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34 Thiermedieinische Rundschau etc.
— Uebertragungen der Maul- und Klauenseuche durch Verfütterung der Magermilch aus Genossenschafts- meiereien, in welche Milch von verseuchten Beständen ge- kommen war, sind in letzter Zeit sehr häufig beobachtet worden. Es wäre danach vom veterinärpolizeilichen Stand- punkte dringend erforderlich, für Verhütung solcher Vor- kommnisse Sorge zu tragen.
— Polizei-Verordnungen betr. die Nothschlach- tungen und den Verkauf des Fleisches nothgeschlach- teter Thiere wäreu gegenwärtig im ganzen preussischen Staat nothwendig, so ſange noch keine allgemeine Fleisch- schau auch auf dem Lande existirt. In den meisten Regie- rungsbezirken bestehen solche. Neuerdings ist diejenige für Minden besonders in Erinnerung gebracht, welche schon seit dem Jahre 1868 besteht. In derselben heisst es:
„Da in einzelnen Orten unseres Verwaltungsbezirks krankes Vieh und namentlich mit der sog. Fäule be- haftete Schafe oder auch mit dem Kalbefieber behaftete Kühe von den Viehbesitzern an ärmere Leute oder an Metzger um einen geringeren Preis zum Schlachten ver- kauft und das Fleisch desselben von den letzteren zum Wiederverkaufe ausgestellt wird, so verordnen wir hier- mit auf Grund des§ 11 des Gesetzes vom 11. März 1850, dass das Schlachten und der Verkauf von krankem Vieh zum Genusse oder Verkauf des Fleisches und dieser Verkauf selbst, sofern dasselbe nicht dnrch besondere Verordnung gestattet oder nicht durch das Attest eines approbirten Thierarztes die Unschädlichkeit des gen. Fleisches für die menschliche Gesundheit nachgewiesen ist, bei Vermeidung einer Strafe von 5— 10 Thaler oder verhältnissmässiger Gefängnissstrafe untersagt ist und beauftragen sämmtliche Polizeibehörden, auf die Aus- führung dieser Verordnung sorgfältig zu achten“.
— Aus Anlass von Erkrankungen nach dem Ge- nusse von Krebsen, welche nach erfolgtem Absterben gekocht waren, jedoch noch keinen Fäulnissgeruch vor der Zubereitung zeigten, macht das Berliner Polizeipräsidium besonders darauf aufmerksam, dass bei Krebsen, welche erst nach dem Absterben gekocht sind, die Schwanzflosse nicht unter den gekrümmten Hinterleib gezogen ist.
— Auf üble Gebräuche im Metzgereibetrieb lenkt Prof. Zschokke in Zürich jüngst die Aufmerksamkeit der Thierärzte und Behörden. Eine üble Gewohnheit der Fleischer(und auch der Thierärzte Ref.) ist es, krank- hafte Veränderungen, Veränderungen irgend welcher Art, namentlich tuberculöser Heerde, Abscesse u. dergl. einzuschneiden. Infectionsheerde werden dadurch ver- schleppt, und, wie Referent schon früher in dieser Zeitschrift ausgeführt hat, dadurch erst das Fleisch oft mehr schäd- lich gemacht, als durch locale tuberculöse Heerde an sich. Derartige Untersuchungen sollten auf das Nothwendigste beschränkt und nicht im öffentlichen Schlachtraume, sowie mit besonderen Instrumenten ausgeführt werden. Auch durch die mit tubereulõsem Material beschmutzten Instrumente, die meist sehr oberflächlich, oft durch Abwischen an den Schürzen gereinigt werden, werden an sich gesunde Fleisch- stücke und Organe verunreinigt und infectiös gemacht. Ebenso wird das Milchgeschirr, in welches Milch von tuberculösen Thieren gekommen war, durch mangelhafte Reinigung vielfach Träger der Verbreitung tuberculöser Keime. Fine üble und nachtheilige Gewohnheit ist auch, das Messer zeitweilig zwischen die Lippen oder Zähne zu nehmen. Viele Fleischer infieiren sich auf diese Weise durch tuberculöse Keime. Mit Recht hebt Z. auch die Art der Blutentziehung beim Rindvieh als eine üble Gewohnheit des Schlachtens hervor, wobei ein Gehülfe auf Brust und Bauch mit seinen Füssen stossende Bewegungen ausführt, um das Blut angeblich möglichst vollständig aus dem Körper zu pumpen. Häufig kommt aber dabei Magen- inhalt und Blut in den Schlund, die Luftröhre und in die Lungen, wodurch die letzteren verdorben werden.
Tagesgeschichte.
— Die hundertjährige Feier ihres Bestehens be- ging in diesem Jahre ausser der thierärztlichen Hochschule zu Mailand auch die thierärztliche Hochschule in London. (Royal veterinary College.) Die Hochschule ist, wie zahl- reiche andere Institute in England und Amerika, durch Beiträge privater Personen entstanden.
— Ueber die Vortheile eines englischen Patent- Pferdestriegels, welcher von C. Schimpke in Leipzig angefertigt ist, wird folgendes berichtet: Er ist dauerhaft, weil die Ringe aus Federstahl, der Griff aus schmiedbarem Gussstahl geſertigt und alle Theile fest vernietet sind. Die Zähne legen sich nicht um, weil der Striegel kreisförmig und elastisch ist. Er ist so weich wie eine Bürste, weil die gezähnten Ringe nachgeben und sich dadurch einerseits den Vertiefungen, andererseits aber auch den Erhöhungen des Körpers anpassen. Er reinigt sich selbst, weil durch die Bewegung der Ringe Schmutz und Haare von selbst abfallen. Er putzt ein Pferd schnell und gut, weil er 320 Zähne hat, welche ineinandergreifen und somit zugleich die Bürste ersetzen. Er kann die Haut nicht verletzen, weil er sich allen Theilen des Pferdes von den Ohren bis zu den Hufen anschmiegt.
— Thiere, welche beim Schlachten auf dem Ber- liner Schlachthofe eine gelbe Färbung zeigen, werden daraufhin, ob diese Färbung durch Fütterung oder durch Krankheit(Gelbsucht) entstanden ist, sehr genau untersucht. Es wird das Fleisch, das Blut und die Leber der Thiere mikroskopisch untersucht. Ergiebt diese Untersuchung, dass nicht Gelbsucht die Ursache der Gelbfärbung ist, dann wird das Thier freigegeben.
— Per Verkauf des gekochten leichtfinnigen Rind- und Schweinefleisches findet auf dem Schlachthofe in Berlin jeden Mittwoch und Sonnabend früh statt. Das Pfund gekochtes Rindfleisch Kostet 35 Pf., Schweinefleisch 40 Pf. Der Andrang zu diesem Verkauf ist derartig, dass Frauen Abends um 11 Uhr schon Aufstellung nehmen, um sicher zu sein, am anderen Morgen Fleisch zu erhalten. Die in den grossen Dampfkoch-Apparaten hergestellte Bouillon wird zum Fleisch unentgeltlich gegeben.
— In Flensburg ist der Bau eines öffentlichen Schlacht- hofes beschlossen und in Leisnig ein solcher eröffnet worden.
— Die Zahl der in Oesterreich alljährlich von wüthenden Hunden gebissenen und an Lyssa gestor- benen Menschen ist eine erhebliche Nach den Angaben in den Wiener med. Blättern betrug in den letzten 9 Jahren bei 7500 Hundewuthfällen die Zahl der gebissenen Menschen 3021 und die Zahl der an Lyssa gestorbenen Personen 822. Wenn die Pasteur'schen Schutzimpfungen, sagt das Blatt nicht ohne Grund, alljährlich 1 Procent Opfer ver- langen, so ist das gegenüber diesen 25 Proc. ein Beweis für den Werth der Pasteur'schen Impfungen.
— PEPine bemerkenswerthe Statutenänderung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte hat gelegentlich der letzten Versamwlung in Halle a. S. statt- gefunden. Um der immer stärker gewordenen Zersplitterung in zu viele Abtheilungen vorzubeugen, soll künftig nur eine genau begrenzte Zahl von Abtheilungen eingerichtet und bisherige Abtheilungen aufgelöst werden. Zu diesen gehören u. A. die Abtheilungen für Zahnheilkunde, PThier- heilkunde, Agriculturchemie u s. w. Es werden deshalb künſtig die thierärztlichen Mitglieder der Naturforscher- versammlungen ihre Vorträge in denjenigen anderen Ab- theilungen zu halten haben, wo dem Inhalt des Vortrages nach derselbe hingehört. Wird diese Neugestaltung auch anfänglich einige Unzuträglichkeiten im Gefolge haben, wird es z. B. künſtig nicht möglich sein, alle thierärztlichen Vorträge zu hören, wird es ferner den Vortragenden viel schwerer sein, geeignete Themata zu finden, so ist auf der


