54 Thiermedieinsche Rundschau ete.

ohne im Geringsten sauer zu werden, schon einige Stunden nach dem Melken käseartig ge- rinnt und zwar durch ein labähnlich wirkendes Ferment, welches von Buttersäurebacterien aus- geschieden wird. Ich habe erst kürzlich eine solche Milch aus einem hiesigen Milchladen unter den Händen gehabt.

3. Bei Anwesenheit gewisser Bacterien erfolgt die Zersetzung der Milch unter lebhafter Gas- entwickelung, besonders bei Körperwärme.

Fine mit Heustaub oder mit Kuhexerementen stärker verunreinigte Mileh erweist sich besonders als„blähende“ Milch. Vor Kurzem habe ich mitgetheilt, dass die Milch durch blosses Auf- kochen in der Art ihrer Gährung verschlechtert wird, indem die Milchsäuregährung unterdrückt, die Buttersäuregährung aber begünstigt wird; nach einer kürzlich gemachten Beobachtung wird die Milch durch solches Aufkochen auch noch in anderer Bezichung verschlechtert; eine Milch, die ungckocht ohne Gasentwickelung sauer wurde, gerann, nachdem sie aufgekocht wurde, unter starker Gasentwickelung; wohl indem die gas- entwickelnden Bacterien, welche hitzebeständiger sind, die anderen nun abgeschwächten Arten überwucherten. Daraus darf man wohl die Schlussfolgerung ziehen, dass z. B. bei der Er- nährung Kranker, bei welcher man eine blähende Milch ausschliessen will, ungekochte oder sterili- sirte, nicht aber einfach aufgekochte Milch ver- wendet werden soll.

Wenn ich nun geeignete Schutzmassregeln gegen die Schädlichkeiten, welche aus der Verun- reinigung der Milch erwachsen können, bezeichnen soll, so möchte ich solche vorerst nur für die- jenigen Fälle empfehlen, wo eine besondere Für- sorge am Platze ist, also soweit die Ernährung von Säuglingen und Kranken in Betracht kommt. Diese Massregeln sind folgende:

1. Die Anstalten, welche Milch von höherem diäetischen Werthe zu produciren berufen sind, die sogenannten Milcheuranstalten, sind in einer anderen als der bisherigen Weise zu controliren. Der Art der Fütterung soll ein weiterer Spielraum gelassen werden; dafür ist aber der Reinlichkeits- controle eine viel höhere Aufmerksamkeit zu schenken; die Milch soll regelmässig nicht nur auf den Gehalt an Trockensubstanz und Fett, sondern auch auf den Gehalt an Milchschmutz nach der Methode von Prof. Renk in Halle und ausserdem auf ihre Leichtsterilisirbarkeit nach der von mir vorgeschlagenen Methode untersucht werden.

2. Milch für Säuglinge soll immer nur im sterilisirten Zustande verabreicht werden und zwar

sterilisirt in Flaschen, welche je eine Trinkportion erhalten und die Sterilerhaltung der Milch bis unmittelbar vor der Verbreichung gestatten.

Bericht über den internationalen Congress für Hygiene und Demographie, welcher am 10. bis I7. August cr. in London abgehalten wurde. (Nach einem Bericht im Journal der Comperative patho- logie und Therapeuties 1891).

Die III. Section unter dem Vorsitze von Sir Nigel Kingscote behandelte die Beziehungen der Krankheiten der Thiere zu denen der Menschen.

Am 11. August er. wurde über die Ver- breitung und Vorbeugung der Tollwuth nach einem Vortrage des Dr. Roux vom Pasteur'schen Institut und Dr. G. Fleming discutirt. Hierbei wurde einerseits die Pasteur'sche Impfung als Praeventivmittel lobend erwähnt, andererseits wurde von verschiedenen anderen Theilnehmern der Maulkorbzwang als das beste Mittel em- pfohlen.

Hiernach sprach Dr. Railliet(Alfort) über die von den Thieren auf den Menschen übertrag- baren Parasiten. Er verbreitete sich über sämmt- liche beim Menschen und den Thieren vorkom- mende pflanzliche und thierische Parasiten, die theils dem Menschen und den Thieren gemeinsam sind, theils von beiden aus einer und derselben Quelle bezogen werden, oder von den Thieren auf den Menschen, resp. von dem letzteren auf die ersteren übergehen; er behandelte die ver- schiedenen Arten der Uebertragung und sprach über die Art der Prophylaxis. Diese besteht bei den äusserlichen Parasiten darin, dass der Ver- kehr mit Thieren, die mit übertragbaren Para- siten behaftet sind, von Seiten des Menschen möglichst eingeschränkt wird und dass diese Parasiten überall, wo sie angetroffen werden, zu vernichten sind. Um eine Uebertragung der innerlichen Parasiten zu vermeiden, ist Futter und Getränk genau zu untersuchen und eventuell zu reinigen auf verschiedene Art und Weise. Ausserdem sind bestimmte sanitäre Massregeln zu ergreifen.

Hiernach sprach Dr. Blanchard(Paris) über die nicht mikrobischen pflanzlichen Parasiten, die von den Thieren auf den Menschen resp. um- gekehrt übertragbar sind. Professor Brown be- handelte den Mutualismus, Commensalismus und Parasitismus und gab eine Lebensgeschichte der Trematoden, Nematoden und Cestoden. Professor Perroncito(Turin) führte zwei Fälle von An- steckung der Actinomicose von der Haut aus anf den Menschen an.

Dr. Edward Ballard hatte eine Abhandlung üper Fleischvergiftung eingeschickt und darin