15 November.

Thiermedicinische Rundschau ete. 43

Bevor es angewendet wird, muss es selbs- verständlich noch auf seine Stärke geprüft werden. was in der Weise geschieht, dass eine grössere Reihe von tuberculösen Meerschweinchen ab- gestufte Dosen injicirt erhalten. Wenn man für jede Dosis mindestens zwei Thiere nimmt, und die Dosen genügend abstuft, dann lässt sich die Stärke des Fuberculins mit hinreichender Genauig- keit ermitteln. Bei der Auswahl der Thiere für diesen Versuch ist jedoch wohl darauf zu achten, dass die Tuberculose sich bei ihnen möglichst

in demselben Stadium der Entwickelung befindet. (Deutsche med. Wochenschr. Nr. 43.)

Nachschrift.

Im Anschluss an vorstehende Mittheilung be- richten wir gleichzeitig kurz über den Inhalt einer Arbeit, welche Professor Klebs in Zürich in Nr. 45 der Deutschen medicinischen Wochen- schrift veröffentlicht.

Die Untersuchungen von Professor Klebs er- gaben, dass die schädlichen Substanzen organische Basen(Alkaloide) sind, welche die schädigenden Nebenwirkungen des Rohtuberculins R. Koch's hervorbringen. Der Fällung des PTuberculins durch absoluten Alkohol lässt Klebs weitere Ex- tractionen des gefällten Tuberculins mit Lösungs- mitteln für Alkaloide folgen. Die wirksame Sub- stanz(Albumose), welche er wegen ihrer die Tuberkelbacillen tödtenden Figenschaft Tuberku- locid in nennt, ist aus den Niederschlägen in den meisten Fällen durch Wasser zu extrahiren. Solche in dieser Weise gewonnene Substanzen bestehen aus einer Verbindung der zur Fällung angewendeten Substanz mit Albumose und sind zur therapischen Verwendung geeignet. Sie sind durchaus unschädlich, niemals fiebererregend und führen in kürzester Zeit eine Besserung des Zu- standes von Tuberculösen herbei. Das hektische Fieber und die Nachtschweisse schwinden, der Appetit und das Körpergewicht nehmen zu, der Husten und Auswurf mindern sich auffallend schnell, die Tuberkelbacillen werden körnig und immer kleiner, und endlich verschwinden sie dann gänzlich. Bei einigen 30 in dieser Weise be- handelten Tuberculösen hat sich keine üble Neben- wirkung und Nachwirkung gezeigt.

Infectionskrankheiten.

Ueber das Verhalten von Typhusbacillen, Cho- lerabakterien und Tuberkelbacillen in der

Butter. von Laser. Eeitschr. für Hygiene, Bd. X, Heft 3.)

Abweichend von ähnlichen Versuchen, die vor einigen Jahren Heim ¹) im kaiserlichen Ge- sundheitsamte anstellte, kommt Laser auf Grund

¹) Arbeiten des Kaiserl. Ges.-Amtes, Bd. V.

seiner Versuche zu der Auffassung, dass die Keime des Typhus, der Cholera. der Tuberculose sich in der Butter etwa eine Woche lebensfähig erhalten können, welche Zeit genügt um eine Uebertragung dieser Keime auf den Menschen durch die Butter, als Zwischenträgerin, bewirken zu können. Verf. konnte ferner in 15 untersuchten Butterproben stets Oidium lactis nachweisen und ist der Meinung, dass hierdurch ein wichtiges Merkmal für Unterscheidung der Butter von Kunst- producten gegeben wäre.

Oeffentliche Gesundheitspflege.

Ueber den Verlust, welchen das Rintfleisch an Nährwerth durch das Pökeln erleidet, sowie über die Veränderungen salpeterhaltiger Pökel-

laken. Von Polenske.(Arb. aus d. Kais. Ges.-Amt, Bd. VII.)

Durch Versuche, welche Verf. mit Rindfleisch machte, das 3 Wochen bezw. 3 6 Monate in einer aus 1 ½ kg Kochsalz, 15 g Kalisalpeter und 120 g Zucker in 6 kg. Wasser bestehenden Conservirungsflüssigkeit gelegen hatte, wurde fest- gestellt, dass das Pökelfleisch nicht unerheblich an Nährstoffen einbüsst, indem Fleischsaft aus- tritt und die Lake an deren Stelle. Nach drei- wöchentlichem Pökeln wurden dem Fleische entzogen 7,77 Proc. Stickstoff und 34,72 Proe. Phosphorsäureanhydrid, nach dreimonatlichem Pökeln 10,08 Proc. Stickstoff und 54,46 Proc. Phosphorsäureanhydrid, nach sechsmonatlichem Pökeln 13,78 Proc. Stickstoff und 54,60 Proc. Phosphorsäureanhydrid. Demnach ist Pökelfleisch zweifellos minderwerthig.

Weitere Untersuchungen von Polenske zeigten, dass giftige Umsetzungsproduete in der Lake selbst nicht zu constatiren sind, wenn auch erforderlich ist, nach einiger Zeit die Lake zu erneuern.

Ueber die Wirkung des Centrifugirens auf Bak- teriensuspensionen, besonders auf die Ver- theilung der Bakterien in der Milch. von Scheuerien.(Arb. d. Kais. Ges.-Amtes, Bd. VII.)

Poehl hatte bereits angenommen, dass durch die Wirkung der Centrifugalkraft die Lebens- fähigkeit der Mikroorganismen aufgehoben werde. Bang glaubte dann festgestellt zu haben, dass beim Centrifugiren der grösste Theil der Bacillen in einer tuberkelhaltigen Milch herausgeschleudert werde. Die Bakterien fanden sich in grosser Menge im Bodensatz, während in der abgerahm- ten Milch gar keine oder nur in sehr geringer Menge nachzuweisen waren.

Scheuerlen stellte nun sehr eingehende Untersuchungen an, um die Frage genau zu prüfen, ob die Angaben von Pochl und Bang über die Bedeutung der Centrifugenwirkung für Entfernung der Bakterien richtig sind. Sch.