es können die im Vor- stehenden genanuten Angaben im wesentlichen bestätigt werden. Was namentlich das Dermatol sehr empfiehlt, ist die rasche austrocknende Wirkung bei alten, nässen- den Wundflächen, wie z. B. Mauke, Ekzemen und Haut- eiterungen. Das Dermatol leistet in diesen passenden Fällen schon auf dünne Bepuderung der Wundfläche wirklich ausgezeichnetes. Es ist beobachtet worden, dass die genannten Hautdefecte: also Sattel- und Ge- schirrdrücke, Mauken, nässende Hautfläahen, Fiterungen, namentlich wenn dieselben nur oberflächliche Schäden darstellen, ganz besonders dann auf Dermatol rasch trocknen und mit Epithel überzogen werden, wenn zu- vor eine gründliche Reinigung erfolgte und die Haare sehr kurz abscheert, besser noch rasirt wurden. Wenn auf eine solche reine Fläche die Aufstäubung des Der- matols mit feinem Haarpinsel und nachheriges Bedecken der Wunde mit Torfmull oder Watte erfolgt und ein leichter Verband angelegt wird, der täglich gewechselt wird, so treten überraschend schnelle Heilungen ein.
(Repertorium.)
— Fine merkwürdige Heilung von Trichinose hat hat Merril mit Arsenik erzielt. Er gab in einem Fall hochgradiger Trichinose Solutio Fowleri fünf Propfen mit täglicher Steigerung um drei Tropfen. Der Patient besserte sich sehr bald auffallend und wurde vollständig hergestellt. Merril will aus diesem einzigen Falle keine Folgerungen für die Heilwirkung des Arseniks bei Trichi- nose ziehen, macht jedoch aufmerksam, dass seine Action in diesem Falle so ausgesprochen war, dass es des fer- neren Versuchs für werth gehalten werden darf. Es hat sicherlich eine keimtödtende Wirkung; es deffundirt mit Leichtigkeit durch den ganzen Körper, erhöht die Circu- lation in den Capillaren und verursacht eine regressive Metamorphose gewisser Zellen. Es ist möglich, dass es
durch eine Combination dieser Wirkungen deletär auf
den Parasiten einwirkt. (Rundschau f. Pharmacie, Chemie etc.)
— Uebertragung der Maul- und Klauenseuche durch Magermilch Die unter den Schweinen auf 2 Höfen in der Nähe Helmstedts(Braunschweig) ausgebrochene Maul- u. Klauenseuche führt Thierarzt Schrader, Melmstedt, auf die Verfätterung von Magermilch zurück von einer Meierei, die in einer anderen Gegend lag. Fin sonstiger Seuchen- herd hatte nicht gefunden werden können. Von den in- ficirten Schweinen wurde die Seuche auf das Rindvich weéiter übertragen. Da verschiedene derartige Beobach- tungen vorliegen, sollte streng auf den Ausschluss ver- seuchter Gehöfte von der Milchlieferung an Sammel- wolkereien gehalten und beim Auftreten der Seuche in
der betreffenden Gegend die von den Molkereien zurück- genommene Magermilch vor der Verwendung sorgfältig gekocht werden.
(„Arch. f. anim. Nahrungsmittelkunde.“)
— Mittel gegen das Wachsen der Hörner. In Amerika hat sich das Enthornen des Rindviehs sehr verbreitet, und zwar in Folge der Verhältnisse, welche häufiger ein gegenseitiges Verwunden der Thiere durch Stossen veranlassen. Es wird von dort über ein neues Verfahren berichtet, um das Wachsen des Horns zu ver- hindern. Die Operation besteht darin, dass bei den Kälbern, sobald der kleine Hornknopf anfängt hervorzu- wachsen, etwa 3 bis 14 Tage nach der Geburt, dieser mit Aetzkali solange behandelt wird, bis die Hornhaut weich und roth wird und sich abzuschälen beginnt. Wenn das eingetreten ist, ist die Operation als beendet anzu- sehen und braucht selten zum zweiten Male wiederholt zu werden. Zur Ausführung des Verfahrens wird das Aetzkali in ein kleines Rohr in der Stärke eines ge- wöhnlichen Bleistiftes gefüllt und von hier aus auf das Horn übertragen. Vorher werden die Haare rund um das Horn abgeschnitten und dann dieses mit Wasser ange- feuchtet. Selbstverständlich muss aber dabei zur Hint- anhaltung von Anätzungen die Vorsicht angewendet werden, dass kein Wasser über den Kopf des Thieres läuft, weil sonst das Aetzkali dem Wasserlauf folgen und dem Kalb unnöthige Pein verursachen würde.
Tagesgeschichte.
— Das Programm der 65. Naturforscher-Ver- sammlung, die vom 12.— 16. September in Nürnberg stattfinden wird, ist ganz ausserordentlich reichhaltig und vielverheissend. Für die allgemeinen Sitzungen sind im Ganzen acht Vorträge in Aussicht genommen, und zwar werden sprechen am 12. September die Herren His (Leipzig): Ueber den Aufbau unseres Nervensystems; Pfeffer(Leipzig): Ueber Sensibilität der Pflanzen; Hensen(Kiel): Mittheilungen einiger Ergebnisse der Planktonexpedition der Humboldtstiftung; am 14. Sep- tember v. Helmholtz: Ueber dauernde Bewegungs- formen und scheinbare Substanzen; Strümpell(Er- langen): Ueber die Alcoholfrage; Ziegler(Freiburg): Ueber das Wesen und die Bedeutung der Entzündung; am 16. September Günther(München): Die vulkani- schen Erscheinungen, nach der physikalischen und geo- graphischen Seite betrachtet; Hueppe(Prag): Ueber die Aetiologie der Infektionskrankheiten und ihre Be- zichungen zur Entwickelung des Kausalproblems. Am 13. und 15. September finden Abtheilungssitzungen statt, deren Programm ebenfalls bereits eine reiche Zahl von glänzenden Namen aufweisen(freilich recht oft mit dem ominösen„Thema vorbehalten“); an Festlichkeiten und Ausflügen sind vorgesehen, ausser dem Begrüssungs- abend im Museum, am 12. Abends Gartenfest der Stadt, am 13. Nachmittags verschiedene Excursionen, u. A. nach der Universität Erlangen, Abends Zusammenkunft im Museum, am 14. Festmahl, am 15. Ball, am 16. Ver- einigung im Park der Rosenaugesellschaft, am 17. end- lich Ausflug nach Rothenburg, wo das bekannte Fest- spiel„Der Meistertrunk“ zur Aufführung gelangt.
Wer an der Versammlung Theil nimmt, entrichtet einen Beitrag von 12 Mark, wofür er Festkarte, Ab- zeichen und die für die Versammlung bestimmten Druck- sachen erhält. Mit der Lösung der Festkarte erhält der PTheilnehmer Anspruch auf Lösung von Damenkarten, zum Preise von je 6 Mark. Zum Zwecke der Legitima- tion ist es nothwendig, die Karte stets bei sich zu tragen. An den Berathungen und Beschlussfassungen über Ge- sellschaftsangelegenheiten können sich nur Gesellschafts- mitglieder betheiligen, welche ausser dem Theilnehmer- beitrag noch einen Jahresbeitrag von 5 Mark zu ent-
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