15. November.
Thiermedicinische Rundschau etc. 45
empfiehlt das Wälzen und rasche Aufspringen zu verhindern, so lange man annehmen kann, dass eine Darmverlagerung noch nicht eingetreten ist. Meint man aber, dass eine Lageveränderung schon vorliegt, so kann man das Wälzen gestatten, da die Möglichkeit einer spontanen Heilung dann vorhanden ist.
(Aus dem Umstande, dass Axendrehungen des Colons durch das wegen des Schmerzes ausge- führte Wälzen der Thiere manchmal ohne Kunst- hülfe reponirt werden, ist wohl auch die alte Erfahrung zu erklären, dass schwer kolikkranke Pferde plötzlich erheblich gebessert vom Boden aufstehen, nachdem sie von erheblichen Schmerzen gepeinigt kurze Zeit vorher sich niedergelegt
und einige Male kräftig sich gewälzt hatten. Ref.) G. Sch.
Praktische und therapeutische Nachrichten.
— Die Anwendung der Bromäthylnarkose empfiehlt Köllicker(Centralbl. für Chirurgie 1891 Nr. 20) auch für die häufigen kleinen chirur- gischen Operationen, wie sie besonders in den Polikliniken vorkommen, als Abscessincisionen, Drüsenausschabungen, Tenotomien, Exstirpationen kleiner Tumoren ete. Die Narkose hält 1 bis 3 Minuten an; als Dosis benützte K. für Kinder 5— 10g, für Erwachsene 10— 15 g auf der Steiner- schen Maske, die, mit Gummiüberzug versehen, applieirt wurde. Die Vorbereitungen geschehen, wie bei der Chloroformnarkose(Untersuchung des Herzens, Entfernung beengender Kleidungs- stücke, Beobachtung des Pulses), und soll der Patient in liegender Stellung zunächst durch Auf- träufelung weniger Tropfen an den Geruch des Mittels gewöhnt werden, worauf nach einigen Seennden das ganze vorgesehene Quantum auf⸗ geschüttet und die Maske möglichst luftdicht auf- gelegt wird. Die Narkose ist eingetreten, wenn der Arm des Patienten emporgehoben, nieder- sinkt; in der Regel nach 50— 60 Sekunden. Unangenehme Erscheinungen hat K. nie beachtet, Nachwehen fehlen.
Kleine Mittheilungen.
— Bezüglich Verbesserungen von Schlachtmethoden macht Schlachthofdirector Kögler(Bericht über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen) folgende Angaben: In den letzten Jahren sind im Schlachthofe zu Chemnitz Versuche mit verschiedenen Schlachtvieh-Betäubungsappa- raten angestellt worden, welche insofern ein günstiges Er- gebniss gehabt haben, als je ein Apparat für Rinder und Schweine gefunden worden ist, welcher zur obligatorischen Benutzung daselbst eingeführt werden konnte.
Der Kleinschmidt'sche Federbolzenapparat besteht bekanntlich aus einem eisernen Cylinder, welcher
mit durchlochten Decken verschlossen ist. Die Löcher in den Decken dienen zur Führung des Schlagbolzens. Die obere Decke bildet mit dem Cylinder ein festes Ganzes, wogegen die untere lösbar und nur durch einen Bajonett- verschluss mit dem Cylinder verbunden ist. Der Raum im Cylinder ist zur Aufnahme einer Pufferfeder bestimmt, welche den Bolzen nach jedem Schlage soweit zurück- schnellt, dass die Schneide des Bolzens mit der Aussen- seite des löslichen Deckels eine ebene Fläche bildet. Das Zurückschnellen des Bolzens hat den zweifachen Zweck, dass erstens der Bolzen ohne weiteren Anlass aus dem zertrümmerten Gehirn entfernt wird, und dass zweitens die Schneide des Bolzens, indem sie sich innerhalb der Wan- dung des lösbaren Deckels befindet, gegen Beschädigungen geschützt ist.
Zum Zurückschnellen des Bolzens in jedem Falle ge- hört eine sehr kräftige Feder, weshalb dem Vortheile des Zurückschnellens der Nachtheil gegenübersteht, dass ausser der Kraft zur Zertrümmerung der Hirnschale eine zweite Kraft zum Zusammenpressen jener Feder und daher beim Gebrauche des Apparates ein wesentlich kräftigerer Schlag als bei einem Apparate ohne Feder erforderlich ist. Durch den Umstand, dass die Pufferfeder im Cylinder völlig ein- geschlossen ist, hat sich durch den Cylinder und den damit verbundenen Bolzen ein ziemlich grosser, 19 ½ em in der Länge messender Hebelarm ergeben. Dieser lange Hebel- arm hat den Nachtheil, dass, wenn der Apparat durch kleine Stösse am unteren auf der Stirnfläche aufsitzenden Theile ins Schwanken gebracht wird, die Schwankungen im oberen Theile, besonders im Bolzenkopfe, dann meistens so bedeutende sind, dass ein sicherer Schlag nicht mehr möglich ist. Beim Gebrauche im hiesigen Schlachthofe war der Kleinschmidt'sche Apparat, trotz seiner ziemlich einfachen Construction, häufigen Beschädigungen aus- gesetat.
Der Wunsch nach einem Apparate mit einem kürzeren Cylinder und einfacherer Beschaffenheit, als der Klein- schmidt'sche, führte zunächst zur Oonstruction eines Appa- rates, bei dem die Pufferfeder frei liegt und der Bajonett- verschluss fehlt. Das Horausschnellen des Bolzens aus dem Cylinder wird durch ein Schräubchen verhindert, welches mittels Schraubengewindes in der Cylinderwand befestigt ist, innerhalb des Cylinders vorsteht und in eine an beiden Enden geschlossene Längsnuthe des Bolzens ein- greift. Trotz des kleineren Hebelarmes und der erreichten Vereinfachung war dieser Apparat nur wenig vortheilhafter als der Kleinschmidt'sche.
Es wurde hierauf beschlossen, einen neuen Apparat mit möglichst kurzem Cylinder und ohne Pufferfeder, jedoch mit derselben Einrichtung, welche das Heraus- springen des Bolzens verhindert, zu construiren.
Während der Herstellung des neuen Apparates wurde uns der vom Fleischermeister Hempel in Gera construirte Apparat vorgelegt. Der Hempel'sche Apparat hat mit dem vom Unterzeichneten construirten Apparat grosse Aehn- lichkeit. Der Unterschied besteht nur in der Gestaltung des Cylinders und in der Art der Anbringung eines Stieles am Cylinder.
Der Apparat besteht aus einem kräftigen von schmied- barem Guss hergestellten Cylinder mit einem zur Aufnahme eines Holzstieles bestimmten angegossenen Oechr. Die Cylinderöffnung dient ausschliesslich zur Führung des Bolzens und ist von gleichem Durchmesser als letzterer. Die Verbindung des Bolzens mit dem Cylinder ist dieselbe wie beim Apparat 2, dagegen ist der Cylinder wesentlich kürzer als dort. Ein Schutz der Bolzenschneide gegen Beschädigungen, welcher beim Kleinschmidt'schen Apparate und dem mit 2 bezeichneten durch das Zurückschnellen der Bolzenschneide in die Cylinderöffnung geboten ist, fehlt. Das Fehlen dieser Schutzvorrichtung ist nicht von wesentlicher Bedeutung, da bei einigermassen vorsichtigem
8
————
—
——


