38 Thiermedicinische Rundschau etc.

1891. No. 4.

daraus auf das Vorhandensein oder Fehlen des wirksamen Stoffes schliessen. Man verfügt damit über ein durchaus zuverlässiges Reagens. welches mich bis jetzt in mehreren hundert Versuchen nicht ein einziges Mal im Stich gelassen hat.

Es sind nun ferner die Erscheinungen, unter welchen das tuberculöse Thier durch das Tuber- eulin getödtet wird, 8so charakteristisch, dass eine Verwechslung mit einer zufällig eingetretenen anderweitigen Todesart nicht zu befürchten ist. Das Thier stirbt je nach dem Grade der bei ihm vorhandenen Tuberculose in 6 30 Stunden. Tritt der Tod früher oder später ein, dann kann er nicht mehr mit Sicherheit auf die Wirkung des Tuberculins bezogen werden; bei meinen Ver- suchen liess sich in allen derartigen Fällen eine andere Todesursache, wie Pneumonie. malignes Oedem oder andere Infectionskrankheiten nach- weisen.

An der Leiche eines durch Tuberculin ge- tödteten tuberculösen Meerschweinchens finden sich folgende Veränderungen. Die Impfstelle des am Bauche subscutan geimpften Thieres zeigt sich beim Zurückschlagen der Bauchdecken durch Ge- fässinjection stark geröthet; oft hat sie eine dunkle, fast violette Färbung; die Injecsionsröthe erstreckt sich mehr oder weniger weit auf die Umgebung. Die der Impfstelle benachbarten Lympfdrüsen sind ebenfalls stark geröthet. Milz und Leber lassen ausser den tuberkulösen Ver- änderungen an ihrer Oberfläche zahlreiche punkt- bis Hanfkorngrosse Flecken erkennen, welche schwärzlichroth gefärbt sind und ganz das Aus- schen von Ekchymosen haben, wie sie bei manchen Infectionskrankheiten gefunden werden. Unter- sucht man diese Stellen mikroskopisch, dann stellt sich heraus, dass es sich nicht um Blutextravasate handelt, sondern um eine enorme Erweiterung der Capillaren in der nächsten Umgebung der tuberculösen Herde. Die Capillaren sind vollge- stopft mit rothen Blutkörperchen, welche so dicht zusammengedrängt liegen, dass es so aussicht, als sei hier der Blutstrom zum vollständigen Stillstand gekommen. Nur ausnahmsweise findet man Zerreissungen der Gefässe und Bluterguss in dass Gewebe. Auch in der Lunge finden sich, aber nicht regelmässig und nicht so in die Augen fallend, ähnliche Verän derungen. Der Dünndarm ist oft ziemlich stark und gleichmässig geröthet. Das, was in diesem Symptomencomplex nie fehlt und geradezu pathognomonisch ist, sind die hämorr- hagieähnlichen Flecke an der Leberoberfläche. Am besten sicht man es bei Thieren mit 4 bis 5 Wochen alter Tuberculose, deren Leber schon von zahlreichen grauen Knötchen durchsetzt ist, aber noch nicht in Folge ausgedehnter Nekrose das bekannte, eigenthümlich gelb und braun mar-

morirte Ausschen angenommen hat. Hat man nur einige Male die hier geschilderten Veränder- ungen gesehen, dann wird man, wie gesagt, wohl niemals im Zweifel darüber bleiben, ob eine

Tuberculinwirkung vorliegt oder nicht.

Meine ersten Versuche zur Isolirung des wirksamen Stoffes aus dem Tuberculin wurden mit Alkohol angestellt.

Mischt man das Tubereulin mit dem fünffachen Vo- lumen absoluten Alkohols, dann scheidet sich eine braune harzartige Masse aus, welche den Boden des Gefässes fest anhaftet. Sowohl die abgeschiedene braune Masse, als die darüber stehende Flüssigkeit, welche sich klar abgiessen lässt. zeigen bei der Prüfung in nahezu gleicher Stärke die Tuberculinwirkung Eine Trennung lässt sich also auf diese Weise nicht erreichen.

Wenn aber Alkohol in immer grösserem Ueberschuss angewendet wird, dann bekommt man schliesslich statt der harzartigen Masse einen feinkörnigen Niederschlag, der, wiederholt mit absolutem Alkohol gewaschen, auf einem gehärteten Filter, unter Absaugen gesammelt und im Vacuum über Schwefelsäure getroeknet, ein fast weisses Pulver giebt. Um diesen Niederschlag zu erhalten, ver- fährt man am zweckmässigsten in der Weise, dass man das Tuberculin langsam in die 20 bis 25 fache Menge von absolutem Alkohol unter fortwährendem Umrühren ein- trõpfeln lässt, nach dem Absitzen des Niederschlages den Alkohol abgiesst, von Neuem absoluten Alkohol in gleicher Menge hinzufügt, dies einige Male wiederholt und schliess- lich den Niederschlag in der angegebenen Weise trocknet. Wenn man es versucht, den alkoholfeuchten Niederschlag durch Erwärmen auf dem Wasserbade zu trocknen, dann sintert er zusammen und wird bräunlich; im Vacuum- exsiccator dagegen trocknet er zu einer weissen, schwammigen Masse, die leicht zu Pulver zerdrückt werden kann. Das Tuberculin giebt bei der Behandlung mit Alkohol etwa 10 Proc trockenes Pulver. Letzteres ist aber keineswegs die wirksame Substanz in reiner Beschaffenheit; denn es enthält neben dieser noch eine Menge in Alkohol unlös- löslicher Extractivstoffe. Auch gelingt es nicht, durch abso- luten Alkohol den wirksamen Stoff vollständig aus dem Tuberculin niederzuschlagen. Denn, wenn der abfiltrirte Alkohol verdunstet wird, dann bleibt eine gelbliche klare Flüssigkeit zurück, welche aus dem Glycerin und dem im letzreren gelösten Substanzen besteht. Von dieser Flüssig- keit genügen 0,5 cem nicht mehr, um ein Thier zu tödten. Aber in einem Versuche erfolgte der Tod nach Injection von 1 cem, in einem anderen von 1,5 ccm.

Wenn nun auch durch Ausfällen mit Alkohol nicht die Gesammtmenge des wirksamen Stoffes aus dem Tuber- culin genommen werden kann, so lässt sich doch auf diese Weise ein grosser Theil von unwirksamen Substanzen ent- fernen und daruntor vor Allem das Glycerin, welches auf die Lösungsverhältnisse der im Tuberculin enthaltenen Stoffe von wesentlichem Einfluss ist.

Es kam nun weiter darauf an, Trennungen des im Alkoholniederschlag vorhandenen Gemisches von Körperu zu bewirken. Zu diesem Zwocke wurden unter Mitwirkung der Herren Proskauer und Prof. Brieger so ziemlich alle hierfür in Frage kommenden Methoden versucht, von denen ich nur folgende speciell erwähnen will: Behandlung mit Ammoniumsulfat, Magnesiumsulfat, Kaliumcarbonat, Baryt, Phosphormolybdänsäure, Phosphorwolframsäure, Eisenacetat, Bleiacetat, Tannin, Thierkohle. Aber keine von diesen Methoden hat zum Ziele goführt, Entweder wurde der wirksame Stoff, wie beim Ammoniumsulfat, noch zu sehr durch andere Stoffe verunreinigt abgeschieden, oder es verlor seine Wirksamkeit von vernherein, oder er liess sich nicht in wirksamer Form von dem Fällungsmittel trennen. So konnte z. B. mit Tannin alles wirksame aus

dem Tubereculin gefällt werden und der Niederschlag hatte,