1. November.

Thiermedicinische Rundschau etc. 35

anderen Seite der Vortheil der neugeschaffenen Lage un- verkennbar. Nicht allein wissenschaftlich, sondern auch gesellschaftlich werden die Thierärzte mit den übrigen Mitgliedern der Naturforscherversammlung in nähere Be- rührung treten. Die zu haltenden Vorträge, welche nach

Thema, Inhalt und Form bisher oft wenig sich von den-

jenigen einer thierärztlichen Versammlung unterschieden, werden dem künftigen Zuhörerkreis gegenüber etwas anders behandelt werden müssen. Der Nutzen der thierärztlichen Vorträge, die Betheiligung der Thierärzte an der Be- sprechung anderer medicinischer Fragen u. s. w. wird künftig schr günstig wirken.

Wir begrüssen deshalb diese Aenderung der Statuten als einen guten Fortschritt für Stand und Wissenschaft.

Rudolf Virchow's 70. Geburtstag. Selten dürfte der 70. Geburtstag eines Gelehrten in der ganzen civili- sirten Welt in ähnlicher Weise gefeiert worden sein, wie am 13. v. Mts. derjenige von Rudolf Virchow. Da über die Einzelheiten der Feier die gesammte politische Tages- presse berichtet hat, möge hier nur hervorgehoben werden, dass auch die thierärztliche Wissenschaft und der thier- ärztliche Stand ihrem wackeren Förderer an seinem Jubeltage die herzlichsten Glückwünsche durch den Rector der thier- ärztlichen Hochschule zu Berlin und den ersten Vorsitzen- den der OCentralvertretung der thierärztlichen Vereine aus- sprechen liess. Die deutschen Thierärzte haben allen Grund, Herrn Geh. Rath Virchow Dank und Anerkennung für seine Thätigkeit zu zollen. Wer zum Beweise dessen das BuchDas thierärztliche Unterrichtswesen Deutschland's¹) zur Hand nimmt, wird sich ohne Schwierigkeit ein Bild von der öffentlichen Thätigkeit Virchow's für den thierärzt- lichen Stand und die thierärztliche Wissenschaft machen können. Es mögen hier nur einige wenige Stellen aus den Reden im Abgeordnetenhause wiedergegeben werden.

Im Jahre 1862 sagte Virchow im Abgeordneten- hause gelegentlich der Bespre chung einer Petition schle- sicher Thierärzte, um Hebung des Militär-Thierarznei- wesens ¹):

Sie haben gehört, dass auch gegenwärtig die König- liche Staats-Regierung der Ausicht ist, dass die eigentliche Bedeutung der Thierärzte in der Armee im Hufbeschlage zu suchen sei. Ehe man diesen Standpunkt nicht aufgiebt, eher kann man nicht auf wissenschaftlich gebildete Phier- ärzte rechnen, und eher wird die weitere Reihe der Reor- ganisationen nicht eintreffen und vollendet werden, auf welche die Petenten hinzielen.

Im Jahre 1872 im Abgeordnetenhause:

Zwischen der Thierarzneikunde und der Menschen- heilkunde ist wissenschaftlich oder sollte wenigstens wissen- schaftlich keine Scheidegrenze sein; die Erfahrungen der einen müssen verwerthet werden für die Entwickelung der anderen. Das ist immer so gewesen.

Im Jahre 1886 im Abgeordnetenhause:

Ich bin der Meinung, dass viel grössere Mittel zur Verfügung gestellt werden müssten, dass insbesondere das Versuchswesen auf den Veterinärhochschulen im Interesse der Landwirthschaft in viel ausgedehnterem Masse geför- dert werden müsste, damit gewisse schwierige Fragen, die gegenwärtig ein fortwährender Zankapfel unter den Be- theiligten sind, auf strengere Weise erledigt, und auch der Gesetzgebung dadurch die sicheren Unterlagen ge- währt würden.

Möge es dem verdienten Vorkämpfer auf allen Gebieten des öffentlichee Lebens beschieden sein, sich der erreichten unvergleichlichen Erfolge noch recht lange in ungetrübtem Wohlbefinden zu erfreuen.

Pine typhusartige Epidemie jst in Affinghausen (Kreis Hoya) ausgebrochen. Der Kreislandrath hat infolge dessen untersagt, dass aus denjenigen Gehöften, wo Pr-

¹) Leipzig. 1890. S. 49.

krankungen beim Menschen beobachtet sind, Milch an die Molkerei geliefert werde.

In dem Ftat des bayer. Civilveterinärwesens für 1892/93 ist zur Verbesserung der Stellen der be⸗- amteten thierärztlichen Stellen die Summe von 59 768 Mk. in den Etat eingestellt worden. Zunächst sollen die Kreis- thierärzte, welche den preussischen Departementsthierärzten gleichstehen, pensionsberechtigte Stellung mit dem Gehalte der Regierungs-Assessoren bekommen. Die Regierungs- Assessoren stehen in der VI. Gehaltsklasse b mit einem pensionsberechtigten Gehalt von 3540 Mk. und einem Wohnungsgelde von 300 Mk. pro Jahr. Die Quinquennial- zulagen betragen 180 Mk. Ferner sollen die älteren Be- zirksthierärzte künftig 1200 Mk. und die jüngeren 990 Mk. einschliesslich Gehaltszulage erhalten.

Die Aufbesserung des Gehalts der Bezirksthierärzte ist in folgender Weise begründet:

Die in Folge des lebhaften Viehhandels zunehmende Seuchengefahr und die im Interesse des bayerischen Vieh- Exportes nothwendig gewordene schärfere Ueberwachung der Viehmärkte und des Verkehrs mit Handelsvieh, die Controle der Pesinfection der Eisenbahn-Viehwagen, der Vieh-Verladeplätze und der Gaststallungen bedingen eine stärkere Inanspruchnahme der dienstlichen Thätigkeit der Bezirksthierärzte, zugleich aber auch eine Einschränkung der Privatpraxis. Die Bezirksthierärzte haben ausserdem in den letzten Jahren durch den Wegfall der Schaf- und Reduetion der Hunde-Visitationen eine wesentliche Ver- kürzung des früheren Dienst-Einkommens erfahren.

Es erscheint daher als ein Erforderniss der Billig- keit und als ein unabweisbares Bedürfniss, die amtlichen Thierärzte financiell so zu stellen, dass sie jeder Zeit den dienstlichen Anforderungen und den Aufgaben auf wirth- schaftlichem Gebiete ohne Gefährdung ihrer sonstigen Existenzbedingungen gerecht werden können

Ueber die Centenarfeier in Mailand erwähnen wir nach den in italienischen thierärztlichen Zeitschriften (u a. in der La clinica veterinaria) enthaltenen Mit- theilungen noch folgendes: Bei der Hauptfeier waren etwa 300 practische PThierärzte und Studirende gegenwärtig; Ausserdem die stattliche Zahl von Ehrengästen, Vertretern der Regierung, der Kunst und Wissenschaften. Nachdem der Abgeordnete der Stadt Mailand die Festversammlung begrüsst hatte, beglückwünschte der Unterstaatssecretär der Regierung die Hochschule zu ihrem Feste. Dann über- brachten die Abgeordueten der einzelnen Hochschulen des Auslandes die Glückwünsche derselben, für Lyon Prof. Cornevin, für Alfort Prof. Trasbot, für Hannover Prof. Schick, für Berlin Prof. Schütz, für München Prof. Kitt, für Stuttgart Prof Fricker, für Bern Prof. Berdez, für Budapest Prof. Hutyra. Pann folgten die Vertreter der italienischen thierärztlichen Hochschulen, dann als Vertreter des italienischen Militär-Veterinärcorps Berto, dann die Abgeordneten der thierärztlichen Vereine und der Studentenschaft.

Bücherschau.

Die zweckmässigste Ernährung des Rindviches. Ge-

krönte Preisschrift. Von Dr. Julius Kühn, Geh. Reg.-

Rath in Halle a. S. Zehnte Auflage. Dresden 1891.

S. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung. Preis gebunden 6 Mk. 375 Seiten.

Die im Jahre 1860 gedruckte Schrift liegt jetzt in zehnter Auflage vor. Der hervorragend bekannte und ver- diente Verfasser hat es verstanden, im Laufe eines Menschen- alters die Schrift fortgesetzt auf der Höhe der Zeit zu er- halten und ihr dadurch immer höheren Werth zu geben. Auch die vorliegende Auflage ist gegen die früheren er- heblich vermehrt und verbessert worden. Wenn aach für Landwirthe geschrieben, wird die Schrift besonders in ihrem

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