1. December.
verlangt, dass zum Schutze gegen Fleischvergiftung das Fſeisch gründlich gekocht wird, dass die Aufbewahrungsplätze für Fleisch im höchsten Grade sauber gehalten werden müssen und dass zu ihnen nur gesunde Luft gelangen darf. In In der Discussion wurde auf die Gefahr auf- merksam gemacht, die durch das Fleisch und die Milch tuberkulöser Kühe entsteht, es wurden die Ptomaine besprochen und die Errichtung öffent- licher Schlachthäuser dringend gefordert.
Dr. H. Klein sprach über ansteckende Euter- krankheiten der Kühe und ihre Bezichung zu epidemischen Krankheiten des Menschen. Er ist der Ansicht, dass die Thiere an Scharlach und Diphtherie erkranken und diese Krankheit in der Milch auf den Menschen übertragen können. Diese Anschunng fand jedoch in der Versamm- lung keine Anerkennung, sondern es wurde an- genommen, dass eine Verwechselung mit Kuh- pocken oder Aphthen von Seiten Klein's vor- gelegen hätte.
Ueber Milchversorgung und Krankheit sprach am folgenden Tage Dr. Ostertag(Stuttgart). Ostertag verlangt den Ausschluss der Colostral-, blauen, rothen, gelben, bitteren, salzigen und schmutzigen Milch. Auch Milch, die von Thieren kommt, welche mit giftigem Futter ernährt oder gewisse Arzneien erhalten haben, sowie die Milch von Thieren, die an Tuberculose, Milzbrand, Pocken. Aphthen oder einem ulcerösen oder ichorrhösen Process leiden, ist zu verwerfen.
Dr. Vacher behandelte das Thema„Fleisch- beschau“. Er verlangte die Errichtung öffent- licher Schlachthäuser und die Untersuchung des Fleisches durch angestellte Fleischbeschauer. In einer gemeinschaftlichen Sitzung der Sectionen II und III wurde über Tuberculose gesprochen. Sanderson leitete die Verhandſung ein und ging die Gefahren durch, welche für den Menschen aus der Infection von Seiten des Darmes ent- stehen könnten. Darauf sprach Dr. B. Bang über die Gefahren, welche aus dem Genuss von anscheinend gesundem Fleisch und Milch von tubereulösen Thieren entstehen können. Fest- gestellt sei, dass die Hauptquelle der Tuberculose für den Menschen im Menschen selbst liege, dass aber auch durch Genuss von Milch und Fleisch, die von tuberculösen Thieren stammen, die Krankheit übertragen werden kann. Ueber die Grösse dieser Gefahr herrsche keine Einmüthigkeit. Nicht nur die Milch, sondern auch die Produete der Milch enthalten Tuberkelbacillen. Die Euter- tuberculose wurde im Schlachthause in Kopen- hagen bei 1 Procent der tuberculösen Kühe ge- funden. Das Fleisch enthält selten Tuberkeln. und es ist daher eine zu strenge Massregel, alle tuberculösen Thiere zu confisciren. So lange die
Thiermedicinische Rundschau ete. 55
Tuberculose localisirt ist, bilde der Genuss des Fleisches keine Gefahr. In der Discussion trat Professor Arloing für die Confiscation des Fleisches eines jeden tuberculösen PThieres ein.
Fadyean und Woodhead behandelten eben- falls die Uebertragbarkeit der Tuberculose von den Thieren durch Fleisch- und Milchgenuss. Sie halten die Gefahr der Uebertragung durch Milchgenuss für grösser, wie die durch Fleisch- genuss.
Perroncito's Vortrag handelte über In- fectionskrankheiten, die von den Thieren auf den Menschen, oder vom Menschen auf die Thiere übertragbar sind. Es kam hierbei eine Kränkheit in Betracht, die durch den„proteus virulentissimus“ verursacht wird und ferner die Actinomycose.
Chauve au sprach über Anthrax und seine Bezichungen zu den Arbeitern der verschiedenen Gewerbe.
Ueber den gleichen Gegenstand handelte eine Arbeit des Professor Duguid. Der letzte Gegen- stand der oben erwähnten Abtheilung war der Vortrag Smith's über Veterinär-Hygyene. E. B.
Die Gefahren der Kuhmilch unmittelbar nach der Geburt. Von Walley.(Journal of comperative pathology and Therapeuties 1891. S. 247— 249).
Gelegentlich des letzten internationalen Con- gresses für Hygiene in London wurde von Oster- tag, Armstrong u. A. die überall vertretene
Auffassung wiedergegeben, dass die Colostrummilch
ekelerregend ist und besonders bei Kindern auch
schädlich werden kann. Alle Autoren, welche sich mit dieser Frage beschäftigt haben, sind naturgemäss zu gleichem Ergebniss gekommen.
Der Verf. ist nun bezüglich der ekelerregenden
Eigenschaft dieser Milch der Ansicht, dass die
Gewohnheit in den einzelnen Ländern dabei ent-
scheidend ist. So wird in einzelnen Gegenden
Englands die Colostrummilch für Herstellung der
Sahne mitverwendet, während in anderen Ländern,
z. B. in Schottland, eine solche Ausnützung ganz
unstatthaft ist.(Auch in Deutschland ist bekannt.
dass viele Bäcker und Conditoren diese Milch gelegentlich verwenden. Ref.. Walley ist aber auch der Ansicht, dass mindestens zwei Wochen nach der Geburt die Milch nicht in den freien
Verkehr kommen soll. In dieser Zeit können
eine Reihe von Krankheiten, die mit der Geburt
in Beziehung stehen(Metritis, Eclampsie, Gehirn- congestion u. s. w.) und auf die Milch schädlichen
Finfluss ausüben, stattfinden. Dass die Colostrum-
milch bei Kindern gelegentlich Magen- und Parm-
catarrhe hervorrufen kann, hebt auch W. hervor. indem er gleichzeitig die auch in Deutschland pekannte Erfahrung betont, dass solche Nach- theile nur deshalb weniger beobachtet werden,
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