15. November.

Thiermedicinische Rundschau ete. 47

einen stillen Ort bringt und zerstückeln, die éinzelnen Stücke aber unbeanstandet, von einem benachbarten Orte aus in die Stadt einführen und sich natürlich als gesundes bezahlen lässt. In Berlin steht Rixdorf hierfür in be- sonderem Rufe. Es liegt auf der Hand, dass der grosse und theure Apparat der Fleischcontrole im städtischen Schlachthause ganz illusorisch wird. Würde ähnliches in der Türkei vorkommen, so würde man in tugendhafter Entrüstung kaum Worte genug finden. So aber lässt man sich von Scheingründen blenden, unter welchen nament- lich dasminderwerthige Fleisch des armen Mannes eine grosse Rolle spielt.

In wieweit die vorstehenden Angaben für Berlin zu- treffen, sind wir nicht in der Lage beurtheilen zu können. Dagegen ist es sehr gut, dass man sich auch in ärztlichen Kreisen über das Wesen der Freibank unterrichtet. Es sind uns Fälle bekannt, wo grade durch die Unkenntniss über die Bedeutung der Freibank Aerzte z. B. in ihrer Eigenschaft als Stadtverordnete die Einführung dieser für jedes Schlachthaus nothwendigen Einrichtung sehr er- schwert haben.

Kreosot in hohen Gaben gegen Tuberkulose wird neuerdings von dem unermüdlichen Vorkämpfer für die Kreosottherapie Prof. Sommerbrodt empfohlen, welcher behauptet. dass durch die hohen Gaben(mit 1 g anfangend bis 4 g pro die) Kreosot überhaupt erst zum wahren Heil- mittel gegen Tuberkulose wird. Für die zweckmässigst⸗ Form, hält Vf. das Verabreichen des Kreosots in Kapseln mit Ol. Jecoris oder Olivar. Wo diese nicht vertragen würden oder zu kostspielig wären, da empfiehlt er Kresot 1 mit 2 Tra. Gentian. zu mischen und davon 20 80 Tropfen mit reichlichen Mengen Wasser oder Ungarwein zu verab- reichen. Eine schädliche, bzw. unangenehme Wirkung des Kreosots auf den Magen bestreitet Verf. ganz entschieden, giebt jedoch zu, dass sich in den ersten Wochen der Be- handlung ein Aufstossen bemerklich macht, welches später jedoch ganz aufhört.

La Société centrale de médécine vétérinaire hat in der Sitzung vom 28. November 1890 zweitausend Franken für die besten Arbeiten auf dem Gebiete der thier- ärztlichen Pathologie, Hygiene, Therapie etc. ausgesetzt mit dem Vorbehalt, dass der Preis entweder im Ganzen oder auf verschiedene Arbeiten vertheilt, gewährt werden Kann. Jede Arbeit ist mit einem Motto versehen, welches auch zusammen mit dem Namen des Verfassers in einem bei- gefügten Couvert enthalten sein muss, bis zum 1. Januar 1892 an den Secretär des Vereins(rue de Lille 41, Paris) ein- zusenden.

Neben diesem grossen Preise können für Arbeiten, die irgend einen Gegenstand der Thierheilkunde behandeln und bis zum 4. Donnerstag im Juli 1892 an den Verein ein- geschickt werden, Verdienstmedaillen verlichen werden.

Bezüglich der Leitung der Thierarzneischulen kommt Professor Dr. N. Lanzillotti-Buonsanti(Rec. d. med. vétér. 15. September 1891, S. 567) auf Grund der auf einer Reise angestellten Beobachtungen zu der Ansicht, dass ein Director, der auf eine gewisse Reihe von Jahren angestellt ist, einem DPirector, der auf Lebenszeit gewählt ist, vorzuziehen ist. Auch hält er die Theilung in wissen- schaftlichen und Verwaltungsdirector, wie es z. B. von 1847 1870 in Berlin der Fall gewesen war, für schäd- lich. Das Pirectorat einer Thierarzneischule darf nur einer Person übertragen werden, denn fast immer wird sich, falls zwei Pirectoren angestellt sind, der Verwaltungsdirector bemühen, den Professoren seine Ansichten aufzudrängen. Dies wird um so leichter geschehen, wenn der Studien- director schwach und nachlässig ist.

Statistik des thierärztlichen Personals in Bayern. Aus einer Uebersicht des thierärztlichen Per- sonals in Bayern geht hervor, dass in der Zeit von 1872 bis 1891 die Zahl der Civilthierärzte in den 18 Jahren um

53, die der Militärveterinäre um 25 gestiegen ist. Es kann demnach in Bayern weder für jetzt, noch für die nächstes Jahre von einer Ueberfüllung des thierärztlichen Standes gesprochen werden. DPagegen besteht ein erheblichen Ueberschuss an Aspiranten für die amtlichen Stellen, so dass auf 10 Jahre hinaus der Bedarf an Candidaten, welche die bezirksthierärztliche Prüfung bestanden haben, gedeckt ist. Gegenwärtig sind 97 Thierärzte in Bayern, welche die bezirksthierärztliche Prüfung bestanden haben und auf Anstellung warten.

Pen Studirenden der thierärztlichen Hoch- schule in München ist vom königlichen Staatsministerium gestattet worden, sowohl an der Universität, wie auch an der technischen Hochschule in München, ohne besondere Immatriculation, Vorlesungen zu belegen und zu hören. Ein gleiches Verhältniss besteht auch für die Studirenden der Universität und der technischen Hochschule bezüglich des Besuches der Vorlesungen an der thierärztlichen Hoch- schule.

Der ständige Ausschuss des deutschen Land- wirthschaftsraths hat in seiner letzten Sitzung am 15. v. Mts folgende Gegenstände zur Berathung in der Hauptversammlung zu wählen:

1. Herbeiführung einheitlicher Preisnotirungen für Ge- treide und Vieh;(bezüglich des letzteren Punktes: Notirung nach Lebendgewicht).

2. Massnahmen zur Gewinnung einer sicheren und um- fangreichen Kenntniss des Einflusses der verschiedenen käuflichen Futtermittel, ihrer Bestandtheile und bezw. ihrer Fälschungen auf den Gesundheitszustand der Thiere.

3. Massregeln zur Bekämpfung der Viehseuchen, insbe- sondere des Rothlaufs, der Tuberkulose, der Maul- und Klauenseuche; in Verbindung damit: Organisation des Seuchennachrichtendienstes; Versicherung mit Bezug auf bestimmte Seuchen; Frage der Zwangs- vichversicherung.

Pie Selbsteinschätzung der Privatärzte und beamteten Aerzte, welche in gleicher Weise auch die Thierärzte berührt, kam in der letzten Sitzung des ärzt- lichen Vereins in Düsseldorf zur Verhandlung. Man kam zu der Auffassung, dass die Unkosten für Kutscher, Fuhr- werk u. dgl. von dem steuerpflichtigen Einkommen ab- zuzichen sei. Pagegen hob gegenüber anderweitiger Auffassung der anwesende Landtagsabgeordnete und Vor- sitzende des deutschen Aerztebundes, Dr. Graf, aus Elber- feld hervor, dass die den beamteten Aerzten aus ihren Dienst- reisen übrig bleibenden Einkünfte zweifellos der Be- steuerung unterliegen. Aehnlich würde es sich demnach auch mit den gleichen Einkünften der beamteten Thier- ärzte verhalten.

PDie deutsche Pferdebesitzer-Genossenschaft in Berlin beabsichtigte am 1. Oktober die schon längst geplante Fahrschule zu eröffnen. In den Gründen für die Nothwendigkeit einer solchen Schule heisst es:Wir haben eine grosse Anzahl achtbarer, zuverlässiger und sehr guter Kutscher, allein aber auch eine grosse Anzahl solcher, die einen bösen Eindruck wachen. Es fahren eine Menge in den Strassen unserer Städte, welche gar keine Kenntniss von der Verantwortlichkeit haben, die sie übernehmen, wenn ihnen ihr Herr nicht allein die Pferde, sondern auch das Leben der Wagen-Insassen anvertraut. Es ist schon

unsäglich viel Unglück durch die Unvorsichtigkeit und Un-

geschicklichkeit eines Kutschers entstanden, und dies wird sich ändern, wenn in Fahrschulen Pferdepfleger und Kutscher ausgebildet werden. Der Unterricht in diesen Fahrschulen soll nun in leicht fasslicher Weise und vollständiger Form, so dass selbst dem Ungeschultesten das Begreifen leicht wird, ertheilt werden, und alle Gebiete der Pferde- kenntniss, Anatomie, Hufbeschlag, Stall- und Pferdepflege, Wagen- und Geschirrkenntniss,

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