Thiermedieinische

Bd. VI. No 4.

Herausgeber

Dr. E. Sehleidenühl

in Kiel.

vnd

besonderer Berücksichtigung der

Sch

mit

169192.

Expedition

Will. Inapp's Verlag

Halle a. S.

vergleichenden Pathologie und des gesammten Veterinär-Medicinalwesens. Gleichreitig Organ zur Verlretung der Mteressen des Uierärztichen Sündes.

Neue Folge der im Jahre 1885 begründetenRundschau auf dem Gebiete der Thiermediein.

Nachdruck ohne Genehmigung des Herausgebers verboten. (Reichsgesetz v. 11. Juni 1870.)

Weitere Mittheilungen über das Tuberculin. Von Prof. R. Koch in Berlin.

Nach dem Bekanntwerden des Tuberculins sind mehrfach Versuche gemacht, das in dem- selben enthaltene wirksame Princip zu isoliren, um es frei von anderen Stoffen anwenden zu können, denen man störende Nebenwirkungen zuschreiben zu müssen glaubte. Auch ich habe mich mit solchen Versuchen seit längerer Zeit beschäftigt und will über die gewonnenen Resultate im Nachstehenden berichten. Da bis jetzt nur vorläufige Mittheilungen über die hierher ge- hörigen Arbeiten vorliegen, und mir auch nach meinen eigenen Untersuchungen die Frage noch nicht völlig spruchreif zu sein scheint, so werde ich mich darauf beschränken, meine eigenen Befunde zu schildern, einer späteren Zeit es überlassend, Vergleiche zwischen den Resultaten der verschiedenen Beobachter anzustellen und etwaige Widersprüche aufzuklären.

Finige Vorversuche hatten erkennen lassen, dass die wirksame Substanz des Tubereulins nicht zu den Alkaloiden oder Ptomainen gehört, sondern ein den Eiweisskörpern nahestehender Stoff ist, von dem es fraglich sein musste, ob er die ge- wöhnlichen zur Isolirung solcher Stoffe ange- wendeten Manipulationen vertragen würde, ohne in seiner Zusammensetzung verändert zu werden. Ich bin deswegen in der Weise vorgegangen, dass ich nach jedem chemischen Fingriff die dadurch erhaltenen Produete auf ihre Wirkungs- weise am Thierkörper prüfte, um mich davon zu überzeugen, ob der wirksame Stoff überhaupt noch vorhanden und, wenn dies der Fall war, ob eine vollständige oder nur eine theilweise Trennung erzielt war. Ohne eine solche Schritt für Schritt der Untersuchung folgende Controle verliert man sehr bald den Faden und geräth auf Irrwege.

Da in diesem Falle auf den Thierversuch und die richtige Beurtheilung desselben fast alles an- kommt, so wird es nothwendig sein, auf den- selben etwas näher einzugehen. Gesunden Meer- schweinchen kann, wie ich früher bereits aus- einandergesetzt habe, das Tuberculin in ganz bedeutenden Mengen beigebracht werden, ohne dass eine merkliche Wirkung eintritt. Diese sind als Reagens für den wirksamen Stoff des Tuber- culins also nicht zu gebrauchen. Tubereulöse Meerschweinchen reagiren dagegen auf verhält- nissmässig kleine Dosen des Tuberculins in einer ganz charakteristischen Weise. Allerdings ge- nügt es für den vorliegenden Zweck nicht, dem Thiere nur so viel Tuberculin zu injiciren, dass es in ähnlicher Weise reagirt, wie wir es beim tubereulösen Menschen zu sehen gewöhnt sind; denn die Temperatursteigernng und auch die ört- lichen Symptome sind beim Meerschweinchen nicht ausgesprochen genug, um ein sicheres Urtheil über die Wirkung einer einmaligen Tuber- culininjection zuzulassen. Es bleibt nichts übrig, als dem Thiere eine so grosse Dosis beizubringen, dass es dadurch getõdtet wird. Bei Meerschweinchen, welche schon hochgradig tuberculös sind, also 8 10 Wochen nach der Impfung, genügt hierzu oft schon 0,01 g Tubereulin. Für Thiere mit weniger vorgeschrittener Tubereulose, 4 5 Wochen nach der Impfung, ist in der Begel 0,2 0,3 erforderlich. Einer Dosis von 0,5 g erliegen aber auch diese ausnahmslos. Nimmt man also Thiere, welche vor mindestens 4 Wochen geimpft sind, und injicirt ihnen 0,5 g Tubereulin oder eine dieser TPosis entsprechende Menge des aus dem Tuberculin gewonnenen und auf seine Wirk- samkeit zu prüfenden Stoffes, dann kann man, je nachdem das Thier stirbt oder am Leben bleibt,

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