46 Thiermedieinsche Rundschau etec. 189
Gebrauche des Apparates Beschädigungen der Bolzenschneide selten vorkommen. Ebensowenig wird es als ein Uebel- stand empfunden, dass der Bolzen nicht sofort nach ge- schehenem Schlage aus dem zertrümmerten Gehirn zurück- schnellt. Jene Entfernung wird jetzt durch einen kurzen Stoss bewirkt.
Der Apparat hat sich seit beinahe einem Jahre im Gebrauche vorzüglich bewährt.
Die gleiche Einrichtung, welche beim Schweine- petäubungsapparat zur Verbindung des Bolzens mit dem Cylinder getroffen ist, haben wir auch auf die Rinder- masken übertragen.
Die Verbindung des Bolzens mit dem Cylinder bietet auch bei der Rinderschlachtmaske grosse Vortheile. Bei früheren Einrichtung, wo der Bolzen mit der Maske nur durch einen Riemen oder Kette verbunden war, kam es bei den leider nicht ausbleibenden Fehlschlägen vor, dass der Riemen oder die Kette zerriss und der Bolzen unter Ge- fährdung der anwesenden Personen durch den Schlacht- raum geschleudert wurde. Das Herausschnellen des Bolzens aus der Cylinderöffnung wirkte auch in den Fällen sehr störend, in denen die Verbindung zwischen Bolzen und Maske nicht gestört wurde, d. h der Riemen oder die Kette nicht zerriss, weil die Einführung des Bolzens in die Cylinderöffnung eine gewisse Zeit erforderte, in der das Schlagen unterbleiben musste.
Durch die Verbindung des Bolzens mit dem Cylinder ist daher, sobald die Maske vorschriftsmässig sitzt, die stete Schlagefertigkeit erreicht und bei Fehlschlägen die Gefährdung von Personen und Eigenthum beseitigt worden.
— Gegen Warzen soll sich nach der Pharm. Ztg. eine Lösung von 1 Salicylsäure in 8 Collodium und 1Milch- säure bewährt haben Pinselt man diese mindestens zwei Mal täglich auf, so werden die Warzen schon nach kurzer Zeit spröde und können mit Leichtigkeit weggeschabt werden.
— Ueber Verhütung des Ungeziefers in Geflügel- ställen findet sich in den Blättern für Landwirthschaft folgende Mittheilung:
Das Princip gipfelt in der erlangten Unnahbarkeit des Ungeziefers. Die Stangenträger können in einfachster Weise in jeder Stelluug angebracht werden und zwar in folgen- der Weise: Bügel oder Fuss der Träger werden in gleicher Höhe vom Boden an die Wände ſestgenagelt oder festge- schraubt, die Sitzstangen werden so angepasst, dass sie mit einem Einschnitt an jedem Ende auf den Deckeln der Oelnäpfe ruhen können, ohne die Stallwände zu berühren. Die Näpfe sind halb mit gewöhnlichem Oel gefüllt, welch' letzteres je nach ersichtlichem Bedürfniss im Laufe des Jahres ein- bis zweimal erneuert werden kann. Das Unge- ziefer, welches durch diese Vorrichtung bekämpft wird, ist die blutsaugende Vogelmilbe(Permanyssus avium), der schädlichste Schmarotzer des Hühnervolkes, und ist die Construction der Stangenträger auf die instinktmässigen täglichen Wanderungen dieser Milben berechnet. Die Milbe lebt nicht immer auf dem Geflüge!, sondern schleicht sich des Nachts um Nahrung zu finden, schaarenweise auf dasselbe, während sie sich bei Tage in dem Geflügelhaus verbirgt und sich in den Spalten und Rissen nach Myriaden vermehrt. Die Sitzstangen sind, wenn sie auf oben ge- nannter Vorrichtung ruhen, vollständig von den Wänden isolirt. Will nun das Ungeziefer auf dem allein ver- bleibenden Weg über die Stangenträger an das Geflügel heran, so wird Ersteres durch den verdeckten, um die Trommel herumlaufenden Oelkanal am Zutritt verhindert, ist der natürlichen Nahrung beraubt und stirbt binnen wenigen Tagen aus. Die Anbringung dieses praktischen Gegenstandes wird überall, wo man auf Stangen sitzendes Geflügel hält, auf das Wärmste empfohlen, seien es Hühner, Tauben, Truten oder Pfaue und dergl., denn so mancher Geflügelliebhaber hat sich schon vergeblich abgesorgt, wie
er seine Lieblinge vor diesen blautsaugenden Schmarotzern schützen soll. Dass überhandnehmendes Ungeziefer das Geflügel entkräftet, in der Legfähigkeit beeinträchtigt und Keime zu Erkrankungen legt, bedarf keiner Betonung. Aber die Einrichtung ist nicht nur eine das körperliche Wohlbefinden wesentlich fördernde, sondern sie lässt, da man die in die Eisenbolzen eingelegten Sitzstangen nach Belieben herausnehmen kann, die Reinhaltung und die freie Passage im Hühnerhaus aufs bequemste zu, während solche den Ställen einen hübschen Schmuck verleiht. Die Stangenträger werden in dem Geflügelhof des Herrn Julius Graf zu Neckarsteinach bei Heidelberg, dem das Verdienst der Erfindung gebührt, fabricirt, und ist die genannte Firma bereit, Prospecte darüber gratis und franco auf Ver- langen Jedermann vorzulegen. Wir möchten empfehlen, hiervon ausgiebigsten Gebrauch zu machen, insbesondere von Seiten der Geflügel- und Vogelschutzvereine. Die Construction soll eine sehr einfache, praktische und dauerhafte und der Preis ein verhältnissmässig ganz ge- ringer sein.
— Durch den Genuss in Zersetzung begriffener gekochter Krebse sind in Berlin kürzlich mehrere Per- sonen, zum Theil lebensgefährlich, erkrankt. Das kgl. Polizeipräsidium zu Berlin bringt dies unterm 17. August cr. mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniss, dass bei gekochten Krebsen, Krabben und anderen Krustenthieren nach längerem Stehen, und zwar bereits vor dem Auftreten eines Fäulnissgeruches, gesundheitsschädliche Stoffe sich entwickeln können, zumal wenn die Thiere erst nach er- folgtem Absterben gekocht worden sind. Bei derartigen Krebsen pflegt die Schwanzflosse nicht unter den ge- krümmten Hinterleib gezogen zu sein. Vor dem Ankaufe gekochter Krebse wie sonstiger Krustenthiere bei unbe- kannten Personen, z. B. herumziehenden Händlern, wird gewarnt.
Tagesgeschichte.
— In der in Nr. 1 der von Pr. Krücke heraus- gegebenen„Aerztlichen Rundschau“ findet sich folgende Mittheilung:
„Das System der Freibank in städtischen Schlachthäusern, welches sich in München so vor- trefflich bewährt hat, wird auch bei dem neuerbauten, ebenso grossartig als zweckmässig eingerichteten Schlacht- hause zu Nürnberg in Anwendung kommen. In Nord- deutschland dagegen scheint man sich mehr nach dem Vorbild von Berlin richten zu wollen, denn auch die Ver- tretung der Stadt Erfurt hat kürzlich(allerdings gegen die Stimmen der im städtischen Verwaltungskörper sitzenden Aerzte und sonstigen Sachverständigen) die Errichtung einer Freibank abgelehnt. Es ist dies ebensowohl im Interesse der Gesundheitspflege, wie im Interesse der ärmeren Volksklassen sehr zu bedauern, umsomehr als auch durch dieses Verfahren dem unreellen Vorgehen gewinn- süchtiger Metzger Thür und Thor geöffnet wird. Für die- jenigen Leser, welche auf diesem Gebiete weniger orientirt sind, bemerken wir, dass auf der sogenannten Freibank dasjenige Fleisch, welches als nicht direkt gesundheits- schädlich, aber als nicht mehr„bankwürdig“ begutachtet wird, zu sehr mässigem Preise, getrennt von dem übrigen, ſeilgeboten wird. Oft wird nun ein Thier beim Schlachten bloss in den Lungen tuberkulös befunden, während das Fleisch erfahrungsgemäss unschädlich ist. In solchen Fällen wird allsdann in Berlin das ganze Thier mit rigoroser Strenge zurückgewiesen. Da aber die Einfuhr von ein zelnen Stücken Fleisch in die Stadt erlaubt ist, so liegt die Versuchung nahe, dass der Eigenthümer des zurück- gewiesenen geschlachteten Thieres dasselbe nunmehr an


